“Wie soll der Leitungsbau hier funktionieren?”

Sanierung der Starkstromleitung durchs Rheintal stößt auch in Wolfurt auf Protest. Projekt läuft allerdings weiterhin nach Plan.
Bregenz Über eine Treppe oder eine schmale Straße erreicht man einen kleinen Siedlungsbereich oberhalb von Wolfurt mit atemberaubendem Ausblick. Ein Bauwerk stört jedoch die Idylle: ein Strommast, zig Meter hoch, dominiert das Bild. Wer von hier hinabblickt, sieht, wie sich diese Herbertinger Leitung durch das Rheintal zieht. Sie transportiert Strom von den großen Pumpspeicherkraftwerken im Süden zu gewinnbringenden Abnehmern in Deutschland und ist deshalb für den landeseigenen Stromkonzern Illwerke VKW von großer Bedeutung. Nun soll sie erneuert werden. Doch punktuell regt sich Widerstand.

Die Leitung und ihre Masten sind rund 100 Jahre alt. Bis 2027 sollen alle 259 Strommasten erneuert werden. Sie stehen auf Grundstücken von 442 Eigentümern. Einer davon ist Dietmar Gasser in Wolfurt. Ihm gehört die Wiese hinter seinem Haus oberhalb der Gemeinde. Er fragt: “Wie soll die Sanierung hier funktionieren?” Die Illwerke VKW haben im Radius von rund 25 Metern um die Masten alle Rechte. Für die Zufahrt müssten sie jedoch darüber hinaus über Gassers Grundstück fahren. “Es ist steil, die Straßen sind eng, mit einem langen Lkw kommt man nicht um die Kurven. Man müsste wohl eine neue Zufahrt bauen.” Eine Vereinbarung samt Entschädigungszusage hat er deshalb bisher nicht unterschrieben, anders als viele andere Grundstückseigentümer im Land.
Christof Burtscher, Projektleiter bei den Illwerke VKW, ist deshalb positiv gestimmt: “Es freut uns sehr, dass wir mit einem sehr hohen Prozentsatz ein gutes Einvernehmen haben. Herausfordernde Besprechungen beschränken sich auf eine Handvoll Leute.” Wobei er auch da von einer guten Gesprächsbasis spricht.
Bei einigen Masten ist die Zugänglichkeit erschwert, allerdings gebe es mehrere Möglichkeiten. Wenn schweres Gerät nicht eingesetzt werden kann, sei eine traditionellere Methode mit einem sogenannten Stockbaum möglich. Diese würde mehrere kleinere Arbeitsschritte erfordern. „Eine Lösung mit dem Hubschrauber wäre für uns der letzte Ausweg, sollten alle anderen Optionen nicht funktionieren“, sagt Burtscher den VN.
Die Leitung ist fast 71 Kilometer lang und führt durch 20 Gemeinden. Das Projekt kostet rund 400 Millionen Euro und benötigt laut UVP-Behörde des Landes keine eigene Umweltverträglichkeitsprüfung. Der Grund: Die Masten werden zwar um 20 Meter erhöht und künftig über 70 Meter hoch sein. Auch die Fundamente werden vollständig abgetragen und neu errichtet. Dennoch bleibt alles exakt am selben Standort.
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Dietmar Gasser zeigt sich über diese Entscheidung verwundert: “Das ist eine riesige Baustelle, das hat doch enorme Auswirkungen auf die Umwelt.” Auch andernorts stößt der Bescheid auf Kritik. Eine Lochauer Gruppe hat den UVP-Feststellungsbescheid angefochten. Die ersten Instanzen haben die Beschwerde abgewiesen. Nun liegt der Fall beim Verwaltungsgerichtshof, eine Entscheidung steht noch aus.

In Lochau bleibt man aktiv. Die Bürgerinitiative hat eine Online-Petition gegen das Projekt gestartet. Sie fordert, dass die Hochspannungsleitung aus dem Lochauer Ortsgebiet verlegt wird, zum Beispiel in den Pfändertunnel. Derzeit verläuft sie unter anderem über den Fußballplatz und direkt an Wohnhäusern vorbei. Die Landesregierung will jedoch keine Alternativen prüfen, wie es in einem Schreiben an die Initiative heißt. Eine solche Prüfung sei nur im Rahmen eines UVP-Verfahrens erforderlich. Zudem handle es sich bei der Straße im Pfändertunnel um eine Bundesstraße, schreibt das Land: “Weshalb eine Prüfung einer ‚Pfändertunnel-Option‘ durch die Landesregierung ausscheidet.”