illwerke-Zwangsarbeit zur NS-Zeit: “Die Grausamkeit ist eigentlich unvorstellbar”

In der ersten Folge des VN-Podcasts “Nachhall” blickt Historiker Harald Walser auf die illwerke und deren rasanten Aufstieg während der NS-Zeit zurück.
Schwarzach Der Unternehmenserfolg der illwerke vkw ist eng mit einem dunklen Kapitel der eigenen Geschichte verbunden. Während der NS-Diktatur von 1938 bis 1945 gab es im Montafon zumindest 15 Lager, in denen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten. Sie errichteten die Staumauern der illwerke vkw – und das in Rekordtempo. Das ist auch ein Grund dafür, weshalb das Unternehmen heute so erfolgreich ist.
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Die illwerke vkw haben sich ihrer Vergangenheit mittlerweile gestellt und ihre Unternehmensgeschichte aufgearbeitet. Am 21. Oktober erfolgt der Spatenstich für den Gedenkort Rodund im Montafon. Anlass zum Gedenken gibt es reichlich, wie Historiker und VN-Kommentator Harald Walser in der ersten Ausgabe des neuen VN-Podcasts „Nachhall“ schildert.

Die illwerke vkw standen nach dem „Anschluss“ Österreichs auf der Prioritätenliste der Nationalsozialisten ganz oben, erklärt Walser. „Sie hatten eine enorm wichtige Bedeutung für die deutsche Kriegsindustrie.“ Am 12. März 1938 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Österreich. Wenige Tage später stand bereits eine erste deutsche Delegation auf der Bielerhöhe. „Die ganzen Ausbaupläne gab es schon davor, sie konnten allerdings aufgrund der wirtschaftlichen Lage nicht umgesetzt werden. Die Deutschen steckten dann 200 Millionen Reichsmark in die illwerke. Das war das 20-Fache des Vorarlberger Landesbudgets.“

Für diese Vorhaben rekrutierten die Nationalsozialisten Tausende Zwangsarbeiter. Darunter befanden sich politisch unerwünschte Personen und soziale Außenseiter, die zur Arbeit gezwungen wurden. Mit Kriegsbeginn kamen die ersten polnischen Kriegsgefangenen hinzu. Sie mussten unter katastrophalen Bedingungen arbeiten.

Wie grausam die Zustände waren, zeigt eine Episode aus dem Jahr 1943. „Das war furchtbar“, sagt Walser. In den Baracken breiteten sich Wanzen aus. Deshalb desinfizierten die Lagerbetreiber eine Baracke mit Blausäure. Es war Winter, erzählt Walser. „Man hat sie viel zu früh reingelassen und ihnen aufgetragen, die Fenster offenzulassen. Aber draußen hatte es minus zehn bis zwanzig Grad. Irgendwann hat man die Fenster natürlich geschlossen. Am Morgen waren Arbeiter tot.“ Insgesamt wurden 19 französische Kriegsgefangene vergiftet, drei von ihnen starben.

Immer wieder versuchten Zwangsarbeiter zu fliehen. Das gelang auch häufig. Einige wurden jedoch wieder gefasst und verurteilt. Er habe zumindest 17 entsprechende Urteile gefunden, sagt Walser. „Das waren furchtbare Richter.“ Sein Fazit: „Die Grausamkeit, der die Menschen ausgesetzt waren, ist eigentlich unvorstellbar.“
In der aktuellen Folge von „Nachhall“ spricht Harald Walser mit VN-Politikchef Michael Prock nicht nur über einzelne Schicksale. Er erklärt auch, weshalb die Staumauern und die Lager nie Ziel der alliierten Bombenangriffe wurden. Außerdem beschreibt er, wie schwierig es zunächst war, an diese Zeit zu erinnern.
Zu sehen ist der Video-Podcast „VN-Nachhall“ jeden Mittwoch um 21 Uhr auf Ländle TV und VOL.at. Zu hören ist er außerdem auf allen gängigen Podcast-Plattformen.
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