Russischer Vormarsch und ukrainische Fluchtkorridore

Politik / 03.03.2022 • 20:30 Uhr
Russischer Vormarsch und ukrainische Fluchtkorridore
Aus den Großstädten mehren sich Bilder von Artillerie zerstörter Wohnblöcke, wie hier in Borodyanka bei Kiew. Reuters/Lewin

Zivilisten soll die Flucht aus umkämpften Städten ermöglicht werden. Angriffe nehmen an Gewalt zu.

Kiew, Moskau Eine Woche nach Beginn der russischen Invasion der Ukraine haben sich Kiew und Moskau nach ukrainischen Angaben auf die Schaffung humanitärer Korridore für Zivilisten aus umkämpften Orten verständigt. Dies sei das einzige Ergebnis einer zweiten Gesprächsrunde mit Russland, erklärte der ukrainische Unterhändler Mychailo Podoljak nach Abschluss der Gespräche an der belarussisch-polnischen Grenze am Donnerstag. Die Ukraine forderte einen Waffenstillstand, es werde bald eine dritte Gesprächsrunde geben.

Ein Video des russischen Verteidigungsministeriums zeigt auf Kiew vorrückende Truppen. <span class="copyright"> Russian Defence Ministry/Handout via REUTERS</span>
Ein Video des russischen Verteidigungsministeriums zeigt auf Kiew vorrückende Truppen. Russian Defence Ministry/Handout via REUTERS

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Kremlchef Wladimir Putin zu direkten Gesprächen aufgefordert. “Wenn Du nicht (mit Deinen Truppen aus der Ukraine) abhauen willst, setz Dich zu mir an den Verhandlungstisch, ich habe Zeit”, sagte Selenskyj am Donnerstag vor Journalisten. “Aber nicht auf 30 Meter Abstand wie mit (dem französischen Präsidenten Emmanuel) Macron, (Bundeskanzler Olaf) Scholz – ich bin doch ein Nachbar”, sagte Selenskyj. “Ich beiße nicht”, sagte der 44-Jährige. “Setz Dich zu mir, sag mir, wovor Du Angst hast.”

Russischer Vormarsch

Russland arbeitet derweil auf die Erreichung zweier scheinbarer Kernziele der Invasion hin: Eine Landschneise zwischen der Krim und den Separatistengebiete zu schaffen wie auch die Hauptstadt Kiew einzukesseln. Die USA schätzt, dass 90 Prozent der für den Angriff zusammengezogenen 150.000 Soldaten inzwischen in der Ukraine agieren. Die nachrückenden Truppen dürfe man nicht als Reserven missverstehen, die aufgrund nachlassender Kampfkraft zum Einsatz kommen. Vielmehr setze Russland seine Planungen um. “Ich möchte sagen, dass die militärische Spezial-Operation streng nach Zeitplan und nach Plan verläuft”, betont Putin demonstrativ bei einer im Staatsfernsehen übertragene Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats am Donnerstag.

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Aufbau von Panzersperren in Kiew.<span class="copyright"> REUTERS/Valentyn Ogirenko</span>
Aufbau von Panzersperren in Kiew. REUTERS/Valentyn Ogirenko

Bei Angriffen auf die Millionenstadt Charkiw und Umgebung sind nach Angaben örtlicher Behörden seit Mittwoch mindestens 34 Zivilisten getötet worden. 285 Menschen seien verletzt, darunter 10 Kinder. Die umzingelte Hafenstadt Mariupol mit rund 440.000 Einwohnern ist laut örtlicher Behörden ohne Wasser, Heizung und Strom. Die südliche Gebietshauptstadt Cherson mit 280.000 Einwohner ist in russischer Hand. Enerhodar, Standort des größten Atomkraftwerk Europas, ist seit Mittwoch umkämpft.

Ein Freiwilliger bei Lemberg baut Panzersperren. <span class="copyright">AFP/LEAL</span>
Ein Freiwilliger bei Lemberg baut Panzersperren. AFP/LEAL

Der Kommandeur der an der Invasion beteiligten 7. Luftlandedivision, Generalmajor Andrej Suchowezki, sei tot, teilte eine lokale Offiziersorganisation im südrussischen Krasnodar mit. Die Umstände seines Todes sind unklar. Das Weltstrafgericht hat Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in der Ukraine eingeleitet. 39 Vertragsstaaten des Internationalen Strafgerichtshofes hätten eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen.

Österreicher in Ölkonzernen

Russlands zweitgrößter Ölproduzent Lukoil erklärt aus seiner Webseite, man sei besorgt über die “tragischen Ereignisse” und unterstütze die Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts. Im Aufsichtsrat des Ölriesen sitzt auch der ehemalige ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Rücktrittsaufforderungen hat er bislang zurückgewiesen, es handle sich um keine Staatsfirma. Auch Ex-Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) hält an ihrem Aufsichtsratsposten im staatlichen russischen Öl-Konzern Rosneft fest.