Kampf dem Dorfladensterben: “Die Politik braucht mehr Mut”

Politik / 26.07.2026 • 08:00 Uhr
Kampf dem Dorfladensterben: "Die Politik braucht mehr Mut"
Nesensohn ist überzeugt: Es braucht innovative Konzepte für die Nahversorgung in den Dörfern.VN/Schöller

Harald Nesensohn fordert, dass die Politik den Großhandel stärker in die Pflicht nimmt. Sonst sterben die Dorfläden aus.

Sulz Harald Nesensohn steht in seinem kleinen Laden in Sulz. Es riecht nach frischem Gemüse. Im Regal liegen Nudeln direkt vom Hof, Eier von einem anderen Hof, Fleisch vom Bauern, Gemüse von einem anderen Hof. Bezahlt wird an der Selbstbedienungskassa. Der “Regionallada” ist klein, fein und ein Beispiel dafür, wie Nahversorgung mit innovativen Konzepten funktionieren kann. Nesensohn kennt die harte Arbeit der Dorfläden. In Laterns hat er lange einen Laden betrieben, bis er ihn mangels politischer Unterstützung und Geld schließlich aufgeben musste. Er kritisiert den Großhandel und fordert mehr Mut von der Politik.

Kampf dem Dorfladensterben: "Die Politik braucht mehr Mut"
In seinem Laden verkauft Nesensohn Produkte von Landwirten aus der Region.VN/Schöller

Vorarlbergs Lebensmittelhandel entwickelt sich: Die Verkaufsfläche steigt, die Zahl der Händler sinkt jedoch, berichtet Nesensohn. Wenige große Player beherrschen den Markt. “Die Nahversorger sterben aus”, warnt er. Sie seien von vielen Faktoren abhängig, zählt er auf: “Vom Land und den Förderungen, von den Großhändlern, der Gemeinde …” Wobei er Vorarlberg ein gutes Zeugnis ausstellt: “So viel Förderung für Dorfläden gibt es sonst in Europa eigentlich nicht. Darum hat es das Dorfladensterben früher nicht gegeben.”

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Seit Corona seien allerdings die Personalkosten kräftig gestiegen. Zwar gebe es auch Förderungen, fährt Nesensohn fort. Aber: “Da gibt es dann einen Aufschlag, der die Förderungen direkt wieder auffrisst.” Als Dorfladen sei man vom Großhandel komplett abhängig. “Wer sich über den Aufschlag aufregt, bekommt zu hören, dass sie uns ja nicht beliefern müssten.” Dabei gehe es um rund 4,5 Prozent. Dadurch müsse man im Dorfladen auch teurer anbieten als die großen Handelsketten. “Die Abhängigkeit ist verrückt.”

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Nesensohn, der in der Kammer die Dorfläden vertritt, spricht damit auch die Gemeinden an. Sie bezahlen einen Teil der Förderungen. “Das gibt jedes Jahr neue Diskussionen. Und sie wird erst im Nachhinein ausbezahlt. Man weiß nicht, ob man sie bekommt.”

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Nesensohn ist überzeugt: Ohne Planungssicherheit bei den Förderungen wird es schwierig.VN/Schöller
Kampf dem Dorfladensterben: "Die Politik braucht mehr Mut"
Er hat sich von der Abhängigkeit entkoppelt – aber die Macht des Großhandels sei grundsätzlich enorm, bemängelt er.VN/Schöller

Fällt der Dorfladen weg, fehlt nicht nur die Nahversorgung, fährt Nesensohn fort. “Ein Dorfladen ist ein Treffpunkt. Um sieben Uhr in der Früh hatte ich schon 20 Kaffee verkauft. Man trifft sich und redet.” Schließt der Laden, sei es schwierig, jemanden zu finden, der ihn übernimmt. Denn die Investitionskosten seien enorm. Auch da sei man wieder vom Großhandel abhängig. Schließlich sei man darauf angewiesen, gebrauchte Ausstattung wie Kühlregale zu finden.

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Harald Nesensohn lobt die Möglichkeit, dass Dorfläden jetzt auch am Sonntag öffnen können.VN/Schöller

Er fordert mehr Mut von der Politik. Das neue Gesetz, wonach ein Dorfladen nun auch sonntags geöffnet haben darf – allerdings nur, wenn der Besitzer selbst im Laden steht oder eine Selbstbedienungskassa vorhanden ist –, sieht er als wohlüberlegten ersten Schritt. “Allerdings wird ein Dorfladen immer noch als schlechte Kopie eines großen Lebensmittelgeschäfts gesehen. Es braucht zeitgemäße Konzepte.” Zudem sollten die Großhändler stärker in die Pflicht genommen werden, etwa wenn sie um eine Widmung ansuchen. “Dann könnte man sie verpflichten, entweder auch einen kleinen Nahversorger mitzutragen oder ihn zumindest zu gleichen Konditionen zu beliefern.” Zudem könnte die ÖPNV-Abgabe, die für Einkaufszentren gesetzlich bereits möglich ist, zusätzliches Geld bringen, um Land und Gemeinden bei der Förderung zu entlasten.

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Was innovativ bedeutet, zeigt Nesensohn vor. Mit seinem Regionalmarkt beliefert er Küchen und Dorfläden. Mit dem “Regionallada” hat er sich zudem vom Großhandel befreit. Er wird direkt von den Landwirten beliefert. Dadurch gilt er als Hofladen – mit ganz anderen Öffnungszeiten. Der Selbstbedienungsladen darf rund um die Uhr geöffnet haben.

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Die Selbstbedienungskassa wird für Hofläden und Dorfläden immer wichtiger.VN/Schöller

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