2022 könnte neuen Temperaturrekord bringen

Politik / 11.11.2022 • 04:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch auf Vorarlbergs höchstem Berg, dem Piz Buin, steigen die Gefahren durch den Klimawandel. <span class="copyright">Vorarlberger Nachrichten</span>
Auch auf Vorarlbergs höchstem Berg, dem Piz Buin, steigen die Gefahren durch den Klimawandel. Vorarlberger Nachrichten

ZAMG-Meteorologe Alexander Orlik über die Folgen des Klimawandels auf Gebirge und Gletscher.

Schwarzach In Österreich war der vergangene Oktober der wärmste in der Messgeschichte. Wie sich das Klima entwickelt hat und welche Trends sich ablesen lassen: Klimatologen Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gab bei Vorarlberg Live Einblick.

Der Wissenschafter beschäftigt sich im Arbeitsalltag mit Wetterdaten, die circa zehnminütig in die Datenbank eingehen. Diese werden mit Informationen aus der Vergangenheit in Relation gebracht. Daraus lässt sich schließen, wie sich das Klima wandelt. Sehr warme Monate kommen zwar immer wieder vor. So war es beispielsweise in Bregenz noch nie so warm. „Für sich allein betrachtet ist das noch nichts Besonderes. Allerdings können wir sehen, dass diese Wetterrekorde zunehmen“, sagt Orlik.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Mehr Gefahren am Berg

Mit der Zunahme der Wintertemperaturen wird die Schneedeckendauer weiter zurückgehen, vor allem zwischen 1000 und 1500 Metern. Das ist auch für den Wintersport relevant. „Aufgrund der Erwärmung wird es in den Alpentälern und Mittelgebirgslagen weniger Schnee geben.“ In Lech/Zürs wurde etwa im November der Weltcup abgesagt. „Dass die Schneedecke auch im Oktober noch nicht vorhanden ist, kann schon einmal vorkommen. Der Winter wird jedoch kürzer, die Schneedecke baut sich später auf und schmilzt schneller ab“, präzisiert der Experte.

Auch der Rückgang der Gletscher wird sich weiter beschleunigen, so Orlik. Gerade in den Sommermonaten, die immer heißer werden, merkt man die Verletzlichkeit. In den unteren Lagen könnten die österreichischen Gletscher in 20 bis 30 Jahren verschwinden.

Felsstürze, Gletscherschwund

Durch die milden Temperaturen steigen die Gefahren im Gebirge. Das ist gerade auf Vorarlbergs höchstem Berg dem Piz Buin zunehmend ein Thema. Die Permafrostböden tauen auf. Das Gestein im Hochgebirge wird lockerer und kann dadurch leichter ins Tal stürzen. Felsstürze kommen häufiger vor, sagt der Experte.

Nicht nur im Winter macht sich die Erderhitzung bemerkbar. Seit einigen Sommern sprechen Meteorologen immer häufiger von „Tropennächten“. Orlik erklärt, was darunter zu verstehen ist: „Das heißt, dass die Temperatur innerhalb von 24 Stunden nicht unter 20 Grad Celsius sinkt.“ Das merke man vor allem in stark verbauten städtischen Gebieten, wie in Wien. In Vorarlberg ist dieses Phänomen noch nicht so ausgeprägt. 

Das Jahr 2022 wird mit ziemlich Sicherheit zu einem der heißesten seit Beginn der Messgeschichte werden, auch in Vorarlberg. Es komme nun darauf an, wie sich der Dezember entwickelt. „Es könnte sich sogar noch das wärmste Jahr ausgehen“, sagt Alexander Orlik. Das kann er schon jetzt prognostizieren: Es wird auf jedenfall nicht mehr kälter werden als im fünftwärmsten Jahr der Messegeschichte. VN-JUS, RAM

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.