Michael Prock

Kommentar

Michael Prock

Künstlich intelligent, politisch kreativ

Politik / 09.10.2026 • 10:30 Uhr

Einen wunderschönen Freitag!

Manchmal erfährt man Erstaunliches: Herbert Sausgruber sei FPÖ-Politiker gewesen und von 1987 bis 2004 Landeshauptmann. Er sei lange Spitzenkandidat der FPÖ gewesen und später aus der Partei ausgetreten – “im Kontext der Freiheitlichen in Vorarlberg”. Sein Vorgänger Hans Brunhart, ÖVPler und von 1974 bis 1987 Landeshauptmann, sei zurückgetreten, um sich der Präsidentschaftswahl in Österreich zu widmen. Und der aktuelle Landesamtsdirektor? Heiße Markus Wallner und sei 2023 Herbert Sauer nachgefolgt. Martina Rüscher wiederum sei von 2004 bis 2014 Landesrätin für “Umwelt, Gesundheit und Gesundheit” gewesen – und für die SPÖ in der Landesregierung gesessen.

Und so weiter und so fort.

Natürlich wissen wir, dass “Intelligenz” im Begriff “künstliche Intelligenz” etwas hoch gegriffen ist. Wer täglich KI-Assistenten nutzt, kennt außerdem deren Erfindungsreichtum. Kurios: Das sind Antworten der Vorarlberg-KI (VOKI) – jenes Instruments, mit dem die Vorarlberger Verwaltung seit Kurzem arbeitet. Seit der Einführung vor wenigen Tagen gehen in der Landesverwaltung die Wogen hoch. So sehr, dass im Intranet selbst führende Verwaltungsmitarbeiter die sofortige Abschaltung fordern. Neustart!

Man kann es ihnen nicht verübeln. Ein Fehler ist lustig, zwei sind ärgerlich. In dieser Häufung wird es peinlich.

Die Fehler kann man der KI nicht krummnehmen. Das zugrunde liegende Modell wurde wohl kaum speziell auf Vorarlberg trainiert. VOKI basiert auf dem chinesischen KI-Modell Qwen des Softwarekonzerns Alibaba. Schon das sorgte im Vorfeld für Kritik. Schließlich hätte sich das Land Vorarlberg auch für einen europäischen Anbieter entscheiden können. Österreichs Bundesregierung setzt zum Beispiel auf das französische Modell Mistral. Es müssen also nicht zwingend amerikanische Anbieter sein.

Mistral und Qwen haben einen Vorteil: Sie arbeiten transparenter als ihre amerikanischen Kollegen, lassen sich auf eigenen Servern betreiben und deshalb auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Kein Dokument muss so nach außen gelangen. Für die Verwaltung ist das sicherlich eine gute Möglichkeit.

Am Wissen des Modells ändert der eigene Server allerdings nichts. Solange es nicht gezielt korrigiert wird, dürfte VOKI auf die Frage nach der Unabhängigkeitsbewegung in Taiwan noch länger antworten, Taiwan sei gar nicht unabhängig.

Das war der kurze Exkurs in die technische Welt des Landes. Wahrscheinlich hätten Sie erwartet, dass ich an dieser Stelle über die SPÖ schreibe. Aber ehrlich: Was soll man dazu noch sagen? Weil ein alter Mann aus seinem amerikanischen Exil in österreichischen Medien auftaucht und ventiliert, er sei der Richtige, dann wieder abfliegt, gerät eine ganze Partei ins Wanken. Sie trifft sich am Sonntag, demontiert sich stundenlang selbst und präsentiert danach eine Nicht-Lösung. SPÖ-Chef Andreas Babler spricht von einem “Riesenerfolg”.

Muss man das wirklich noch kommentieren?

Nur ein Gedanke dazu: Eine Frau hätte die Chance gehabt, die SPÖ zu übernehmen. Sie wollte sie nicht ergreifen. Die Chance ist groß, dass nun wieder ein Mann übernimmt. Politische Spitzenpositionen sind überwiegend männlich. Das Beispiel SPÖ legt eine bittere Pointe nahe: Vielleicht sind Frauen einfach zu vernünftig, um sich an jeden Strohhalm der Macht zu klammern. Sie wissen, dass die Karriere schneller vorbei sein kann, als Gerhard Zeiler “Bruno Kreisky” sagen kann.

Auch ein Thema für diesen Newsletter wäre die Feststellung gewesen: Während wir uns mit solchen Lappalien beschäftigen, kämpfen die Menschen in Kiew und in der ganzen Ukraine Nacht für Nacht gegen feige Luftangriffe. Das Land wird vor dem Winter ins Mittelalter gebombt. Ein Ende ist nicht in Sicht, Putin hat keine Lust darauf. Eine Schulfreundin meiner siebenjährigen Tochter ist im Sommer in ihre Heimat zurückgekehrt, weil sie ihren Papa so vermisst. Wenn ich daran denke, was für ein Winter ihr bevorsteht, zieht es mir eine Gänsehaut auf.

Iran, Gaza, Jemen, Uganda – eine Welt voller Krisenherde. Da schadet es nicht, sich manchmal mit Humor abzulenken. Etwa, wenn uns die KI die aktuelle Zusammensetzung der Vorarlberger Landesregierung erklärt. Markus Wallner habe drei Stellvertreter: Johannes Riedmann (ÖVP), Verena Pacher (Freie Liste) und Harald Ebner (SPÖ). Landesräte seien Karl Gantner (ÖVP), Bettina Gschwentner (Freie Liste), Ulrike Gritsch (ÖVP) und Rainer Hasler (SPÖ).

Humor in Zeiten wie diesen. Zumindest dafür hat VOKI gesorgt.

Herzlichst,
Michael Prock
Leiter VN-Politikredaktion

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Dieser Text erschien im wöchentlichen Politik-Newsletter von VN-Politikchef Michael Prock. Sie können das “VOL.at Hinterzimmer” und weitere Newsletter hier abonnieren: www.vol.at/newsletter