Trotz Sommerwelle: Lage in Vorarlberger Spitälern bleibt stabil

Politik / 12.07.2022 • 05:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die EU-Gesundheitsbehörde empfiehlt allen ab 60 Jahren die vierte Impfung. <span class="copyright">AFP/Robyn Beck</span>
Die EU-Gesundheitsbehörde empfiehlt allen ab 60 Jahren die vierte Impfung. AFP/Robyn Beck

Die EU empfiehlt allen über 60 Jahren den vierten Stich.

Bregenz Dass eine Sommerwelle kommt, haben die meisten Expertinnen und Experten prognostiziert. Allerdings fällt sie bislang stärker aus als erwartet. “Wir hatten vor sechs Wochen geglaubt, es ist nur eine ganz kleine Welle”, sagt der Vorarlberger Gesundheitsexperte Armin Fidler. Das Gesundheits- und das Innenministerium meldeten am Montag 7228 Neuinfektionen. In den vergangenen Tagen lagen die Zahlen aber auch schon deutlich über 10.000 neuen Fällen. Die gute Nachricht ist: In Vorarlberg bleibt die Situation in den Spitälern stabil.

Plateau noch nicht erreicht

“Wir haben noch kein Plateau erreicht, aber der Anstieg der Neuinfektionen hat sich abgeflacht”, berichtet Fidler über die neueste Datenlage. Aktuell liegen auf den Normalstationen der Vorarlberger Krankenhäuser 47 Patienten, die an oder mit Covid-19 erkrankt sind, heißt es vonseiten der Vorarlberger Landeskrankenhäuser auf Nachfrage der VN. Auch diese Zahl ist leicht steigend.

Neun Patienten auf der Normalstation sind nicht vollimmunisiert. Ein Blick auf die Intensivstationen zeigt, dass die Impfung vor schweren Verläufen schützt: Denn dort müssen derzeit keine Corona-Erkrankten behandelt werden (vergangene Woche waren es noch zwei Patienten). Und das, obwohl laut Experte der Landeskrankenhäuser rund 80 Prozent der Covid-Patientinnen und Patienten derzeit auch wegen einer anderen Erkrankung in den Spitälern sind, die Corona-Erkrankung ist die Nebendiagnose.

Keine Urlaubssperre und OP-Betrieb in Spitälern

Auch die personelle Situation in Vorarlberger Krankenhäusern bleibt stabil. Von den insgesamt rund 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können aktuell 68 coronabedingt nicht arbeiten. Diese Zahl ist seit letzter Woche leicht rückläufig und liegt bei rund 1,1 Prozent. Aktuell sind daher keine coronabedingten Einschränkungen im Spitalsbetrieb erforderlich, heißt es vonseiten der Vorarlberger Landeskrankenhäuser. In Vorarlberg gibt es übrigens keine eigene Covid-Station. Im Bedarfsfall können die Spitäler die intensivmedizinische Versorgung stufenweise auf 104 Beatmungsplätze aufstocken. 

Ganz anders präsentiert sich die Situation in Wien: Die Zahl der Coronainfizierten, die in den Wiener Spitälern behandelt werden müssen, steigt derzeit deutlich an. Betroffen sind besonders die Normalstationen. Laut Bericht von orf.at sei die Klinik Favoriten „fast randvoll“.

Vierter Stich

“Die neuen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 sind ansteckender. Außerdem wirkt der Impfstoff weniger gegen Ansteckungen”, so Fidler. Er betont jedoch, dass die Vollimmunisierung weiterhin gegen einen schweren Verlauf hilft. Die Dominanz der Omikron-Variante hat im Wesentlichen nichts daran geändert, welche Menschen bezüglich Corona in Spitälern behandelt werden müssen: Ältere bis alte Patienten mit Vorerkrankungen.

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher appellierte dringend an alle Vorarlberger, den persönlichen Impfstatus zu überprüfen: „Nur ein aufrechter Corona-Immunschutz wirkt gegen schwere Krankheitsverläufe.” Vorarlberg hält über die mobile Impfstraße ein breites Impfangebot aufrecht. In dieser Woche wird am Dienstag in Götzis, am Mittwoch und Freitag in Dornbirn und am Donnerstag in Hard die Corona-Impfung angeboten. In Österreich hatte das Nationale Impfgremium zuletzt den vierten Stich ab 65 Jahren und für Risikopersonen empfohlen.

EU-Gesundheitsbehörde mit neuer Empfehlung

Auch die EU-Gesundheitsbehörde veröffentlichte am Montag ihre Empfehlung für den vierten Stich, und zwar für alle Menschen über 60 Jahre. “Angesichts des erneuten Anstiegs der Fälle und Krankenhauseinweisungen mit Beginn des Sommers fordere ich alle auf, sich so schnell wie möglich impfen und boostern zu lassen”, sagt EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides.

Fidler betont in diesem Zusammenhang, dass die vierte Impfung eigentlich der Booster ist. Bei der dritten Impfung handelt es sich noch um die Grundimmunisierung. “Wenn man sich die internationalen Daten und Publikationen ansieht, dann wird klar, dass lediglich zwei Impfungen so gut wie gar nichts nützen”, so der Public Health-Experte.

Menschen mit Grunderkrankungen empfiehlt Fidler bereits jetzt den vierten Stich. “Es macht gar nichts aus, wenn wir im Herbst einen neuen Impfstoff hätten. Nach vier Monaten kann man sich erneut impfen.” Fidler betont zudem, dass man das Immunsystem durch zu viele Impfungen nicht überlasten kann: “Dieses Gerücht geht ja in der Bevölkerung herum. Das ist Humbug. Das Immunsystem wird pro Tag 300 bis 400 Mal stimuliert, durch Bakterien, Pilze, Viren, Staub, Pollen. Die Impfung ist nichts anderes. Und tut dem Immunsystem gar nichts.”