Aufatmen in Gurtis: Wie die Volksschule doch noch gerettet wurde

Erst sollte die Volksschule Gurtis schließen, nun bleibt sie doch. Während Eltern und Lehrerin aufatmen, wird das Vorgehen der Bildungsdirektion kritisiert.
Julia Böcken & Dennis Strobel (VOL.AT)
Nenzing Die Volksschule Gurtis bleibt nun doch bestehen, nachdem die Bildungsdirektion ihre Schließung angeordnet hatte. Die plötzliche Kehrtwende geht auf Landesrätin Barbara Schöbi-Fink zurück.
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Die vergangenen Tage waren für die betroffenen Familien nicht einfach. Bürgermeister Michael Hartmann schrieb am Mittwochabend auf Facebook: “Auf Grundlage der aktuellen Gesamtsituation und der steigenden Kinderzahlen in den kommenden fünf Jahren hat sich Landesrätin Barbara Schöbi-Fink für die Weiterführung des Schulstandortes ausgesprochen. Diese Entwicklung freut mich sehr.”

Es habe viele Gespräche mit den Eltern, der Bildungsdirektion und dem Land Vorarlberg gegeben. “Dabei hat sicher nicht alles von Anfang an ideal funktioniert”, so Hartmann, doch am Ende habe man eine gute Lösung gefunden. Er sei froh, “dass wir diesen Schulstandort erhalten konnten”.

“Sehr erfreut und überrascht”
Ortsvorsteher Christoph Seeberger sei “sehr erfreut und überrascht” gewesen, als er erfahren habe, dass die Volksschule Gurtis erhalten bleibt. “Ein großer Dank an die Landesregierung und an die Gemeinde, die sich für den Erhalt des Schulstandorts eingesetzt hat”, sagt Seeberger. Zugleich übt er Kritik an der Vorgehensweise der Bildungsdirektion Süd. Beim Gesprächsabend mit Eltern und Bildungsdirektion habe er auf neue Parameter hingewiesen, darunter den jüngsten geburtenstarken Jahrgang. Er habe die dem Land vorliegenden Geburtenzahlen angezweifelt, da er wusste, dass “wir in Gurtis viele Geburten hatten”.
Auch dass die Lehrerin noch vier Jahre an der Schule unterrichten wird und nicht wie angenommen zwei Jahre, sei thematisiert worden. “All diese Dinge wurden ignoriert”, kritisiert Seeberger. Die Bildungsdirektion Süd habe mitgeteilt, dass die Entscheidung nicht mehr beeinflussbar sei. “Ich habe mich vor den Kopf gestoßen gefühlt”, so Seeberger.
Kritik von Landtagsabgeordneter Manuela Auer
Die SPÖ-Bildungssprecherin und Landtagsabgeordnete Manuela Auer kritisiert das Vorgehen des Landes in einer Aussendung scharf: “Eltern, Kinder und Lehrpersonen wurden vom Land grundlos verunsichert. Von einer verantwortungsvollen Regierung erwartet man sich, dass Zahlen geprüft werden, bevor derartige Ankündigungen gemacht werden.”

Die SPÖ-Bildungssprecherin wirft dem Land ein “Zahlenchaos” vor: “Wenn wenige Tage später plötzlich völlig andere Prognosen vorliegen, stellt sich die Frage, wie sorgfältig die ursprünglichen Berechnungen überhaupt geprüft wurden.” Zudem fragt sie sich, ob eine “derartige nachträgliche Korrektur” auch bei anderen politischen Entscheidungen vorkommen könnte.
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Barbara Schöbi-Fink betont auf VN-Anfrage, dass die Entscheidung nicht aufgrund von medialem oder politischem Druck getroffen wurde, sondern aufgrund der Faktenlage. “Natürlich nehmen wir die Sorgen der Eltern ernst. Wenn neue Informationen zu einer anderen Ausgangslage führen, dann ist es richtig, eine Neubewertung auch vorzunehmen”, sagt sie.

Es lagen keine falschen Zahlen vor, jedoch wurde der Betrachtungszeitraum erweitert. Mitentscheidend war ein Anstieg der Kinderzahl, der bis 2030/31 fast zu einer Verdoppelung der Schülerzahl führen dürfte. Laut Bildungsdirektion deuteten die damaligen Daten auf weniger als zehn Schüler hin. Bei Kleinstschulen sei das ein sehr kritischer Punkt.

Lehrerin Elfriede Waldhart zeigt sich ebenfalls erleichtert über den Erhalt der Volksschule. “Die Vernunft hat gesiegt”, sagt sie. Nun kann sie bis zu ihrer Pensionierung in Gurtis bleiben. Auch Mutter Manuela Weber freut sich über die Entscheidung. Die Verkündung des Schulerhalts sei für sie “sehr emotional” gewesen. Ihr Kind habe ebenso Tränen in den Augen gehabt wie sie selbst.