Nachfrage explodiert: Land stockt Wohnbauförderung massiv auf

Das nahende Ende der alten Richtlinie führte zu mehr Förderungsansuchen.
Bregenz Damit hat die Landesregierung offenbar nicht gerechnet: Das Budget für die Wohnbauförderung reicht bei Weitem nicht aus. Deshalb beschlossen ÖVP und FPÖ in der Regierungssitzung am Dienstag, den Fördertopf zu erhöhen. Für Neubau und Sanierungen stehen nun rund 80 Millionen Euro zur Verfügung, heißt es aus dem Ressort von Wohnbaulandesrat Marco Tittler auf VN-Anfrage.
Grund für die Entwicklung ist die hohe Nachfrage infolge der Änderungen bei der Wohnbauförderung im vergangenen Jahr. Die Landesregierung kürzte die Förderung, gewährte den Hausbauern jedoch eine Übergangsfrist. Innerhalb dieser Frist schnellte die Zahl der Anträge stark nach oben – heuer stehen die Auszahlungen an. Deshalb stellt das Land zusätzlich 16,5 Millionen Euro bereit. Der Topf für den Neubau umfasst aktuell 55,5 Millionen Euro, jener für Sanierungen 24,7 Millionen Euro. Davon wurden heuer bereits 32 Millionen Euro im Neubau sowie fast 12 Millionen Euro für Sanierungen ausbezahlt. „Der Auszahlungszeitpunkt einer Förderung kann aufgrund vieler Umstände nicht exakt vorhergesagt werden. Bei einer Konzentration der Auszahlungen kann es daher zu budgetären Engpässen kommen“, erklärt ein Sprecher von Landesrat Tittler. Seit Anfang 2025 wurden in Vorarlberg 951 Anträge für Neubauten gestellt, dazu kommen 900 Anträge für Sanierungen.
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Die Entwicklung geht auf eine Reaktion auf die Preis- und Kreditkrise zurück: 2023 beschloss die Landesregierung eine neue Rekordförderung im Wohnbau. Nachdem sich die Lage auf dem Kreditmarkt im vergangenen Jahr entspannte, wurde die Förderung wieder reduziert. Dieser Schritt war auch notwendig, weil die Ausgaben stark gestiegen waren. 2024 betrug das Budget für die Wohnbauförderung insgesamt 175 Millionen Euro. Für 2025 veranschlagte die Regierung 180 Millionen Euro – tatsächlich steuerten die Ausgaben jedoch auf 230 Millionen Euro zu.
Daraufhin zog das Land die Notbremse: Die maximale Förderung sank von 150.000 Euro auf 100.000 Euro. Zudem erhöhte das Land die Zinsen und schaffte den Eigenmittelersatzkredit vollständig ab. Die neue Richtlinie gilt seit 1. Juli 2025, obwohl die frühere, höhere Förderung ursprünglich bis Ende 2026 vorgesehen war. Das ist auch der Grund, weshalb das Land eine Übergangsfrist einführte: Wer bis 15. Juli einen Vorvertrag oder Kaufvertrag vorweisen konnte, durfte noch bis Ende des Vorjahres einen Antrag nach dem alten Modell stellen. Davon machten offenbar viele Gebrauch – entsprechend liegen die Ausgaben nun deutlich über dem Budget.

Für heuer plante das Land erneut, 180 Millionen Euro für die Wohnbauförderung auszugeben – darunter eben 64 für Neubau und Sanierungen. Durch die Erhöhung auf 80 Millionen Euro steigt das Gesamtbudget auf 196,5 Millionen Euro.
Wie treffsicher dieses Geld verwendet wird, war kürzlich Thema einer Studie. Das Wifo untersuchte im Auftrag der Arbeiterkammer die Wirkung der Förderung und kam zum Schluss: Die Wohnbauförderung erreicht selbst die Mittelschicht nur teilweise und begünstigt eher Haushalte mit hohen Einkommen. „Falls man den Mittelstand erreichen möchte, muss man prüfen, ob Darlehen allein ausreichen oder ob Zuschüsse für das Eigenkapital notwendig sind“, stellte Wifo-Wohnbauexperte Michael Klien im VN-Interview fest. Zudem plädierte er dafür, mehr Mittel in den gemeinnützigen Wohnbau zu lenken. Insgesamt sei die Eigentumsquote in Vorarlberg stark rückläufig, insbesondere bei Menschen unter 40 Jahren.