Familiennachzug gestoppt: “Man nimmt ihnen die Luft zum Atmen”

Politik / 28.05.2026 • 16:59 Uhr
Familiennachzug gestoppt: "Man nimmt ihnen die Luft zum Atmen"
Iranische Flüchtlinge am Grenzübergang zu Armenien im März 2026. Millionen Menschen fliehen vor den Kampfhandlungen im Iran, jedoch bislang eher selten über die Grenzen. AFP

Laut Umfrage befürwortet die Mehrheit strengere Asylregeln und Quoten beim Familiennachzug. Helfer warnen vor den Folgen.

Schwarzach Die Skepsis gegenüber zugewanderten Menschen ist groß. Das zeigt das neue Stimmungsbarometer des Gallup-Instituts. Viele Befragte wünschen sich in der Asyl- und Migrationspolitik strengere Regeln. Das zeigt sich auch an der Zustimmung zu einer viel diskutierten Maßnahme: Drei Viertel unterstützen den Plan, den Familiennachzug per Quote zu begrenzen.

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Selbst unter den Grün-Wählern sprechen sich 53 Prozent für restriktivere Regeln beim Familiennachzug aus, unter FPÖ-Wählern sind es 90 Prozent. Bekanntlich wurde der Familiennachzug noch bis zum Sommer ausgesetzt und soll künftig einer Quote unterliegen. “Die erste Quote kann auch sehr gering sein”, betont das Innenministerium und verweist auf aktuelle Zahlen: Erfolgten von Jänner bis April 2025 im Rahmen des Familiennachzugs noch 539 Einreisen, waren es im selben Zeitraum 2026 lediglich 38.

Familiennachzug gestoppt: "Man nimmt ihnen die Luft zum Atmen"
Ein Maschendrahtzaun, aufgenommen am Flughafen in Schwechat. Dort gibt es im Zuge des EU-Asyl- und Migrationspakts ein neues Grenzterminal.APA/Max Slovencik

Welche Folgen die lange Trennung für betroffene Familien hinter diesen Zahlen hat, schildert Michael Rünzler, Leiter des Fachbereichs Flüchtlingshilfe der Caritas Vorarlberg: “Man nimmt dem betroffenen geflüchteten Menschen die Luft zum Atmen.” Allein die Asylverfahren dauerten oft mehrere Jahre, erklärt Rünzler. Danach könne für diejenigen, die bleibeberechtigt sind, dennoch der Familiennachzug für Kinder oder Ehepartner auf unbestimmte Zeit pausiert sein. Zudem sei unklar, wie lange Betroffene auf einen Quotenplatz warten müssten oder ob sie überhaupt einen erhalten.

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Michael Rünzler ist Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe. Paulitsch

Die jahrelange Trennung von Angehörigen habe massive psychische Auswirkungen – insbesondere auf Menschen, die durch ihre Fluchterfahrungen oft bereits traumatisiert seien. “Das Leid der Betroffenen ist größer, als sich die meisten Menschen vorstellen können.” Der Caritas-Mitarbeiter verweist zudem auf Studien, wonach die Versorgung der Familie ein zentraler Motivationstreiber für eine stabile Erwerbssituation sei. Soziale Isolierung wirke sich hingegen negativ auf die Integrationsfähigkeit aus.

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Bevölkerung will strengere Asylpolitik

Unterdessen gehen die Asylanträge in Österreich weiter zurück. Im April gab es heuer lediglich 336 Asyl-Erstanträge. Im April des Vorjahres waren es noch 488 – ein Rückgang von mehr als 30 Prozent. Aktuell befinden sich 48.281 Menschen in Grundversorgung, darunter rund 7100 Asylwerber. Laut Innenministerium ist das der niedrigste Wert seit mehr als 20 Jahren.

Fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) halten die Politik der Regierung in diesem Bereich aktuell dennoch für zu wenig streng. 46 Prozent zeigen sich mit der Linie der Freiheitlichen sehr oder eher zufrieden. Damit liegt die FPÖ klar vor der Volkspartei mit 33 Prozent Zustimmung. Für ihre Positionen in der Asyl- und Migrationspolitik erhalten die SPÖ 27 Prozent, die Neos 24 Prozent und die Grünen 21 Prozent Zustimmung. Insgesamt sprechen sich 84 Prozent aller Befragten für schnellere Asylverfahren aus.

Die Gründe für den Wunsch nach einer strengeren Migrationspolitik spiegeln das Stimmungsbild wider: 71 Prozent der 1000 Befragten sehen die Sicherheit Österreichs durch Zuwanderung gefährdet. 69 Prozent sorgen sich um die Werte im Land. Die Hälfte (51 Prozent) befürchtet, dass der Wohlstand durch Migration leiden könnte.

Gemeinsame EU-Politik

Eine klare Mehrheit der Befragten (62 Prozent) bevorzugt eine gemeinsame EU-Politik im Bereich Asyl und Migration. Nur 30 Prozent sprechen sich für rein nationale Kompetenzen aus, wobei dies vor allem Wähler der Freiheitlichen bevorzugen. Dass Fluchtursachen vor Ort bekämpft werden, wünschen sich 43 Prozent der Befragten.