Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Wie David gegen Goliath

Sport / 17.06.2015 • 20:59 Uhr

Es gibt nichts, was es nicht gibt, sagt man bei uns. Es ist schon sehr verwunderlich, dass sich die beste Skifahrerin auf dem Planeten mit dem erfolgreichsten Skiverband auf dem Planeten jetzt schon über Monate zerpflückt. Erst hinter den Kulissen, dann durch ein geheimes Mail an die Öffentlichkeit befördert. Nein, nicht nur die deutsche Regierung wird gehackt, sogar der ÖSV und Fenninger, so wichtig sind wir schon. Und wir bekommen von allem nur Fetzen mit, sodass keiner genau weiß, wer die Wahrheit spricht. Die Wahrheit, an der Anna so hängt; nur die kennen wir alle nicht. Ich kenne Herrn Kärcher, den Manager von Fenninger, schon länger und schätze ihn als kompetenten Geschäftsmann ein, der schon seit vielen Jahren sein Geschäft versteht. Keinesfalls würde ein Mann wie er seinen Ruf aufs Spiel setzen wegen einer Athletin, die er betreut.

Aber genauso wenig traue ich das den Vertretern des Skiverbandes zu, die versuchen, ihrem besten Pferd im Stall einen möglichen Kompromiss bei Bonifikationen zuzugestehen, ohne dass alle anderen Athletinnen und Athleten im Team auf die Barrikaden gehen.

Die Werbekampagne mit Fenninger in Zusammenhang mit Laureus und Mercedes war eigentlich ein Geniestreich, um die Regularien des ÖSV zu umgehen. Hier würden sich etliche Anwälte und Gerichte über längere Zeit Paragraphen an den Kopf schmeißen, bis die Frage geklärt wäre, und nebenbei sehr viel Geld einsacken. Gott sei Dank hat Mercedes ein Einsehen und hat die Kampagne mit Fenninger zurückgezogen. Anna wirkt müde und fängt an, über die Benachteiligung von Frauen im Team zu sprechen. Das ähnelt einer Talkrunde mit Alice Schwarzer. Die ist seit ihren Anfängen aber auch nicht viel weiter gekommen.

Wie dieser sinnlose Streit schlussendlich endet, wissen alle. Ein Athlet braucht die gesamte Kraft für den Sport und den Wettkampf, auf den er sich monatelang vorbereitet. Zweigt man nur zehn Prozent der Energie leichtfertig ab, freuen sich die Konkurrenten. Wenn jemand davon eine Ahnung hat, bin ich das. Ich habe mich 20 Jahre lang mit dem Verband in einem Kriegszustand befunden und weiß, wo die Kraft ihre Grenze findet.

Anna wird müde und fängt an, über die Benachteilgung von Frauen zu sprechen. Das ähnelt einer Talk-runde mit Alice Schwarzer.

sport@vorarlbergernachrichten.at