Drei Wochen ohne Handy: Schüler in Bregenz testen Selbstverzicht

Im Bundesgymnasium Blumenstraße gehen die Jugendlichen reflektiert mit ihrem Handykonsum um.
Bregenz, Wien Drei Wochen Handy-Fasten wirken sich stärker auf die psychische Gesundheit von AHS-Schülerinnen und -Schülern aus als zwei Wochen Schulferien. Zu diesem Ergebnis kam ein Handysucht-Symposium in Wien. Am Bundesgymnasium Blumenstraße in Bregenz verzichten zahlreiche Kinder und Jugendliche freiwillig drei Wochen auf ihr Mobiltelefon. 110 Schülerinnen und Schüler haben sich mit Stand Mittwoch für den Start am 4. März angemeldet, berichtet Gymnasiallehrerin Gabriele Seeger: “Es wird vermutlich noch Nachmeldungen geben.”
Smartphones sind rund um die Uhr verfügbar, ihre Algorithmen zielen auf maximale Nutzungsdauer und sprechen das Belohnungssystem an. Roland Mader, Ärztlicher Direktor des Anton-Proksch-Instituts in Wien, betonte im Rahmen des Symposiums, Handysucht sei zwar kein anerkannter Krankheitsbegriff, erste Erkenntnisse seien jedoch alarmierend. Rund vier Prozent der Jugendlichen in Österreich gelten als handysüchtig, auch Erwachsene verbringen im Schnitt viereinhalb Stunden täglich am Smartphone. “Wir schauen zwischen 88 und 100 Mal pro Tag aufs Handy.” Gerade Erwachsene hätten hier eine wichtige Vorbildfunktion.

“Wissen, wie man mit Handykonsum umgeht”
In der Blumengasse könnten die Erwachsenen von den Jugendlichen nun etwas lernen. Etwa von Yara und Amanda aus der 6a-Klasse. Sie erlauben sich selbst für drei Wochen nur eine Viertelstunde pro Tag, um noch zu sehen, was in der Welt los ist. Yara ist überzeugt, dass dies besser sei, um sich an weniger Bildschirmzeit zu gewöhnen, statt ein voller Entzug, um danach wieder vollen Zugriff zu haben. “Es wird nie eine Zeit geben, in der es keine Handys mehr gibt, deswegen ist es umso wichtiger zu wissen, wie man richtig mit seinem Handykonsum umgeht.” Auch Amanda ist überzeugt, dass es ihr helfen könnte, ihre Bildschirmzeit zu verringern. “Ich finde, es geht in diesem Experiment darum, die Sucht loszuwerden, das bedeutet aber nicht, nie wieder am Handy zu sein.”

Klassenkollege Oliver wagt den vollen Verzicht: “Ich sehe das Handyexperiment als eine gute Situation, um zu lernen und mir selbst eine Herausforderung zu stellen. Ich versuche jetzt schon seit Längerem, meine Handyzeit zu verringern.” Er möchte erkennen, in welchen Bereichen das Handy nützlich, in welchen es obsolet und in welchen Bereichen es notwendig ist.

Allein gelassene Eltern und negative Folgen
Lehrerin Gabriele Seeger erklärt: “Kinder können nicht aufhören. Es kommt immer noch etwas ums Eck, das interessant ausschaut. Alles andere wird hintangestellt. Auch Freunde und Spaß. Von Schule und Lernen sei hier gar nicht gesprochen.” Zudem werden die Eltern damit allein gelassen, kritisiert sie. “Verstört vom Aggressionspotenzial des Nachwuchses bei Beschränkungen werfen viele das Handtuch.” Die Folgen: Schlaflosigkeit, aggressives Verhalten, Kommunikationsprobleme, Konzentrationsstörungen, Empathieverlust – bis hin zu Depressionen.

Der Gesetzgeber reagiert. Seit 1. Mai 2025 gilt das Handyverbot an Schulen. Seeger berichtet, was sich an der Blumenstraße verändert hat: “In der Aula schaufeln keine “Smombies” (Smartphone-Zombies) mehr mit leerem Blick ihr Essen in sich hinein. Die Kinder essen, spielen, toben und manche lesen sogar.”
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Ab 2027 soll zudem auf EU-Ebene das Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche stehen. In Österreich will Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) schneller sein. “Das Wort ‚Verbot‘ wird nicht gerne verwendet. Formulieren wir es um: Schützen wir unsere Kinder!”, sagt Seeger dazu. Sie plädiert für eine Altersgrenze von 16 Jahren.