VN-Interview. Daniel Madlener (48), Trainer FC Lustenau 1907

Madlener hat beim FC Lustenau ein schweres Amt übernommen, fühlt sich aber wohl.
Fussball. Auf den FC Lustenau warten in der näheren Zukunft mit Sicherheit stürmische Zeiten. Denn mit dem Abgang von Trainer Damir Canadi nach Altach und der Erklärung von Präsident Dieter Sperger, den FC geordnet in den Amateurbereich zurückzuführen, schlugen die Wogen im Ländle hoch. Zudem verpflichtete sich der älteste Klub Vorarlbergs auch noch dazu, seine besten Spieler ziehen zu lassen, um die angehäuften Schulden in Grenzen zu halten. Wahrlich keine guten Voraussetzungen für einen neuen Trainer. Doch Ex-Nationalspieler Daniel Madlener zögerte keine Sekunde nach der Anfrage von Präsident Sperger und übernahm am 8. Jänner 2013 die sportliche Verantwortung für den Fünftplatzierten der Ersten Liga. Er soll das finanziell „sinkende Schiff“ zumindest sportlich auf Kurs halten und mit der Mannschaft, trotz allen Querelen, die höchsten Klippen umschiffen. Ein Unterfangen, eigentlich genau richtig für den „positiv verrückten“ Oberländer.
Herr Madlener, Gratulation zum Trainerjob beim FC Lustenau. Manche meinen, härter hätte es für einen Neo-Coach nicht kommen können. Keine Berührungsängste, trotz vieler Probleme beim FCL?
Daniel Madlener: Erst mal vielen Dank. Und zweitens: Angst war nie angesagt. Im Gegenteil: Ich habe mich richtig gefreut, einen Job im Profi-Fußball annehmen zu können. Ein Dank dem Präsidenten für das Vertrauen. Er hat mir damit eine Möglichkeit gegeben, mich auf Profi-Ebene zu zeigen. Und daher bin ich von der ersten Minute an voll Zuversicht und positiver Energie an die Sache FC Lustenau herangegangen.
Sie wurden ja gleich beim Amtsantritt mit Chaos empfangen: mit Diskussionen um die Zukunft des Vereins und vor allem mit Abgängen von wichtigen Spielern. Wie sind Sie damit zurechtgekommen?
Madlener: Bei meinem Amtsantritt war ja noch keine Rede von Rückzug in den Amateurbereich. Aber ich konzentriere mich nur auf die Dinge, die ich beeinflussen kann. Jammern war nicht angesagt. Und Gedanken über die noch weit entfernte Zukunft des Klubs kann ich gut beiseiteschieben. Der Fokus lag und liegt nur beim Team und wie ich aus dem doch kleinen Kader eine schlagkräftige Mannschaft formen kann. Im täglichen Training habe ich der Truppe meine Gedanken und meine Ideen übermittelt. Natürlich dauert solch eine Entwicklung, aber im Laufe der ersten Wochen beim FC konnten mich die Spieler ebenfalls kennenlernen. Und die Stimmung im Team wurde von Tag zu Tag besser.
Bis dann der letzte Tag der Transferperiode kam und einige Spieler abgesprungen sind.
Madlener: Ja, der 31. Jänner 2013 war sicher nicht der beste Tag für den FC Lustenau. Tormann Andreas Lukse hatte sich für Kapfenberg entschieden. Ali Osman, Mario Bolter und Furkan Aydogdu lehnten Vertragsangebote des FC ab. Da ging es ganz schön hektisch zu. Doch darin sah ich eine große Herausforderung. Und zum Glück haben wir alle im Verein eine Lösung gefunden, diese drei Spieler wieder in unser Boot zu holen. Seitdem ist die Stimmung sehr gut, die Burschen ziehen im Training voll mit.
Konnten Sie Ihre sportlichen Vorstellungen schon übermitteln?
Madlener: Ich denke schon. Zumindest sehe ich, wie sich die Spieler Schritt für Schritt weiterentwickeln. Klar sind die Rahmenbedingungen nicht die allerbesten, aber genau darin sehe ich unsere Chancen. Mein Credo lautet: Aus wenigen Möglichkeiten das Maximum herausholen. Danach arbeiten wir jeden Tag.
Der FCL ist Ihre erste Station im Profigeschäft. Für welche Werte stehen Sie?
Madlener: Der Fußball besteht aus vielen kleinen Bausteinen. Ein wichtiger davon ist der Kopf. Er entscheidet im Sport mit über Sieg oder Niederlage. Dort will ich den Hebel ansetzen. Dass meine Spieler sehr gut kicken können, haben sie bereits unter Damir Canadi gezeigt. Nun heißt es, dieses Können ohne zu große Schwankungen weiter zu zeigen, sprich Kontinuität der guten Leistungen. Die Spieler sollen noch mehr an sich glauben. Nur so können sie über ihre Grenzen gehen und Erfolge feiern. Weiters möchte ich auf die Spieler ganzheitlich einwirken. Sie in allen Belangen weiterbilden. Verbessere ich jeden Einzelnen, stärke ich damit das gesamte Team. Dort steht eine gute Organisation im Mittelpunkt. Gut organisiert bekommt eine Mannschaft mehr Sicherheit. Dies wiederum führt zu mehr Selbstvertrauen. Eben Baustein für Baustein, bis hin zum Erfolg.
Was kann man vom FCL im Frühjahr erwarten?
Madlener: Wir werden einen begeisternden und herzerfrischenden Fußball zeigen. Ich bin überzeugt, dass wir viele überraschen werden. Der FC ist zuletzt oft negativ in den Medien gewesen. Dies wollen wir nun umdrehen. Wir können alle gemeinsam viel gewinnen.
Was sagt Ihre Familie zu dem Abenteuer?
Madlener: Die gibt mir extrem viel Kraft und den nötigen Rückhalt.
Schon mal daran gedacht, dass im Sommer wieder alles vorbei sein kann?
Madlener: Niemals. Ich denke derzeit nur an St. Pölten – wie wir sie besiegen.