Konjunkturflaute erzwingt härteres Sparen

Politik / 10.04.2026 • 15:08 Uhr
Konjunkturflaute erzwingt härteres Sparen
Wifo-Budgetexpertin Margit Schratzenstaller und Wifo-Chef Gabriel Felbermayr im Rahmen der Pressekonferenz zur aktuellen Konjunkturprognose 2026 und 2027 in Wien. APA/Hans Klaus Techt

Neue Prognosen dämpfen die Erwartungen – Ökonomen fordern zusätzliche Milliarden beim Sparpaket.

Wien Bleibt es bei den zwei Milliarden Euro? IHS und Wifo haben am Freitag ihre Wirtschaftsprognosen vorgelegt – Grundlage für das Doppelbudget 2027/2028 von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ). IHS-Chef Holger Bonin plädiert für “die höchste Sicherheitsstufe”: Das nächste Sparpaket sollte höher ausfallen als die zuletzt genannten zwei Milliarden. “Eine Milliarde mehr wäre eine gute Vorsorge”, sagt er mit Blick auf den globalen Druck, der die Erholung zuletzt gebremst hat.

Die Konjunkturprognosen für 2026 wurden deutlich gesenkt: Statt 1,2 (Wifo) bzw. 1 Prozent (IHS) wird nun nur noch ein Wachstum von 0,9 bzw. 0,5 Prozent erwartet. Auch die Inflation liegt 2026 mit 2,7 bzw. 2,9 Prozent weiter über dem 2-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank.

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Föderalismusreform entscheidend

Soweit die trüben Aussichten. Was lässt sich daraus ableiten? “Strukturreformen sind vor diesem Hintergrund umso dringender”, sagt Wifo-Chef Gabriel Felbermayr – auch wenn sie kurzfristig nicht helfen. Bonin betonte ebenfalls: Es brauche eine substanzielle Reform des Föderalismus, insbesondere im Gesundheitswesen.

Auch ein rascherer Ausbau von erneuerbaren Energieformen sei Gebot der Stunde. Österreich importiert fast 63 Prozent des Energieverbrauchs, und zwar fast zur Gänze Erdöl und Erdgas, erklärte Felbermayr. Es habe in den letzten Wochen Preisschübe von rund 60 Prozent gegeben – das könne sich auch auf das BIP niederschlagen.

Positiv sei, dass sich die sektorale Produktion insgesamt erhole. Die Industrie gilt mit 1,2 Prozent Wachstum als Treiber, auch die realen Warenexporte dürften wieder zulegen – unterstützt durch ein US-Höchstgerichtsurteil zu Zöllen und neue Handelsabkommen wie mit den Mercosur-Staaten. Der Tourismus verzeichne dank einer erfreulichen Wintersaison eine Revision nach oben. Das Sorgenkind bleibt der Bau.

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Nach den Rezessionsjahren 2023 und 2024 erholt sich die Wirtschaft nur langsam. 2025 wuchs das reale BIP um 0,6 Prozent, doch die Aussichten haben sich zuletzt wieder eingetrübt. Im Fiskalrat geht man davon aus, dass der Konsolidierungsbedarf über den vom Finanzminister genannten zwei Milliarden liegt. Um 2028 das Drei-Prozent-Ziel zu erreichen, wären mindestens fünf Milliarden nötig, sagte Fiskalratschef Christoph Badelt.

Marterbauer rechnet weiter mit zwei Milliarden

Das Wifo erstellte seine Prognosen aufgrund des “nicht abschätzbaren Kriegsverlaufs” auf Basis dreier Szenarien. Im Hauptszenario sieht Marterbauer weiterhin einen Sanierungsbedarf von zwei Milliarden Euro: “Darauf bauen wir unsere Budgetprognose auf.” Trotz Unsicherheiten will er das Doppelbudget jetzt vorlegen, um Stabilität zu schaffen, betonte er im ORF.

Auch die Bevölkerung werde Abstriche machen müssen, betonte Fiskalratspräsident Badelt. Denn importierte Inflation könne nicht immer vollständig ausgeglichen werden. Das betreffe etwa Pensionserhöhungen und Lohnverhandlungen. Gleichzeitig seien einfache inflationsdämpfende Maßnahmen oft sozial wenig treffsicher – etwa Spritpreisbremse oder Mehrwertsteuersenkungen für Grundnahrungsmittel.

Konjunkturflaute erzwingt härteres Sparen
Wifo-Ökonomin und Budgetexpertin Margit Schratzenstaller spricht sich für strukturelle Reformen aus. APA/Hans Klaus Techt

Das Motto “koste es, was es wolle” sei nicht mehr tragfähig, sagt Wifo-Ökonomin Margit Schratzenstaller. Große Maßnahmen müssten budgetneutral sein – etwa durch Gegenfinanzierung. Niedrigere Lohnnebenkosten könnten durch höhere Grundsteuern ausgeglichen werden, der Abbau klimaschädlicher Subventionen zusätzliche Einnahmen bringen. Entscheidend sei jedoch der demografische Wandel und daraus abgeleitete politische Weichenstellungen: “Das ist das eigentliche Thema – nicht, ob wir in den kommenden Jahren ein oder zwei Milliarden mehr sparen.”