Geburtenrückgang gestoppt

Politik / 24.08.2026 • 14:08 Uhr
Geburtenrückgang gestoppt
Es bleibt bei geburtenschwachen Jahrgängen: Trotz Stabilisierung dürften in absehbarer Zeit um über ein Zehntel weniger Kinder zur Welt gebracht werden als Anfang der 2020er-Jahre. Foto: APA

Aber auf „erschreckendem“ Niveau: Familienverband vermisst kinderfreundliche Verhältnisse.

SCHWARZACH Der Geburtenrückgang, den es in den vergangenen Jahren gegeben hat, ist gestoppt: Von Jänner bis Juni sind in Vorarlberg 1806 Kinder zur Welt gebracht worden. Das waren sogar etwas mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (1748). Ähnlich sind die Entwicklungen in Österreich insgesamt, und sie entsprechen auch den Prognosen. Demnach sollte eine Phase der Stabilisierung eingeleitet sein.

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Das sei gut, sagt Wolfgang Mazal, Direktor des Österreichischen Instituts für Familienforschung. Eine Trendwende sei jedoch nicht in Sicht und das nunmehrige Niveau “erschreckend”. Tatsächlich dürfte es um weit mehr als zehn Prozent niedriger bleiben als Anfang der 2020er-Jahre.

Die Erklärungen sind zahlreich: “Es geht um fehlendes Vertrauen in die Zukunft, eine geringe gesellschaftliche Dynamik. Man sieht Ängste und Gefahren, eine Welt voller Frage- und Achtungszeichen”, erklärt Mazal. Das halte davon ab, Kinder zu kriegen. Befeuert werde es durch Klimaveränderungen und Kriege, wirtschaftliche Unsicherheiten, aber etwa auch Bedenken, ob ein eigenes Kind gut betreut werden könnte.

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“Wer erbt, schafft es. Wer nicht erbt, verschiebt. Und wer verschiebt, bekommt am Ende oft ein Kind weniger”, stellt Guntram Bechtold fest. Foto: VN/Paulitsch

Abgesehen davon ortet Mazal ein Männerproblem: “Nicht nur, dass sie zu wenig Kinderbetreuung machen, sondern auch, dass sie Verbindlichkeit in der Beziehung scheuen.” Natürlich: nicht alle, aber zu viele. Potenzielle Mütter halte das von einer Familiengründung ab.

Guntram Bechtold, Obmann des Vorarlberger Familienverbandes, vermisst kinderfreundliche Verhältnisse. Gerade habe er mit einem jungen Paar gesprochen, das im Juni ein zweites Kind bekommen hat: “Guter Job, sie verdienen ordentlich. Und trotzdem war ihr Thema nicht die Windelpackung, sondern die Frage, wie sich Menschen in ihrem Alter überhaupt noch Wohnraum leisten sollen.” Das sei ein Problem: “Wer erbt, schafft es. Wer nicht erbt, verschiebt. Und wer verschiebt, bekommt am Ende oft ein Kind weniger”, so Bechtold. Gefordert wären daher ausreichend große, erschwingliche Wohnungen sowie etwa “ein Abgabensystem, das jungen Menschen den Start lässt, statt ihn wegzusteuern”.

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Bei mehreren Kindern scheint noch etwas relevant zu sein. Robert Mäser, 44-jähriger Rechtsanwalt aus Dornbirn, wird bald zum vierten Mal Vater. Reaktionen aus dem Umfeld lassen ihn zum Schluss kommen, dass sich heute rechtfertigen muss, wer eine größere Familie hat. “Oje, das möchte ich nicht noch einmal”, hört er in Erwartung eines weiteren Kindes. Oder: “Das ist mir unverständlich.” Er lässt sich dadurch jedoch nicht beirren.

Geburtenrückgang gestoppt
Wolfgang Mazal ortet auch ein Männerproblem: “Nicht nur, dass sie zu wenig Kinderbetreuung machen, sondern auch, dass sie Verbindlichkeit in der Beziehung scheuen.” Foto: APA

Gefordert seien alle, nicht nur die Politik, unterstreicht Familienforscher Mazal: Was Zukunftsvertrauen raube, gehöre ausgesprochen. Man dürfe es aber nicht dabei bewenden lassen, sondern müsse sich damit auseinandersetzen, wie man am besten damit umgeht. Zweitens: “Kinder gehören in die Mitte, wie es das Land Vorarlberg durch den gleichlautenden Slogan schon vor Jahren zum Ausdruck gebracht hat. Da sind beispielsweise auch Eltern und Großeltern wichtig, ihre erwachsenen Kinder bei der Familiengründung zu unterstützen. Sie wissen zu lassen, dass sie da sind. Oder Unternehmen und ihre Kunden, Verständnis dafür zu haben, wenn eine Mutter mit Kind eine halbe Stunde später zur Arbeit kommt.”