Kredite für private Wohnbauträger als Sorgenkind für den Finanzmarkt

Über zehn Prozent aller Kredite werden als “notleidend” eingestuft.
Schwarzach Der Wohnbau und die mit ihm verbundenen Wirtschaftsbereiche können vorsichtig aufatmen. Wie die VN berichteten, erholt sich die Branche wieder leicht. Gleichzeitig nehmen Experten und die Politik jedoch die Finanzmarktaufsicht (FMA) in die Pflicht. Sie müsse ihre Vorgaben lockern, um die Finanzierung von Wohnbauprojekten zu erleichtern. Die FMA widerspricht auf VN-Anfrage. Sie nennt drei Gründe für die aktuelle Situation. Die eigenen Regeln zählen aus ihrer Sicht nicht dazu.
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Die Zahl der Bauanträge hat sich im Vorjahr wieder leicht erholt. Sie könnte jedoch weiter steigen, wenn die Finanzierung erleichtert würde, sagt Wolfgang Amann, Geschäftsführer des Instituts Immobilien Bauen und Wohnen (IIBW). “Die Gemeinnützigen tun sich relativ leicht, sie sind von aktuellen Beschränkungen der FMA bei der Finanzierung ausgenommen. Die Gewerblichen unterliegen hingegen sehr strikten Vorgaben. Das hat zur Folge, dass sie weiterhin große Schwierigkeiten haben, wieder in die Gänge zu kommen.”
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Michael Klien, Experte für den Wohnungsmarkt am Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), ergänzt: “Das Thema wird hitzig diskutiert. Aber über die Landesgrenzen hinaus, etwa in Deutschland, wird der Systemrisikopuffer zumindest für Wohnimmobilien gesenkt. Es stellt sich die Frage, warum man in Österreich zu einer anderen Einschätzung kommt.” Bei Gewerbeimmobilien soll diese Vorgabe hingegen noch erhöht werden, führt er weiter aus.
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Boris Gröndahl von der FMA bestätigt die positiven Entwicklungen. “Die Neukreditvergabe für Wohnimmobilien ist schon seit 2024 leicht angestiegen und hat ab Februar/März 2025 deutlich angezogen. Von Jänner bis November 2025 ist die Neukreditvergabe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 40 Prozent gestiegen.”
Die drei wichtigsten Faktoren für den Kreditmarkt privater Wohnbauträger seien das stark gestiegene Kreditvolumen aus der Niedrigzinsphase, das seit der Zinswende 2022 hohe allgemeine Zinsniveau mit Auswirkungen auf Immobilienbewertungen sowie das Ausmaß an Problemkrediten bei privaten Wohnbauträgern.
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Dass es schwieriger geworden ist, Kredite zu erhalten, liege vor allem an den Banken selbst, betont Gröndahl. Diese agierten vorsichtiger. “Dazu sind sie aufgrund europarechtlicher Vorgaben zum Kreditrisikomanagement verpflichtet. Das entspricht aber auch schlicht dem wirtschaftlichen Hausverstand.” Anfang 2023 galt rund ein Prozent aller Kredite an private Wohnbauträger als notleidend. Mitte 2025 stieg dieser Wert auf 12,8 Prozent. Gleichzeitig nahmen die Kredite für Gewerbeimmobilien bis 2022 stark zu, jährlich um sieben bis zwölf Prozent. Seit Anfang 2024 liegt die Wachstumsrate nur noch zwischen ein und zwei Prozent pro Quartal.
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Eine Rückkehr zur früheren Goldgräberstimmung ist daher nicht in Sicht. Experten betonen, dass zwar eine Erholung eingesetzt habe, diese aber sehr langsam verlaufe. Gröndahl bestätigt: Das hohe Zinsniveau und die damit verbundenen Immobilienkosten lassen Kreditkonditionen wie vor 2022 außer Reichweite erscheinen. “Das wirkt sich vor allem bei der Refinanzierung von Projekten negativ aus, die bereits in der Niedrigzinsphase knapp kalkuliert waren.”
Zumindest für private Hausbauer und Wohnungskäufer fordert Wohnbaulandesrat Marco Tittler, den Zugang zu Krediten wieder zu erleichtern. “Ich habe nie verstanden, warum private Wohnungskäufer oder Hausbauer ein Stabilitätsrisiko für den Finanzmarkt sein sollten.”