Rainer Keckeis

Kommentar

Rainer Keckeis

Kommentar: Verqueerte Welt

Politik / 26.07.2026 • 14:50 Uhr

Es gibt kaum gute Argumente, die für die erratische Außenpolitik der USA unter Donald Trump sprechen. Dass sein jüngster kriegerischer Angriff auf den von radikalen Klerikern beherrschten Iran kein Freudentaumel im demokratischen Westen auslöst, war zu erwarten. Jetzt aber so zu tun, als wären alleine die Vereinigten Staaten die Bösewichte und die Massenmörder in Teheran die armen Opfer, zeugt von einer offenbar aus dem Lot geratenen moralischen Wertehaltung.

Dass diese Stimmen lautstark aus dem Umfeld der UNO kommen, verwundert seit dem schrecklichen Hamas-Überfall auf ein israelisches Musikfestival schon gar nicht mehr. Statt diese Greueltaten unmissverständlich zu verurteilen, haben deren Generalsekretär und vor allem die Sonderberichterstatterin für den Gazastreifen, Francesca Albanese, alles getan, um das sich wehrende Opfer Israel in eine Täterrolle zu drängen. In beiden Fällen, sowohl im Iran als auch im Falle der Hamas, sind es vorwiegend westliche Linke, die sich als deren politische Unterstützer hervortun. Dabei zeichnen sie sich durch eine besondere Ignoranz gegenüber den tatsächlichen Verhältnissen aus. Dass diese totalitären Regime ihre eigenen Bürger unterdrücken und sich persönlich schamlos bereichern, wird einfach ignoriert. Klare antisemitische Haltungen vermischt mit antiamerikanischen Einstellungen eint diese links-grünen Aktivisten. Dabei ist schwer zu erkennen, wer aus welchen Motiven handelt: Einerseits sind ihnen weitaus größere menschliche Tragödien, wie sie sich derzeit im Sudan abspielen, völlig gleichgültig. Andererseits wird unverhohlen Israels Existenzberechtigung wegen deren Antwort auf den Hamas- und Hisbollah-Terror infrage gestellt. Ein fehlgeleiteter US-Schlag mit zivilen Opfern im Iran wird hochgespielt und auf sozialen Medien ausgeschlachtet, während die tausenden Morde des Mullah-Regimes an der eigenen Bevölkerung stillschweigend zur Kenntnis genommen werden. Mehr an Doppelmoral und Scheinheiligkeit aufzubieten, ist kaum möglich.

Für westliche, demokratische Werte einzustehen, für Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit zu kämpfen ist offenbar bei vielen wohlstandsverwöhnten, links-grün orientierten Westlern nicht mehr en vogue. Dafür gehen mitunter sogar Schwule und Lesben vereint mit radikalen Hamas-Aktivisten auf die Straße und demonstrieren gegen das demokratische Israel. Dass dabei historische Fakten ignoriert und zum Teil nicht anerkannt werden, ist bezeichnend für diese selbsternannten Kämpfer für unterdrückte Muslime. Ungeachtet aller Fehler, die auch in den genannten Demokratien begangen werden: hier zu leben ist unvergleichlich besser, als in jedem arabisch-muslimischen Land, wo Bürgerrechte nur für die herrschende Klasse und Religionsführer gelten. Wer davon nicht überzeugt ist, möge gerne seine Koffer packen und uns vom Gegenteil überzeugen.

Rainer Keckeis ist ehemaliger AK-Direktor Vorarlberg und früherer Feldkircher VP-Stadtrat.