Schüler nach dem Besuch im Landtag: “Die Politiker sollten mehr Reife zeigen”

Politik / 28.05.2026 • 09:01 Uhr
Musikmittelschule Thüringen.JPEG
Die Schülerinnen und Schüler der Musikmittelschule Thüringen waren im Landtag zu Gast, als die Situation eskalierte.

Landtagspräsident Harald Sonderegger blickt auf die letzte Landtagssitzung zurück und stellt sich auch Fragen von Schülerinnen und Schülern, die vor Ort waren.

Bregenz Seit bald zwölf Jahren ist ÖVP-Abgeordneter Harald Sonderegger Präsident des Vorarlberger Landtags. Umso ruhiger es im Landtag zugeht, desto unscheinbarer vollführt auch er seine Rolle. Heuer im Frühjahr rückte er jedoch gleich mehrfach in den Mittelpunkt. Zunächst in der Causa Hubert Kinz, danach im Clinch mit SPÖ-Mandatar Reinhold Einwallner. Da ging es ungewohnt heiß her im Landtag – vor den Augen von Schülerinnen und Schülern der Musikmittelschule Thüringen. Sie finden: Die Sitzung war spannend bis kindisch.

Amadeus 14.JPEG

Herr Einwallner war pünktlich. Es sollte nicht, wie beim Skifahren, um Hundertstelsekunden gehen; auch was er sagt, wäre wichtig gewesen.

Amadeus Netzer (14)
Amália 14.JPEG

Ich fand es kindisch, aber auch spannend. Es war eine unnötige, schlimme Diskussion. Es war gerechtfertigt, dass Herr Einwallner gehört werden wollte.

Amália Gallová (14)

Vor zwei Wochen startete der Landtag – anders als sonst – mit einer kurzen Diskussion, die zu einer langen Nachspielzeit führte. Nach nur zwei Rednern beendete Sonderegger den ersten Tagesordnungspunkt, obwohl Einwallner die Hand hob. Zu spät oder nicht? Der Videobeweis entschied und Sonderegger gestand ein: Es war noch rechtzeitig. Im VN-Gespräch ein paar Tage danach sieht es Sonderegger gelassen. Schon mehrfach sei er darauf aufmerksam gemacht worden, dass manche Abgeordnete taktisch warten, ob jemand anderer noch die Hand hebt und deshalb selbst sehr spät dran seien. Er habe immer wieder darüber nachgedacht, wie er mit solchen Themen umgeht. Und sich dann spontan zu dieser Handlung entschieden. “Ich habe dann bei der Sitzung noch einmal darauf aufmerksam gemacht, dass ich keine Namen mehr auf der Rednerliste habe. Nachdem keine Wortmeldungen gleich eingegangen sind, habe ich den Tagesordnungspunkt geschlossen.”

Schüler nach dem Besuch im Landtag: "Die Politiker sollten mehr Reife zeigen"
Zwischen Harald Sonderegger und Reinhold Einwallner ging es während der Sitzung ordentlich zur Sache. VN/Stiplovsek
Helena 14.JPEG

Ich fand es interessant, einen Einblick in eine Landtagssitzung zu haben, auch wenn sie anders verlief, als wir dachten.

Helena Steinhauser (14)
Johanna 13.JPEG

Es war sehr spannend, aber auch kindisch. Mich hätte die Meinung der anderen Parteien in der aktuellen Stunde sehr interessiert.

Johanna Nigsch (13)

Im Zuge dessen kam es zu großer Aufregung im Landtagssaal (die VN berichteten). Schülerinnen und Schüler der 4a- und 4d-Klasse der Musikmittelschule Thüringen haben die Aufregung mitverfolgt. Helena Steinhauser ist eine von ihnen. Sie sagt: “Ich fand es interessant, einen Einblick in eine Landtagssitzung zu haben, auch wenn sie anders verlief, als wir dachten.” Ihr Mitschüler Paul Konzett hingegen betont: “Es war sehr kindisch. Die Politiker sollten mehr Reife zeigen, sie sind schließlich die Erwachsenen und sollten wissen, wann fertig ist.”

Julia 14.JPEG

Ich bin schockiert über die Situation. Ist es schon einmal passiert, ist es immer so spannend?

Julia Paulitsch (14)
Moritz 13.JPEG

Es war sehr spannend und informativ, einen Einblick zu erhalten. Ich fand die Diskussion nicht kindisch; alle Abgeordneten wurden vom Volk gewählt und sollten auch angehört werden.

Moritz Schneider (13)

Die Schülerinnen und Schüler haben auch Fragen an den Landtagspräsidenten formuliert: etwa, ob er sich persönlich angegriffen gefühlt hat. Sonderegger verneint. “Ich glaube, die Erregung galt der Sitzungsführung grundsätzlich.” Ein Schüler möchte wissen: “Würden Sie es anders machen?” Sondereggers Antwort: “Ich wüsste nicht, was ich anders machen sollte. Im konkreten Fall habe ich gefragt, ob es weitere Wortmeldungen gibt. Die gab es nicht.” Auch im Nachhinein sei es ein Unentschieden gewesen, vielleicht sei die Hand einen Hauch früher oben gewesen. “Hätte ich das wahrgenommen, hätte ich ihm das Wort erteilt. Aber es gibt keine Verpflichtung und es wäre auch nicht sinnvoll, wenn der Vorsitz schon fast um Wortmeldungen bettelt.” Er möchte auch in Zukunft strenger sein, ist aber überzeugt, dass sein Handeln auch schon Wirkung gezeigt hat.

Nolan 14.JPEG

Die Sitzung war spannend, jedoch die Streiterei etwas kindisch. Ich bin auf der Seite von Herrn Einwallner.

Nolan Habian (14)
Paul 14.JPEG

Es war sehr kindisch, die Politiker sollten mehr Reife zeigen. Sie sind schließlich die Erwachsenen und sollten wissen, wann fertig ist.

Paul Konzett (14)

Eine Schülerin interessiert sich dafür, was geschehen wäre, wenn Reinhold Einwallner einfach weitergesprochen hätte. Zur Erinnerung: Sonderegger drehte ihm das Mikrofon ab. Der Landtagspräsident betont: “Damit war die Situation eigentlich beendet. Die nächste Eskalationsstufe wäre der Ordnungsruf gewesen.” Ein Schüler fragt: “Gab es nach der Sitzung Streit zwischen Ihnen?” Sonderegger: “Nein. Mit solchen Dingen muss man professionell umgehen.”

Einwallners Dollfuß-Sager in seine Richtung habe er während der Sitzung gar nicht gehört. “Dazu möchte ich auch jetzt keinen weiteren Kommentar abgeben. Die Aussage richtet sich von selbst.”

Am 10. Juni steht die nächste Landtagssitzung an. Schulklassen auf der Zuschauertribüne inklusive.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.