Runde zwei für Macron und Le Pen

Politik / 10.04.2022 • 22:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Marine Le Pen trat bereits zum dritten Mal zur Präsidentschaftswahl an.AP
Marine Le Pen trat bereits zum dritten Mal zur Präsidentschaftswahl an.AP

Der französische Präsident und die Rechtspopulistin müssen sich einer Stichwahl stellen.

Paris Nach der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl liegen der amtierende Staatschef Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen laut Hochrechnungen vorne. Der Liberale und seine Konkurrentin vom Rassemblement National ziehen demnach am 24. April in die Stichwahl. Laut den Berechnungen des Instituts Elabe, die der Sender BFM TV veröffentlichte, erhielt Macron in der ersten Runde 28,5 Prozent, gefolgt von Le Pen mit 24,2 Prozent. Andere Umfrageinstitute veröffentlichten ähnliche Hochrechnungen.

Wunsch nach Stabilität

Auch wenn viele Franzosen unzufrieden mit Macrons erster Amtszeit waren und er im Wahlkampf nicht begeisterte, profitierte der 44-Jährige noch von der Schwäche anderer Kandidaten. Wünsche in der Bevölkerung nach Stabilität und einer gemäßigten Politik infolge des Kriegs in der Ukraine kamen ihm ebenfalls zugute. Zudem hat er klare Erfolge am Arbeitsmarkt sowie einen robusten Durchstart der französischen Wirtschaft nach der Corona-Krise vorzuweisen.

Die 53-jährige Populistin Le Pen versuchte dagegen, mit gemäßigteren Tönen als früher zu punkten und inszenierte sich zugleich als Anwältin derjenigen, die unter der Inflation und steigenden Preisen für Strom, Sprit und Lebensmittel leiden. Anders als Macron war sie schon seit Monaten auf zahlreichen Marktplätzen und in Wahlkampfhallen persönlich vor Ort. Die anderen Kandidaten spielten im Wahlkampf eine deutlich geringere Rolle.

Macron und Le Pen treten nun am 24. April gegeneinander an – eine Wiederauflage des Stichwahl-Duells von 2017, in dem Le Pen gegen Macron letztlich klar unterlag. Umfragen sagten für dieses Mal aber einen deutlich knapperen Ausgang vorher. Immer wieder gewann in der Stichwahl der französischen Präsidentschaftswahl auch der Kandidat, der in der ersten Runde auf Platz zwei gelandet war.

Ein Sieg Le Pens hätte für Europa schwere Folgen. Frankreich könnte unter ihr vom Treiber zum Bremser werden, ganz anders als unter dem pro-europäisch engagierten Macron. In der aktuell eskalierenden Krise zwischen dem Westen und Russland befürchten Europa und die USA mit Le Pen ein Bröckeln der festen Pro-Ukraine-Front. Le Pen machte Kremlchef Wladimir Putin bereits erneut Avancen. Nach einem Ende des Krieges könnte Russland wieder ein Partner werden, sagte sie.

Nichtwähler entscheidend

Auch wenn Umfragen dieses Mal einen weitaus knapperen Ausgang voraussagten, müsste Le Pen erheblich gegen Macron mobilisieren, um zu gewinnen. Zwar kann sie auf Unterstützer des Rechtsextremen Eric Zemmour und Stimmen der Konservativen setzen, jedoch kaum aus dem Mitte-Links-Lager. Hier würde es ihr vor allem helfen, wenn von Macron frustrierte Linke der Wahl einfach fernblieben und so ihre Prozente in die Höhe trieben.

Für die einstigen Volksparteien der Republikaner und Sozialisten ist die Wahl eine Niederlage historischen Ausmaßes. Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon erreichte laut den Sendern gut 20 Prozent. Zemmour zog mit circa sieben Prozent an der Konservativen Valérie Pécresse mit etwa fünf Prozent vorbei. Die sozialistische Kandidatin Anne Hidalgo lag abgeschlagen bei rund zwei Prozent. Der Grüne Yannick Jadot kam auf etwa 4,5 Prozent.

Die Franzosen werden am 24. April nochmals zur Wahlurne schreiten: Es findet eine Stichwahl statt.AFP
Die Franzosen werden am 24. April nochmals zur Wahlurne schreiten: Es findet eine Stichwahl statt.AFP
Nachdem er seine Stimme abgeben hatte, mischte sich Macron noch ins Getümmel. AFP

Nachdem er seine Stimme abgeben hatte, mischte sich Macron noch ins Getümmel. AFP

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