Bau schleppt sich aus der Krise

WIFO-Experte Klien: Mehr Schwung wäre wichtig, damit genug Wohnungen entstehen.
SCHWARZACH. Die gute Nachricht: Der Wohnbau im Land scheint sich nach einem Einbruch nicht nur zu stabilisieren, sondern zu erholen. Es werden wieder mehr Projekte angegangen. Mehr Schwung wäre jedoch wichtig, damit genug Wohnungen entstehen, wie Michael Klien vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO erklärt. Die schlechte Nachricht: Darauf gibt es seinen Angaben zufolge noch keine Aussicht.
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Gerade hat „Statistik Austria“ Daten zur Anzahl baubewilligter Wohnungen im 3. Quartal 2025 veröffentlicht. Sie wirken erfreulich: In Vorarlberg handelte es sich ein weiteres Mal um mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Wolfgang Amann, geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen, rechnet damit, dass es von Jänner bis Dezember alles in allem über 3300 werden. Das sei eine signifikante Steigerung. 2024 waren es 2450, 2023 gar nur 2435. Im Spitzenjahr 2021 hatte es sich andererseits um über 4700 gehandelt, also noch immer um deutlich mehr.

Das spiegelt sich auch für Unternehmen wider, die in dem Bereich tätig sind. Daniel Leitinger, Geschäftsführer von Rhomberg Bau, berichtet: „Generell erkennen wir aktuell eine moderate Erholung auf dem Immobilienmarkt in Vorarlberg. Die Nachfrage steigt leicht, und auch die Bautätigkeiten haben wieder zugenommen – sowohl im gemeinnützigen Wohnbau als auch im privat finanzierten Miet- und Eigentumswohnbau. Und diese moderate Erholung, davon gehen wir derzeit aus, wird sich vorerst fortsetzen.“

„Wir gehen davon aus, dass die Talsohle durchschritten ist“, bestätigt Michael Klien, der die Entwicklungen verfolgt und mit seinen Kollegen vom WIFO regelmäßig Prognosen erstellt. Zu einer vollständigen Erholung wird es demnach aber nicht so schnell kommen: „Wir erwarten bis einschließlich 2028 keine Boomphase.“
Problem: Wenn zu lange zu wenig gebaut wird, fehlen Wohnungen. Daher wäre es laut Klien „sehr wichtig“, dass in den kommenden Jahren wieder deutlich mehr errichtet werden: „Sonst wird das Angebot eher früher als später knapp.“
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Einer regen Bautätigkeit steht noch einiges im Weg. Die Zinsen sind zwar gesunken und die Baupreise seit ganzen drei Jahren nicht mehr gestiegen. Damit ist aber ihre Explosion davor noch immer nicht ausgeglichen, wie Klien betont: 2021 und 2022 haben sie um ein Drittel zugenommen. Zuletzt lagen sie um 35 Prozent über dem Niveau von 2020.

Daher wird Eigentum oft durch den Kauf gebrauchter Häuser oder Wohnungen gebildet. Was zu einer bemerkenswerten Entwicklung beiträgt: Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten steigt laut Hypo-Vorarlberg-Vorstand Stephan Sausgruber deutlich. Allerdings: „Finanziert werden vermehrt gebrauchte Immobilien, denn die Preise sind hier etwas gefallen. Die Nachfrage bei Neubau-Immobilien ist deutlich geringer als noch vor zwei, drei Jahren.“ Eine Erklärung dafür sei, dass das Preisniveau im Neubau noch immer sehr hoch sei.
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Hilmar Müller von der Wirtschaftskammer sieht alles in allem weiter schwierige Rahmenbedingungen für den Wohnbau. Er führt das auch auf die „derzeitige Allgemeinsituation“ zurück: Die hohe Inflation etwa sowie die unsichere Weltlage würden Interessenten „vorsichtig“ machen.