Der Krumbacher Frauenaufstand

Das BORG Egg geht mit dem Theaterstück „1807″ auf Bregenzerwald-Tournee.
Egg Fünfzig Schülerinnen und Schüler, neun Lehrpersonen und ein Stoff, der in seiner historischen Wucht bis in die Gegenwart reicht: Die Theatergruppe des BORG Egg widmet sich heuer einem der markantesten Kapitel regionaler Geschichte. Mit „1807 (Tolle Weiber)“ der Vorarlberger Autorin Ulrike Längle bringt sie den legendären Krumbacher Frauenaufstand auf die Bühnen des Bregenzerwaldes und setzt damit ihre längst zur Tradition gewordene Frühjahrstournee fort.

Was sich im Jahr 1807 in der kleinen Ortschaft Krumbach ereignete, war ein Affront gegen die Obrigkeit und ein Akt bemerkenswerter Entschlossenheit. Vorarlberg war damals bayerisch. Nach dem Friedensvertrag von Pressburg 1805 war das Land als Kriegsbeute von Österreich getrennt und dem mit Napoleon verbündeten Königreich Bayern zugeschlagen worden. Für seine Feldzüge in Preußen benötigte Napoleon Soldaten, die unter anderem aus Vorarlberg rekrutiert werden sollten. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht traf jeden jungen Mann zwischen 19 und 23 Jahren.

Doch es war nicht allein die drohende Einziehung der Söhne und Ehemänner, die den Zorn im Land schürte. Die bayerische Verwaltung betrieb ihre Reformpolitik mit aufklärerischem Eifer und griff tief in das religiöse Leben der Bevölkerung ein. Wallfahrten und Prozessionen wurden untersagt, das Wetterläuten verboten, das Segnen der Felder eingeschränkt – Praktiken, die man in München als Aberglauben abtat. Gerade bei den Frauen, die den religiösen Alltag in Haus und Gemeinde wesentlich trugen, machten sich die Bayern damit besonders verhasst. Der Eingriff in vertraute Rituale wurde als Angriff auf Identität und Glauben empfunden.

Die Maßnahmen stießen auf Widerstand. Bereits im Jänner 1807 kam es in Lingenau zu Protesten gegen die Rekrutierung. Als wenige Monate später eine bayerische Musterungskommission im Wirtshaus Adler in Krumbach Quartier bezog, eskalierte die Situation. Unter der Führung von Christine Heidegger und Magdalena Schoch schlossen sich die Frauen zusammen. Mit Mist- und Heugabeln sowie Zaunpfählen bewaffnet, vertrieben sie den bayerischen Abgesandten Georg Ignaz Kuttner und seine Beamten aus dem Dorf. Der Aufstand zog weiter Richtung Bezau, wo das Landgericht gestürmt werden sollte, doch das Gebäude war verbarrikadiert. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Nur wenige Tage später marschierten 600 bayerische Soldaten in den Bregenzerwald ein. Heidegger und Schoch wurden verhaftet und in Ketten abgeführt, die Männer zwangsverpflichtet, Strafzahlungen verhängt. Erst 1808 begnadigte König Maximilian von Bayern die beiden Frauen.

Ulrike Längle hat diesem historisch belegten Ereignis mit ihrem Stück ein literarisches Denkmal gesetzt. Grundlage ihrer Arbeit waren umfangreiche Recherchen in Vorarlberger und bayerischen Archiven. Das im Auftrag der Gemeinde Krumbach entstandene Werk zeichnet den Konflikt zwischen moderner Staatsmacht und regionalem Selbstbestimmungswillen nach, ebenso jenen zwischen machtlosen Frauen und herrschenden Männern. Es erzählt von Mut, Solidarität und dem Aufbegehren gegen politische und religiöse Fremdbestimmung.

Dass sich die Theatergruppe des BORG Egg gerade jetzt für diesen Stoff entschieden hat, wirkt folgerichtig. In einer Zeit, in der kriegerische Konflikte weltweit wieder an Intensität gewinnen und gesellschaftliche Spannungen zunehmen, erhält die Geschichte der Krumbacher Frauen eine beklemmende Aktualität. Der Widerstand gegen Zwangsrekrutierung, das Ringen um Selbstbestimmung und die Verteidigung gelebter Traditionen sind Themen, die über das historische Setting hinausweisen.
Die Premiere findet am Freitag, 20. März, im Gymnasium in Egg statt. Bereits am Samstag, 21. März, gastiert die Produktion im Dorfsaal Mellau, am Freitag, 27. März, im Wäldersaal Lingenau und am Sonntag, 29. März, im Hermann-Gmeiner-Saal in Alberschwende. Karten per Mail unter schultheater@borg.at, bzw. per Telefon unter 05512/2484.