Wohnungsmarkt in Vorarlberg: “Wir haben zuletzt unter Bedarf gebaut. Da ist ein gewisser Nachholbedarf gegeben”

Experten sehen Bedarf an neuen Wohnungen im Land. Sie haben aber positive Nachrichten: In der Branche geht es wieder aufwärts.
Bregenz Wäre Vorarlberg ein Auto, das von einem Vierzylinder angetrieben wird, dann wäre der Wohnbau einer dieser vier Zylinder. Stockt der Zylinder, stottert das Auto; stockt die Baubranche, stottert das Land. Unternehmen geraten ins Strudeln, Arbeitsplätze gehen verloren, Wohnraum wird knapp, was sich auf den Preis auswirkt. Auch Gemeinden und Handel geraten ins Schleudern. In den vergangenen Jahren stotterte die Bauwirtschaft im Land kräftig. Jetzt scheint sich die Situation zu bessern. Der Zylinder zündet langsam wieder.
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Ein Indikator dafür ist die Zahl der bewilligten Wohnungen im Land. In den Jahren 2023 und 2024 waren es je 2400 Wohnungen. Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) geht davon aus, dass es im Jahr 2025 rund 3300 Stück gewesen sind. “Das ist eine gute Nachricht, wir liegen damit fast wieder beim Zehn-Jahres-Schnitt.” Allerdings sei dies auch nötig. Wir haben zuletzt unter Bedarf gebaut. Da ist ein gewisser Nachholbedarf gegeben.”

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Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo fragt regelmäßig Bauunternehmen, wie sie die Lage einschätzen. “Die Stimmung hat sich im Vorjahr gedreht”, berichtet Wifo-Wohnbauexperte Michael Klien. “Die Erholung ist langsam und zäh, aber sehr kontinuierlich. Fast alle Baufirmen berichten, dass sie zumindest ausreichend Aufträge haben.” Nun müssten die Bauträger schnell ins Bauen kommen. “Die Bewilligungen ziehen zwar an, aber am Immobilienmarkt merkt man das noch nicht. Es kommen immer noch weniger Objekte auf den Markt.”

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Für den leistbaren Wohnraum sind auch die Gemeinnützigen zuständig. Auch da herrscht Nachholbedarf, zeigen die Zahlen: Ende 2024 waren 29 Prozent aller Mietwohnungen gemeinnützig, ähnliche Werte weisen nur Tirol (29 Prozent) und Wien (27 Prozent) auf. Der Österreichschnitt liegt bei 39 Prozent, Spitzenreiter ist das Burgenland mit 72 Prozent. Vorarlbergs Landesregierung möchte, dass mindestens 500 gemeinnützige Wohnungen pro Jahr dazukommen. Im Vorjahr sind 550 Stück genehmigt worden, berichtet Landesrat Marco Tittler. “Wir wollen das Niveau halten.” Nicht nur, weil damit der Bedarf gedeckt werden könne, sondern auch, weil damit das Geld aus der Wohnbaumilliarde komplett abgeholt werden könne. Für Vorarlberg sind 34 Millionen Euro reserviert. Ein weiterer Hebel des Landes ist die Wohnbauförderung. Auch da zeigt sich Aufwind: Im Jahr 2024 hat das Land Vorarlberg 1065 Förderzusagen verteilt. Im Vorjahr waren es 1320, obwohl das Land die Förderung im Laufe des Jahres zurückgefahren hat. Wolfgang Amann sieht aber noch weiteren Handlungsbedarf: “Bei den Eigenheimen braucht es weitere Impulse. Nicht zuletzt, um sie leistbar zu halten.”
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Ob gemeinnützig oder privat – für die Arbeitsplätze ist nur wichtig, dass gebaut wird. Vorarlberg hat die Flaute besonders gespürt, erläutert Wifo-Experte Klien. “Das hat auch damit zu tun, dass Vorarlberg einen größeren Wohnbauboom hatte als die anderen Bundesländer, weshalb das Land in der Rezession auch mehr zu verdauen hat.” Im Jahresverlauf 2025 habe sich die Situation aber deutlich gedreht.
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Wobei im Gesamtjahr die Arbeitslosigkeit noch minimal gestiegen ist, ergänzt Vorarlbergs AMS-Chef Bernhard Bereuter. Im Bereich Bau waren Ende des Jahres 668 Personen arbeitslos – neun mehr als im Jahr 2024. Die Zahl der offenen Stellen ging um 50 auf 226 zurück. Insgesamt arbeiten in der Vorarlberger Baubranche 11.166 Personen. Das sind 240 weniger als im Jahr 2024. “Wir gehen aber davon aus, dass die Personalnachfrage wieder steigen wird, wenn auch auf niedrigem Niveau”, blickt Bereuter nach vorne. Auffallend sei die hohe Nachfrage nach ausgebildetem Personal. “Mittlerweile verlangen 70 Prozent der offenen Stellen im Baubereich eine Ausbildung.”

2025 sei ein Wendepunkt gewesen, ist Michael Klien überzeugt. “Wir werden aber nicht direkt in eine Boomphase übergehen.” Auch Landesrat Tittler ist zuversichtlich: “Wir sind vorsichtig optimistisch.” Damit der Motor wieder brummt wie geschmiert.