Familien erwartet ein Sommer auf Sparflamme

Politik / 08.07.2026 • 15:03 Uhr
Familien erwartet ein Sommer auf Sparflamme
Schon länger müssen viele Eltern schlucken, wenn sie die Preise für Eiskugeln sehen. Die Kosten steigen weiter. APA

Der Urlaub kostet inflationsbedingt immer mehr, gleichzeitig spart der Staat bei den Sozialausgaben.

Wien, Schwarzach Während der Nationalrat in dieser Woche das Doppelbudget für 2027 und 2028 beschließt, endet am Freitag in Vorarlberg das Schuljahr. Doch der Start in die Ferien fällt für viele Familien heuer mit gemischten Gefühlen aus. Eine aktuelle Analyse des Momentum Instituts zeigt: Die Ausgaben sind stark gestiegen. Gleichzeitig verlieren die staatlichen Unterstützungen real an Wert.

Teurer Spaß

Die allgemeine Inflation lag zwischen Mai 2025 und Mai 2026 bei 3,7 Prozent. Doch wer mit dem Auto in den Urlaub fährt, muss für Treibstoff sogar um 26,3 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr, rechnet das gewerkschaftsnahe Momentum Institut vor. Campingplätze und Jugendherbergen wurden um 13,9 Prozent teurer, Flugreisen um 13,8 Prozent, Busreisen um 10,5 Prozent und Zugreisen um 9,6 Prozent. Selbst ein Eis kostet inzwischen 5,3 Prozent mehr, Restaurantbesuche 4,9 Prozent und der Eintritt ins Freibad 4,3 Prozent.

“Heuer sind vor allem Fahrtkosten und üblicherweise günstigere Unterkunftsarten wie Campingplätze oder Jugendherbergen stark teurer geworden. Das trifft genau jene Menschen, die auf preiswertere Urlaubsformen angewiesen sind”, sagt Leonard Jüngling, Inflationsexperte am Momentum Institut.

Alleinerziehende besonders belastet

Für viele Familien kommt diese Entwicklung zur Unzeit. Schon jetzt können sich 18 Prozent der Haushalte in Österreich keine Woche Urlaub leisten. Besonders dramatisch ist die Lage bei Alleinerziehenden: 41 Prozent können sich keine Ferien leisten. Bei Haushalten mit niedrigen Einkommen betrifft das sogar 38 Prozent.

Zusätzlich verlangt auch das Doppelbudget 2027/2028 den Familien einen Beitrag zur Budgetsanierung ab. Bereits zum dritten Mal in Folge werden zahlreiche Familienleistungen nicht an die Inflation angepasst. Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, Schulstartgeld oder der Familienzeitbonus bleiben bis Ende 2028 auf dem Stand von 2025 eingefroren. Das spart dem Staat rund 150 Millionen Euro jährlich – für viele Familien bedeutet es aber einen schleichenden Kaufkraftverlust von mehreren hundert Euro.

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Auch der Familienbonus wird neu geregelt. Künftig kann ihn grundsätzlich nur mehr dann ein Elternteil vollständig beziehen, wenn Kinder unter vier Jahren oder ein erheblich behindertes Kind im Haushalt leben. Ansonsten muss der Bonus zwischen den Eltern aufgeteilt werden. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) und Familienministerin Claudia Plakolm (ÖVP) begründen die Änderung mit dem Ziel, Erwerbsarbeit beider Eltern stärker zu fördern. Gleichzeitig werde in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf investiert. Ab dem vierten Lebensjahr soll der Kindergarten verpflichtend und kostenlos werden – ein “Game Changer”, wie Yannick Shetty (Neos) bei der Budgetdebatte im Parlament sagte. An drei Tagen wird bis Freitag noch darüber debattiert.

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Weiterhin keine Kindergrundsicherung

Auch Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) verwies auf soziale Ausgleichsmaßnahmen. Das Frauenbudget steigt auf 55 Millionen Euro, 35 Millionen Euro fließen in einen Unterstützungsfonds für Alleinerziehende. Die Regierung sieht darin einen wichtigen Schritt gegen strukturelle Kinderarmut.

Soziale Organisationen halten dagegen, dass diese Maßnahmen die Einschnitte nicht aufwiegen. Die Caritas warnt davor, dass gerade Familien, Frauen und Menschen mit niedrigen Einkommen die Hauptlast der Budgetkonsolidierung tragen. Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler spricht von einer “Summe der Maßnahmen”, die viele Menschen an ihre Belastungsgrenze bringe. Besonders kritisch sieht die Caritas, dass die angekündigte Kindergrundsicherung weiterhin ausbleibt, denn sie würde direkt bei den Kindern ankommen.

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