Aus Angst vor Handys zugestochen

Spezial / 16.08.2016 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eines beiden verletzten Opfer, die von der Rettung ins Landeskrankenhaus nach Feldkirch eingeliefert werden mussten.
Eines beiden verletzten Opfer, die von der Rettung ins Landeskrankenhaus nach Feldkirch eingeliefert werden mussten.

Geistig verwirrter Deutscher verletzte zwei Fahrgäste bei Attacke mit Messer.

Sulz. Am vergangenen Samstagnachmittag ein Messer­attentat im Schweizer Regionalzug in Sennwald, am Dienstagmorgen ein Parallelfall im ÖBB-Regionalzug kurz vor der Haltestelle in Sulz-Röthis: Um 6.35 Uhr zieht ein 60-jähriger Deutscher plötzlich ein Messer und sticht es dem ihm gegenübersitzenden 19-jährigen Fahrgast in den Bauch. Anschließend verletzt er ihn mit dem Outdoormesser auch am Rücken.

Ein weiterer Angriff

Doch damit noch nicht genug: Unmittelbar danach geht der Mann auf einen weiteren, 17-jährigen Fahrgast los und attackiert auch ihn mit dem Messer. Er fügt ihm dabei eine Wunde am Hals zu. Die beiden jungen Opfer aus Feldkirch werden erheblich verletzt. Zum Motiv teilt die Polizei später mit, dass sich der 60-Jährige angeblich durch die Handys der gegenübersitzenden Fahrgäste bedroht gefühlt habe. Ein Augenzeuge betätigt sofort den Alarmschalter und informiert damit den Lokführer, der umgehend die Polizei verständigt. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich gerade eine Sektorstreife der Inspektion Rankweil-Sulz in der Nähe der örtlichen ÖBB-Haltestelle, in die der Zugführer einfährt und dort anhält.

Fahrgast als Helfer

Zwei Polizeibeamte stürmen sofort in den Zug und nehmen den Tatverdächtigen fest. Doch der widersetzt sich und kann nur mit Einsatz des Pfeffersprays überwältigt werden. Die Beamten werden dabei von einem 22-jährigen Fahrgast tatkräftig unterstützt, der dabei leichte Verletzungen an der Hand erleidet.

Auch ein Kriseninterventionsteam findet sich an der Haltestelle ein. Viele der Fahrgäste stehen unter Schock und müssen psychologisch betreut werden. Zum Tatzeitpunkt befinden sich etwa 100 bis 120 Fahrgäste im Zug. Sie werden kurz nach der Tat mit einem Ersatzzug weiterbefördert. Die beiden verletzten Opfer werden von der Rettung ins Landeskrankenhaus Feldkirch eingeliefert und dort operiert, sie befinden sich außer Lebensgefahr.

„Wirres Gekritzel“

Der mutmaßliche Täter wird zur Einvernahme in die Polizeiinspektion Sulz gebracht. Schon bald stellen die Ermittler bei dem 60-Jährigen eine deutliche geistige Verwirrtheit fest. Sicher ist, dass hinter der Tat weder ein politisches noch ein religiöses Motiv stand. Der Deutsche trägt Notizblöcke mit einem laut Polizei „wirren Gekritzel“ bei sich, das nun von Experten analysiert wird. Der Tatverdächtige ist in Deutschland polizeilich bekannt und hielt sich unstet in Vorarlberg auf. Noch am Dienstagnachmittag befasste sich Gerichtspsychiater Reinhard Haller mit dem Festgenommenen.

Einen Zusammenhang mit der Tat im Schweizer Rheintal, wo am Wochenende nach einer Attacke in einem Zug sowohl eine 34-jährige Frau als auch der Angreifer starben, schloss die Polizei aus.

Der 60-jährige Tatverdächtige musste von der Polizei überwältigt werden.
Der 60-jährige Tatverdächtige musste von der Polizei überwältigt werden.