Naturerlebnis Bijagos Archipel

Reise / 11.11.2022 • 11:14 Uhr
Naturerlebnis Bijagos Archipel

Hunderte von Meeresschildkröten legen auf einer Insel vor Westafrika Nacht für Nacht ihre Eier ab.

Sie schnauft wie eine Dampflok, macht kurz Pause und schleppt dann ihren 200 Kilogramm schweren Körper über den Strand Richtung Meer. Sie hört schon die Atlantikwellen rollen und riecht die salzige Luft des Ozeans. Noch ein paar mühevolle Flossenschläge im weichen Sand, dann endlich umspült sie das kühle Wasser, das sie zurück ins Meer trägt. In ihr Element, in dem der schwere Panzer sie nicht niederdrückt und sie elegant wie eine Ballerina durch die Fluten gleitet. Doch der kräftezehrende Ausflug an Land musste sein. Nur hier, wo sie selber einmal aus dem Ei geschlüpft ist, legt die Grüne Meeresschildkröte ihre bis zu 100 Eier ab, so hat es die Natur bestimmt. Einer der besten – und auch geheimsten – Plätze, um die Grüne Meeresschildkröte zu beobachten, ist die Mini­insel Poilão, die im Bijagos-Archipel vor der Küste des westafrikanischen Staates Guinea-Bissau liegt.

Unbewohnte Insel

In der Hochsaison im Oktober und November kommen hier Nacht für Nacht manchmal Hunderte der gepanzerten Giganten an Land. Das geschäftige Treiben auf Poilão ist den Tieren vorbehalten. Die zwei Quadratkilometer große Insel ist unbewohnt und erlaubt nur sehr wenige Besucher. Das hat gleich zwei Gründe. Zum einen ist Poilão Teil des João Viera e Poilão National Marine Park und steht unter strengem Naturschutz. Zum anderen ist die Insel ein heiliger Ort für die Menschen der Bijago-Ethnie, die den Bijagos-Archipel bewohnen. Auf Poilão unterziehen sich die Bijagos einem Initiationsritus namens Fanado, der sie zu geachteten Mitgliedern ihrer Gesellschaft macht. Was genau passiert, wenn die Männer und Frauen in kleinen Gruppen viele Wochen abgeschottet auf einer ihrer „heiligen Inseln“ leben, ist nicht bekannt. Wer sich dem Ritus unterzieht, verpflichtet sich, niemals ein Sterbenswörtchen darüber zu verraten und daran halten sich alle. Nur eines ist sicher: Ein reiner Spaß ist das nicht, denn wer vom Fanado zurückkehrt, trägt dicke Narben, die Männer auf der Brust, die Frauen am Arm.