Rainer Keckeis

Kommentar

Rainer Keckeis

Kommentar: Weiterwursteln

Politik / 26.01.2026 • 07:00 Uhr

Unser Gesundheitssystem zählt zu den besten, jedenfalls aber zu den teuersten der Welt. Jährlich machen wir rund 57 Milliarden Euro für unsere Gesundheit locker; Tendenz rapide steigend. Verfolgt man jedoch die öffentliche Debatte, so könnte der Eindruck entstehen, dass wir in einem Dritte-Welt-Land leben: Jede noch so überschaubare Wartezeit bei einem Arzt wird als persönliche Zumutung empfunden und wenn die öffentliche Hand Reformschritte zur Eindämmung der hohen Kostensteigerungen ankündigt, sorgt dies regelmäßig für einen Sturm der Entrüstung. Dass dies nicht immer der Sache wegen passiert, sondern vielmehr persönliche Eitelkeiten die Motivation für diese Proteste sind, macht das Ganze nicht einfacher.

Dabei würde schon ein Blick auf die Faktenlage helfen. Österreich mit 9 Millionen Einwohnern verfügt über 262 Krankenhäuser. Ein Vergleich sei erlaubt: Für die hochwertige Gesundheitsversorgung von 6 Millionen Dänen braucht es gerade einmal 33 Spitäler und nur 12 davon sind mit einer Notaufnahme für Akutfälle ausgestattet. Nur der Vollständigkeit halber: Vorarlberg leistet sich mit 400.000 Einwohnern sechs Krankenhäuser. Notwendig und sinnvoll wären hierzulande freilich die Hälfte. Das würde laut Experten die Versorgung quantitativ keinesfalls verschlechtern, dafür aber qualitativ verbessern. Machbar ist das aber nicht, weil unser Land – zynisch gemeint – flächenmäßig riesig und verkehrsmäßig kaum erschlossen ist

Auch die andiskutierte Verlagerung der Spitalskompetenz von den offenbar überforderten Ländern hin zum Bund wird nicht die erhofften Effekte erzielen. Faktisch wollen sich nämlich die Länder ein Vetorecht bei der Frage der Spitalsstandorte sichern. Und der größte Finanzier der Spitäler, die gesetzliche Krankenversicherung, darf lediglich zahlen und besitzt kaum ein Mitspracherecht. Selbst die Ärztekammer als Vertreter eines ganz wichtigen Teils der Gesundheitsversorgung will die Politik nicht ernsthaft in einen Diskussionsprozess einbinden.  Dafür sollen politische Mandatare in dieser komplexen Fragestellung zumeist bar jeglichen Sachverstandes das Gesundheitssystem so umbauen, dass es für künftige Herausforderungen gerüstet ist. Wenn man sich vor Augen führt, dass die Regierungsparteien nicht einmal in der Lage sind, die Liste der Ust-ermäßigten Lebensmittel ohne große Debatte zu beschließen, lässt sich erahnen, wie erfolgreich die angekündigte Gesundheitsreform ausfallen wird. Offenbar ist es nicht möglich, einen Konsens herzustellen, der alle wesentlichen Player im Gesundheitssystem umfasst. Selbst angesichts der großen demografischen Herausforderungen droht deshalb auch bei der Gesundheitsreform ein Weiterwursteln wie gehabt.

Rainer Keckeis ist ehemaliger AK-Direktor Vorarlberg und früherer Feldkircher VP-Stadtrat.