„Empört und fassungslos“

Kultur / 12.03.2026 • 17:27 Uhr
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Stephanie Gräve habe das Landestheater zu einem für alle „offenen Ort“ gemacht, wie es sich für einen modernen Kulturbetrieb gehört, so der Bürger:innenchor.Anja Köhler

Bürger:innenchor stellt Landesrätin Schöbi-Fink fünf Fragen zur Zukunft des Landestheaters.

Bregenz Die Diskussion um die Zukunft der Intendanz am Vorarlberger Landestheater weitet sich aus. Nachdem es Kritik aus den Reihen der Opposition und von den TheaterFreund:innen gegeben hat, meldet sich nun auch der Bürger:innenchor des Hauses zu Wort. Anlass ist die Entscheidung, die Intendanz mit Beginn der Spielzeit 2028/29 neu auszuschreiben. Damit würde die derzeitige Intendantin Stephanie Gräve mit Ende der Saison 2027/28 ausscheiden.

In einem offenen Brief richtet der Bürger:innenchor am Vorarlberger Landestheater fünf Fragen an die zuständige Landesrätin Barbara Schöbi-Fink. Darin äußern die Unterzeichnenden ihr Unverständnis über den geplanten Wechsel und würdigen zugleich die Arbeit der amtierenden Intendantin.

„Warum wollen Sie die überaus erfolgreiche Intendanz von Stephanie Gräve mit Ablauf der Spielzeit 2027/28 beenden?”, heißt es gleich zu Beginn des Schreibens. Eine überzeugende Begründung für diese Entscheidung vermisse man bislang. Gräve habe das Landestheater in den vergangenen Jahren grundlegend erneuert und aus einem „verstaubten Theater” einen weit über die Landesgrenzen hinaus beachteten Kulturort gemacht.

Besonders hervorgehoben werden das junge Ensemble, das beim Publikum großen Zuspruch findet, sowie die hohe Auslastung der Vorstellungen. Das Programm vereint klassische und zeitgenössische Stoffe, Musikabende und experimentelle Formate in der Box. Auch das Kinder- und Jugendtheater wird intensiv gepflegt. Durch Publikumsgespräche und partizipative Formate wie den Bürger:innenchor sei das Haus zu einem „offenen Ort“ geworden, wie er für moderne Kulturbetriebe charakteristisch ist.

Als einzige Begründung für die Neuausschreibung sei bislang der Wunsch nach „neuen Impulsen“ genannt worden. Zehn Jahre seien „ein guter Zeitpunkt” für einen Wechsel, so die Argumentation. Der Bürger:innenchor stellt diese Einschätzung infrage. Gerade Gräve habe in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie für künstlerische Erneuerung stehe und über die Energie und Kreativität verfüge, um weiterhin Impulse zu setzen.

Zudem ist sie im regionalen Kulturbetrieb bestens vernetzt und pflegt intensive Kontakte zu deutschsprachigen Bühnen, Regisseuren sowie Schauspielern. Ein Wechsel ist daher aus Sicht der Unterzeichnenden nicht zwingend nachvollziehbar.

Deutliche Worte findet der Chor auch in Bezug auf das Verfahren. Man sei „empört und fassungslos“, dass Stephanie Gräve nicht im Vorfeld in die Überlegungen einbezogen worden sei, sondern von der Entscheidung überrascht worden sei. Die Frage steht im Raum, ob mit öffentlichem Widerstand gerechnet wurde und daher rasch Fakten geschaffen wurden oder ob sich die Politik hinter dem Beschluss des Aufsichtsrats verstecken will.

Abschließend richtet der Bürger:innenchor einen Appell an die Landesrätin: „Wären Sie bereit, Ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken?” Eine erneute Prüfung wäre ein Signal an die Bevölkerung, dass kulturpolitische Entscheidungen nicht über deren Köpfe hinweg getroffen werden.