Energiewende beginnt im Heizungskeller

Trotz attraktiver Förderungen bleibt der Anteil von Öl- und Gasheizungen in Vorarlberg hoch – Wärmepumpen holen auf.
Schwarzach Trotz umfangreicher Förderungen für den Tausch heizen in Vorarlberg viele Haushalte noch mit Öl und Gas – und verbrennen laut Branchenverband proPellets Austria Millionen. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig, dürften aber strukturell bedingt sein.
Im dicht besiedelten Rheintal steht ein gut ausgebautes Gasnetz und weniger eigenes Brennholz zur Verfügung als in klassischen Flächenbundesländern, weshalb in der Vergangenheit häufiger auf Heizöl oder Erdgas gesetzt wurde und der Anteil an diesen Heizungen im Bestand verhältnismäßig hoch ist. Zudem fehlte gerade in kompakten und nicht unterkellerten Wohngebäuden lange eine platzsparende, günstige Alternative zur Gasheizung, ehe sich Wärmepumpen und die in den letzten Jahren stark ausgebauten Nahwärmeheizwerke als konkurrenzfähige Lösungen etablierten. Und nicht zuletzt sind die Gaspreise in Vorarlberg im Österreich-Vergleich niedrig. Bis zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wurden daher noch relativ häufig Gasheizungen installiert.
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STERREICH: ++ THEMENBILD ++ ++ THEMENBILD ++ Projekt Zukunftsbild: Illustration zum Thema Pelletproduktion / Holzpellets / Biomasse. Ein Techniker entnimmt Pellets zur Kontrolle aufgenommen am Freitag, 14. Juni 2024, in einer Pelletproduktionsfirma am Produktionsstandort in Ybbs. Pelletheizungen eignen sich laut Heizungsmatrix von klimaaktiv vor allem in Husern mit einem hohen Heizwrmebedarf […]](/2024/07/ABD0022-20240616-1-768x538.jpg)
Kein Pelletsland
Laut proPellets Austria wurden in Vorarlberg im Vorjahr 0,84 Pelletsheizungen pro 1000 Einwohner installiert. Damit liegt Vorarlberg – mit Ausnahme von Wien – an letzter Stelle. Das bedeutet nicht automatisch, dass Vorarlberg säumig beim Umstieg auf erneuerbare Heizungen wäre, denn der Vorarlberger liebste Heizung ist derzeit die Wärmepumpe. In den kompakten, energiesparenden Wohnhäusern punktet sie durch die günstige Anschaffung und den geringen Platzbedarf. Vorteile, die auch ein Nahwärmeanschluss bieten kann. Mit der Energieberatung finde man die beste Alternative, sagt Martin Reis, Geschäftsführer im Energieinstitut Vorarlberg.
Großes Thema in der Bratung: die Kosten. Holzpellets sind zuletzt deutlich teurer geworden. Der durchschnittliche Preis in Westösterreich stieg von 308 Euro pro Tonne im August 2025 auf 396 Euro im Jänner 2026 – ein Plus von 28,5 Prozent. Bei Wärmepumpen sieht Reis die bessere Planbarkeit als Vorteil: “In Vorarlberg wissen wir, was der Strom bis zum nächsten Frühjahr kostet.”
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Gute Klimabilanz
Wie Umweltfreundlich Wärmepumpen sind, hängt vor allem von der Stromversorgung ab. Je schneller die Winterstromlücke bei den Erneuerbaren vor allem durch Windkraft geschlossen wird, desto klimafreundlicher werden Wärmepumpen. “Das Heizsystem der Wahl wird im Standardfall die Wärmepumpe oder der Anschluss an eine Nahwärmeversorgung sein”, sagt Reis. Pelletheizungen bieten sich vor allem im Altbestand beim Ersatz von Ölheizungen an – etwa bei ausreichend Platz im Keller und wenn hohe Vorlauftemperaturen benötigt werden.
Beim Erreichen der Energieautonomie spielt der Gebäudesektor eine zentrale Rolle. In Vorarlberg entfallen rund 49 Prozent des Gesamtbedarfs auf Heizen und Strom. Noch die Hälfte davon stammt aus Öl und Gas – verbrannt in etwa 23.000 Ölkesseln und 36.000 Gasanlagen. Aber seit 2005 ist der Heizölverbrauch um 66 Prozent zurückgegangen, jener von Gas um 26 Prozent. Neben dem Heizungstausch liegt das vor allem an einem sinkenden Heizenergiebedarf durch wärmere Winter und Sanierungen. Entsprechend sind die CO₂-Emissionen im Gebäudebereich im selben Zeitraum um 51 Prozent gesunken.
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Förderungen weiter lukrativ
Ein Punkt ist Reis wichtig: “Die Fördersituation für den Heizungstausch ist besser, als oft kommuniziert wird.” Bund, Land, Gemeinden und Energieversorger fördern mit bis zu 9.500 Euro für Nahwärme oder Luftwärmepumpe, 11.500 für eine Pelletsheizung oder 16.000 für Erdwärme. Gleichzeitig sinken nach einem Tausch in vielen Fällen auch die laufenden Kosten – oft um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu Gasheizungen.