Wenig Antworten zu “Gemeinde Gottes”

Politik / 13.10.2026 • 17:22 Uhr
Wenig Antworten zu "Gemeinde Gottes"
Mitglieder der “Gemeinde Gottes” bei einer Corona-Demonstration im Jahr 2021. VN/Stiplovsek

Keine anerkannte Religionsgemeinschaft, aber weiterhin aktiv. Bei der “Gemeinde Gottes” bleiben viele Fragen offen.

Dalaas, Bregenz Nicht zum ersten Mal tritt die “Gemeinde Gottes” öffentlich auf. Dieses Mal landeten die evangelikalen Christen allerdings unabsichtlich im öffentlichen Rampenlicht. Das Magazin “Datum” holte sich kürzlich dorthin. Im Bericht werden Aussteigerinnen zitiert, die über Gewalt berichteten. Eine Frau erzählte von religiöser Kontrolle, seelischer und körperlicher Gewalt. Ein Klima der Angst herrsche vor – die Verantwortlichen der “Gemeinde Gottes” bestreiten dies. Die Vorarlberger Neos wollen nun per Anfragen mehr erfahren – jetzt ist auch die Antwort zur dritten Anfrage da.

Darin ist zu lesen, dass die “Gemeinde Gottes” in Österreich über keinen Status einer anerkannten Religionsgemeinschaft, einer staatlich eingetragenen religiösen Bekenntnisgemeinschaft oder einer sonstigen Körperschaft des öffentlichen Rechts verfügt. Ihr werde jedoch der “Bildungsverein Gemeinde Gottes Wald am Arlberg” zugeordnet. Und: Beim Waffengesetz spielt die Religionszugehörigkeit keine Rolle. Mehr lässt sich auch aus dieser Anfragebeantwortung nicht herauslesen. In den Anfragen zuvor wollten die Neos vor allem wissen, wie mit häuslichem Unterricht und Kindesschutz umgegangen wird. Auch dazu konnte das Land wenig Auskunft geben. Denn die Vorfälle, die im “Datum” geschildert werden, seien den Behörden nicht bekannt – und meistens noch in Deutschland passiert. Für die Neos steht fest: Hinweise seien jahrelang liegen geblieben. Sie sehen “schwere Lücken im Informationsaustausch”.

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Jonathan Anselm bei einem Interview mit der “Neue Vorarlberger Tageszeitung” im Jahr 2021. VN/Hartinger

Die “Gemeinde Gottes”: Sie wurde 1988 in den USA gegründet und kam später nach Europa. Zunächst in Deutschland angesiedelt, zog die “Gemeinde Gottes” im Jahr 2009 nach Bludenz. Denn während in Deutschland die Schulpflicht besteht, gibt es hierzulande lediglich die Unterrichtspflicht. Kinder konnten also zu Hause unterrichtet werden. Als der ehemalige Gasthof Jägerheim zum Verkauf stand, schlug die Gemeinde zu. Ihr neues Zentrum war gefunden. Seit Jahren beschäftigt sich auch die Bundesstelle für Sektenfragen mit der “Gemeinde Gottes”.

Nach und nach deckte sie sich mit Immobilien in der Umgebung ein. Man erzählt sich, dass sie teilweise 150 Prozent des Verkehrswerts gezahlt hätten. Die Gemeinde war machtlos. Laut Auskunft des Landes leben rund 60 Angehörige der “Gemeinde Gottes” mittlerweile in Dalaas, bei 1800 Einwohnern.

Öffentlich trat die Gemeinschaft vor allem bei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen auf. Im Vorjahr dann in einer ganz anderen Rolle. Der Pastor und Gemeindeälteste, Jonathan Anselm, trat als Speaker beim Versus-Festival im Montafon auf. Angekündigt als “vielseitiger Unternehmer, Jugendpastor und Impact Entrepreneur”, der sich gleichzeitig als Jugendpastor engagiere. Und er “inspiriert junge Menschen mit seiner visionären Arbeit.”

Im “Datum” bestätigt er, dass es früher Gewalt gegeben habe, als die Freikirche noch in Deutschland war. Mittlerweile, in seiner Zeit, sei dies nicht der Fall. Auch laut “Datum” habe sich die “Gemeinde Gottes” gebessert. Behörden schauen dennoch genau hin: Beim Auftritt beim Versus-Festival sei auch der Verfassungsschutz vor Ort gewesen.

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