Von Tunesien ins gelobte Land

30.09.2015 • 20:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Trautes Glück, Familienglück, v. l.: Leila (19), Christine (43), Bruder Adel (51) sowie Lassaad Chabbi mit Gattin Latifa.
Trautes Glück, Familienglück, v. l.: Leila (19), Christine (43), Bruder Adel (51) sowie Lassaad Chabbi mit Gattin Latifa.

Lassaad Chabbi ist der einzige dunkelhäutige Bundesligatrainer: Und stolzer Österreicher.

Lustenau. Lassaad Chabbi (54) kann sich nicht sattsehen an seiner Sammlung von Zeitungsartikeln. Sie zeigen Fotos und Berichte über den Austria-Lustenau-Trainer als jungen Fußballer in Tunis, als Kicker in Vorarlberg, als Händeschüttler mit großen internationalen Fußball-Persönlichkeiten, als Trainer an den verschiedensten Stationen seiner Karriere. Der gebürtige Tunesier strahlt übers ganze Gesicht, sehr zum Wohlgefallen seiner Gattin Latifa (52) und seines Bruders Adel (51) samt Familie. Lassaad Chabbi ist stolz auf sich und seine Familie auf ihn.

Nicht reich, nicht arm

Der junge dunkelhäutige tunesische Mann, der sich in Europa eine beachtliche Biografie zimmerte, mit Fleiß, Beharrlichkeit und Optimismus: eine schöne Geschichte. Seine tunesischen Wurzeln vergisst der heute 54-Jährige nicht.

„Ich wuchs völlig normal in Tunis auf. Meine Familie war nicht reich, nicht arm. Der Vater hatte ein Café, meine Mutter war Schneiderin.“ In der Nachbarschaft gab es eine andere, normale, Familie. Dieser entstammten Latifa und ihre sechs Geschwister. Es sei so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gewesen, das mit Lassaad und ihr. „Wir passen zusammen. Das wussten wir schnell“, sagt Frau Chabbi heute.

Vor 30 Jahren

Lassaad nistete sich vor genau 30 Jahren in Vorarlberg ein. Mit ein paar Fußballer-Freunden aus Lausanne spielte er ein Hobby-Turnier in Bludenz. „Dort entdeckte mich Helmut Kischka und brachte mich zu Rätia Bludenz.“ In der Eisenbahnerstadt verschaffte man dem jungen Tunesier einen Job bei den ÖBB.

Vorbild Barack Obama

Doch wirklich interessiert hat ihn schon in dieser Zeit nur der Fußball. Auf Rätia folgten sieben Jahre Schruns, danach Rankweil. Seine Trainerkarriere startete er in Sulz. Einen Namen machte sich der Trainer Chabbi vor allem bei der Lustenauer Austria, wo er eine völlig unroutinierte Jungtruppe in die Regionalliga führte. Nach einem Abstecher nach Katar als Kotrainer beim dortigen Klub Aljaich kam er wieder nach Vorarlberg zurück. Der Mensch Lassaad Chabbi lässt sich vom Fußball-Besessenen Lassaad Chabbi kaum trennen. In der Freizeit schaut er Fußball-Videos oder liest Biografien über große Trainer. Der Fußball bestimmt sein Wohlbefinden. „Nach Niederlagen der Austria, und von denen gab’s ja bisher einige, kann ich nicht schlafen, stehe drei-, vier Mal die Nacht auf.“ Man muss nachbohren, um andere, nicht Fußball-affine Interessen, aus ihm herauszukitzeln. „Mit Politik beschäftige ich mich ebenfalls. Die ist wichtig. Menschen sollten wissen, was in ihrem Land läuft, um sich eine eigene Meinung zu bilden.“

Und ja, ein Vorbild abseits des Fußballs hat er auch: „Barack Obama. Ein schwarzer Präsident in Amerika – das bewundere ich.“ Lassaad Chabbi ist ein fast fanatischer Österreicher mit einer klaren Sicht der Dinge geworden. „Dieses Land ist eines der besten der Welt. Es bietet jedem, der willig ist, Chancen. Wer hier als Zugewanderter nur jammert, sollte wieder gehen. Wer sich gut integriert, verdient unsere Unterstützung.“

Dieses Land ist eines der besten der Welt. Österreich bietet jedem, der willig ist, Chancen.

Lassaad Chabbi
Der junge Lassaad Chabbi (l.) spielte für Club Afrika Tunis
Der junge Lassaad Chabbi (l.) spielte für Club Afrika Tunis

Zur Person

Lassaad Chabbi

Der gebürtige Tunesier ist 54 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Feldkirch. Er hat zwei Söhne und arbeitet als Trainer beim Profiklub Austria Lustenau.