Ein Scherz in Köln

28.03.2019 • 18:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vorarlberger Scheiterhaufen mit Milirahm und Schlag.
Vorarlberger Scheiterhaufen mit Milirahm und Schlag.

Zu Besuch bei einem Vorarlberger in der Rheinmetropole.

Köln Der Auftrag kam dieses Mal aus der VN-Redaktion: Da gibt es einen Vorarlberger, der in Köln ein Gasthaus betreibt. Willst du dort nicht mal vorbeischauen, wenn du sowieso in Köln bist? Natürlich wollte ich. Nicht zuletzt, weil ich schon viele „Exil-Vorarlberger“ in Köln kennengelernt hatte. Allen voran Marlies Greber, die Chefin meines Stammhotels Astor, die vor langer Zeit dem Bregenzerwald den Rücken gekehrt hat. Bei den vielen Messen, die in Köln stattfinden, sind natürlich auch die einen oder anderen aus dem Ländle dabei, die nach Kölschen Brauhäusern und „Himmel un Ääd met Flönz“ Lust auf österreichische Küche und ein richtiges Bier bekommen. So setzte ich mich in die Stadtbahn 18 Richtung südliche Altstadt, um Michael Scherz, Inhaber des gleichnamigen Gasthauses, einen Besuch abzustatten. Das Lokal in einem 70er-Jahre-Block mit unspektakulärer Fassade und fast zu übersehen, die Einrichtung gemütlich. Dunkles Holz bis zur Hälfte der sonst weißen Wände. Geweihe und Regale mit Weinflaschen an der Wand. Aufgelockert durch moderne Akzente, wie spezielle Deckenlampen und bequeme Polsterstühle. Die Karte ist eher klein gehalten. Österreichische Klassiker, teilweise neu interpretiert mit starken Aromen und einem Blick auf moderne Zubereitungsarten wie Sous-vide-Garen im Vakuum.

Nichtalltägliches

Scherz bietet zum Beispiel verschiedene Sudfleischstücke an. Trockengereifter Tafelspitz oder Bürgermeisterstück vom Pommerschen Rind. Auch Nichtalltägliches, wie gebratenes Rinderherz, Seeteufel Foie gras oder Grünkohl-Seeigel-Kalbsrahmsuppe, findet man im Angebot. Abgerundet wird das Ganze von einer immensen Auswahl an österreichischen Weinen, von denen auch viele im Offenausschank zu moderaten Preisen erhältlich sind. Meine Begleitung, eine rheinische Frohnatur aus Bonn, beginnt als kulinarischer Österreichneuling mit einem gekochten Bürgermeisterstück, das mit Wurzelgemüse, Spinatsauce und Petersil-Erdäpfeln (21 Euro) serviert wird. Weil die Grünkohl-Seeigelsuppe aus dem Schmankerlmenü (es kann jeder Gang einzeln bestellt werden) ausverkauft ist, entscheide ich mich für einen angebeizten Faröer Lachs mit Gemüse (14 Euro). Gefolgt von gebratenem Herz vom Limousin-Rind mit Madeirajus und Selleriepüree (15,90 Euro). Vorher gab es als Gruß aus der Küche Brot mit Ruccola-Nusstopfen und ein kleines Weck-Glas mit Rindfleischsalat.

Scherz hat sein Handwerk im Griff. Vom Amuse-Bouche bis zur Nachspeise, die bei uns ein Apfelstrudel mit Kardamon-Milcheis (8,50 Euro) für meine Begleitung und ein Vorarlberger Scheiterhaufen mit Milirahm und Schlag (10 Euro) für mich war, alles geschmacklich top und sehr schön präsentiert. Auch die Servicemitarbeiter waren sehr freundlich und meist gut organisiert. Definitiv ein Muss für jeden Köln-Besucher, der österreichisch mal anders probieren möchte.

Der gebürtige Feldkircher Michael Kerschbaumer (Jg. 1968) arbeitete 15 Jahre als Koch in der internationalen Hotellerie und im Airline Catering, bevor er sich zum Wirtschaftsinformatiker Fachrichtung Qualitätssicherung ausbildete.

Restaurant Scherz, Luxemburger Str. 256, 50937 Köln, Tel. 0049 221 16929440