Reisetipp Zürich: Die Stadt am Wasser

Reise / 18.07.2021 • 10:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Reisetipp Zürich: Die Stadt am Wasser
Die Limmat lädt im Sommer zum Baden ein. SHUTTERSTOCK

Zürich auch mal abseits der Altstadt zu erkunden, lohnt sich und muss nicht zwingend teuer sein.

Zürich Nur eine gute Autostunde entfernt und für viele, abgesehen vom Stadtzentrum und dem Flughafen, trotzdem ein noch relativ unbekanntes Reiseziel. Dabei hat Zürich so viel mehr zu bieten als nur die zweifelsfrei wunderschöne Altstadt oder die Bahnhofstraße. Wer den ganzen Charme der Stadt auf sich wirken lassen möchte, sollte unbedingt für ein paar Tage bleiben. Vor allem im Sommer gibt es in Zürich viel zu erleben, denn an der Limmat und dem Zürichsee spielt sich an heißen Tagen das Leben ab. Und wer glaubt, dass Urlaub in der Schweiz immer teuer sein muss, der irrt, denn Zürich lässt sich durchaus auch mit einem kleineren Budget erkunden. So gibt es beispielsweise in Zürich 1200 Brunnen, aus denen bestes Trinkwasser fließt. „Jedes Quartier hat einen eigenen Brunnenguide, in dem ersichtlich ist, ob es sich um Quellenwasser oder um Hahnenwasser handelt. Beides ist natürlich trinkbar und fließt rund um die Uhr aus den schön verzierten Brunnen. Ein Luxus, den sich wohl nur Zürich leistet“, lacht Elisabeth, als sie mich durch die Altstadt führt, um mir etwas über die Geschichte der Stadt zu erzählen.

Brutstätte für Kunst und Literatur

Wir spazieren vorbei am Fraumünster, einer der vier reformierten Altstadtkirchen, die für ihre schönen Chagall-Fenster berühmt ist, schlendern durch die schmalen, gepflasterten Gassen, werfen einen Blick ins Stadtarchiv, wo man sich kostenlos einen ersten Überblick über die Stadt verschaffen kann, stoppen bei der größten Turmuhr Europas, deren Ziffernblatt einen Durchmesser von achteinhalb Metern vorweist, und spazieren durch die Spiegelgasse, eine Brutstätte revolutionärer Kunst, Literatur und Politik. Der deutsche Schriftsteller und Revolutionär Georg Büchner schrieb hier sein bekanntestes Werk „Woyzeck“. Während des Ersten Weltkriegs fanden in der Spiegelgasse Künstler wie Hugo Ball, Emmy Hennings, Hans Arp, Marcel Janco, Richard Huelsenbeck und Tristan Tzara Zuflucht und gründeten das Cabaret Voltaire – und mit ihm die Bewegung Dada. Nur ein paar Häuser weiter wohnte zur selben Zeit Wladimir Iljitsch Lenin, der sich auf die Russische Revolution vorbereitete.

Das Cabaret Voltaire hat eine lange Geschichte. Derzeit wird es renoviert. <span class="copyright"></span><span class="copyright"></span><span class="copyright">Christian Schnur/Zürich Tourismus</span>
Das Cabaret Voltaire hat eine lange Geschichte. Derzeit wird es renoviert. Christian Schnur/Zürich Tourismus

Abkühlung im Badi

Es dauert nicht lange, bis wir wieder die Limmat erreichen und damit auch die zahlreichen Badis, wie die Badeanstalten am Fluss und am Zürichsee genannt werden. „Viele davon sind gratis“, erklärt mir Elisabeth. Welche das sind und wie hoch die Auslastung gerade ist, erfährt man auf badi-info.ch. Wir verlassen die Altstadt und spazieren Richtung Oberer Letten in den Kreis 6. Hier treffen sich an warmen Tagen die jungen Menschen, springen in den Fluss und sitzen gemütlich am Ufer. Von der gediegenen Bahnhofstraße ist hier nichts mehr zu spüren. Graffitikunst ziert die Mauern und Musik tönt aus den Lautsprechern der Badegäste.

Trendiges Industriequartier

Nicht weniger kreativ geht es im Kreis 5 zu, dem sogenannten Industriequartier. „Den Namen hat das Quartier seiner Geschichte zu verdanken. Es war ein klassisches multikulturelles Einwanderungsquartier, was auch heute noch prägend für das Viertel ist. Heute findet man hier all die coolen Clubs und Lokale, eine Markthalle und zahlreiche Galerien und Museen, die sich in der ehemaligen Löwenbrauerei angesiedelt haben“, erzählt mir am nächsten Tag Barbara, die mit mir eine Fahrradtour zur Kunst im öffentlichen Raum unternimmt. Wer sich einen Guide leistet oder an einer Tour teilnimmt, erfährt hierbei Vieles zu den Künstlern und den Hintergründen der Kunstwerke, die in Zürich gefühlt an jeder Ecke kostenlos zugänglich sind. Aber auch ohne Guide findet man die Kunstschätze. E-Bikes können an diversen Stationen gratis ausgeliehen werden und auf www.maps.stadt-zuerich.ch kann man sich einblenden lassen, wo die Werke zu finden sind. „Wer sich noch mehr Geld sparen möchte, isst mittags in der Mensa. Das ist erlaubt und kostet für Nicht-Studenten nur wenig mehr. Eine gute Alternative zum Brötchen aus dem Supermarkt“, gibt mir Baba noch als Tipp mit auf den Weg und kommt gleich weiter ins Schwärmen als wir dem Fluss entlang in Richtung Unterer Letten radeln, um die Werke von Annemie Fontana, Max Ramp oder Alex Hanimann zu finden. „Ich liebe es, wenn hier im Sommer das Kino am Fluss stattfindet.“ Open-Air-Kino gibt es auch beim Allianz Cinema vom 2. bis 31. August am Zürichsee.

Reisetipp Zürich: Die Stadt am Wasser
Beate Rhomberg

Containerhochhaus

Unsere Tour endet gut zwei Stunden später in der Geroldstrasse 17 vor dem Freitag Tower. Die Architekten Spillmann Echsle haben hier für den berühmten Taschenhersteller einen Flagship-Store aus 19 recycelten, übereinandergestapelten Frachtcontainern kreiert. Vom Dach aus hat man einen tollen Blick über das Quartier, in dem das Leben pulsiert, über den urbanen Stadtgarten „Frau Gerolds Garten“ und über die Bögen des Viadukts. Und wer ganz genau hinschaut, findet beim Eingang zum Shop ein weiteres Kunstwerk. „Die meisten meiner Teilnehmer würden es alleine nicht sehen. Das macht es noch besonderer“, erzählt Baba strahlend und rät mir, einen genaueren Blick auf die Treppe zu werfen, wo ich schließlich den bunt bemalten, ausgespuckten Kaugummi entdecke. Einer von 20, die der Künstler Ben Wilson im Sommer 2019 auf Einladung des Musée Visionnaire für Zürich gestaltete. Und wie sollte es anders sein: Auch die Kaugummis sind auf www.museevisionnaire.ch in einem eigenen Stadtplan zu finden.

Zürich

Anreise Bequem mit der SBB bis Zürich Hauptbahnhof

Unterkunft Bis 31. August gibt es im Rahmen der „Zürich Wochen“ gute Angebote in den Hotels. Infos auf www.zuerich.com

Fortbewegung Mit der Zürich Card kann man Straßenbahn und Schiffe kostenlos nutzen. Auch die meisten Museen sind mit der Karte kostenlos.