Familien verlieren noch mehr

Politik / 07.06.2026 • 12:00 Uhr
Familien verlieren noch mehr
Bis 2028 soll die Familienbeihilfe unverändert bleiben. Real führt das zu einem massiven Verlust, der mehrere hundert Euro pro Jahr betragen kann. Foto: APA

Inflation höher als erwartet: Nichtanpassung von Förderungen wird umso schmerzlicher.

SCHWARZACH Die Bundesregierung schnürt ein weiteres Sparpaket. “Eine faire Verteilung der Lasten sieht anders aus”, sagt Vorarlbergs AK-Präsident Bernhard Heinzle: Schon im vergangenen Jahr ist beschlossen worden, die Familienbeihilfe 2026 und 2027 nicht an die Inflation anzupassen. Jetzt soll das auf 2028 ausgeweitet werden: “Den Familien droht ein realer finanzieller Verlust: Die Lebenshaltungskosten steigen, die Leistung aber bleibt gleich”, so Heinzle: “Die Bundesregierung riskiert damit bewusst ein Steigen der Armutsgefährdung, statt endlich ernsthaft über Erbschafts- und Vermögenssteuern zu sprechen.”

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Aus Sicht der Familien fallen die Einschnitte jetzt sogar noch schmerzlicher aus als erwartet. Grund: Bei der Budgeterstellung ist man im vergangenen Jahr davon ausgegangen, dass sich die Teuerung normalisiert, also entspannt. In Wirklichkeit ist sie jedoch größer geblieben als erwartet. Das bedeutet, dass auch der Wertverlust der Familienbeihilfe und damit zusammenhängender Leistungen wie dem Kinderabsetzbetrag größer ausfällt. Bei einer Familie mit einem acht-, einem zwölf- und einem 16-jährigen Kind beispielsweise wird er aus heutiger Sicht 2028 um fast ein Drittel größer sein und dann alles in allem rund 865 Euro im gesamten Jahr betragen. Diese Summe kommt zustande, weil die Familienbeihilfe eben nicht jeweils im Ausmaß der Inflation des Vorjahres angepasst wird.

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“Familien sind kein Reparaturfonds für das Budget”, kritisiert der Obmann des Vorarlberger Familienverbandes, Guntram Bechtold, das Vorgehen der Regierung. Foto: VN/Paulitsch

“Die Aussetzung der jährlichen Valorisierung trifft Familien härter, als es die Regierung vor einem Jahr dargestellt hat”, kritisiert der Obmann des Vorarlberger Familienverbandes, Guntram Bechtold. Das schade auch der Wirtschaft nachhaltig, würden Familien dadurch doch massiv an Kaufkraft verlieren, warnt Bechtold: “Das ist keine Sparmaßnahme im Hintergrund, das ist eine schleichende Kürzung auf dem Rücken der Kinder.” Nachsatz: Familien sind kein Reparaturfonds für das Budget.” Der Familienverband fordere daher die Rücknahme der Nichtanpassung. Allein: In der Regierung deutet nichts darauf hin.

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Dominic Götz, Leiter der AK-Abteilung für Interessenspolitik, sieht auch ein soziales Problem: “Der Kaufkraftverlust von Transferleistungen trifft vor allem Alleinerziehende und Mehrkindfamilien stark. Sie sind überproportional armutsgefährdet.”

“Die Aussetzung der Valorisierung der einkommensunabhängigen Familien- bzw. Sozialleistungen fällt für die betroffenen Haushalte natürlich mehr ins Gewicht, wenn die Verbraucherpreise stärker steigen”, bestätigt WIFO-Budgetexpertin Margit Schratzenstaller. Aus budgetärer Sicht werde die Konsolidierung hingegen erleichtert.

Familien verlieren noch mehr
“Die Aussetzung der Valorisierung fällt für die betroffenen Haushalte natürlich mehr ins Gewicht, wenn die Verbraucherpreise stärker steigen”, bestätigt Margit Schratzenstaller. Foto: APA

Die Folgen der erhöhten Inflation sind laut Schratzenstaller aus dieser Sicht jedoch vielschichtig. So komme es außerdem zwar auch zu höheren Einnahmen (z. B. in Form der Mehrwertsteuer, deren Aufkommen mit den Preisen zunimmt), zeitversetzt würden daraus aber auch höhere Ausgaben resultieren. Und zwar etwa durch eine Anpassung von Löhnen und Gehältern im öffentlichen Dienst sowie Pensionen und dem Pflegegeld, die früher oder später notwendig wird.