„Skisport hat viel Konkurrenz“

Kilian Albrecht über die Arbeit mit den Skistars, City-Rennen und das Nachwuchsproblem.
Schwarzach. Kilian Albrecht war früher ein Weltklasse-Slalomfahrer. 2006 wechselte der gebürtige Auer zum bulgarischen Skiverband und bestritt bis 2011 noch einige Weltcuprennen und war bei Großanlässen dabei. Nach seiner aktiven Karriere wurde der gebürtige Auer im Ski-Weltcup Sprecher für die Athleten. Diese Position half ihm, zu allen Skisportlern sehr gute Verbindungen aufzubauen. Seit 2011 betreut er Mikaela Shiffrin auf Managementebene.
Kilian, wie kommt diese unglaubliche Dominanz von Mikaela Shiffrin im Slalom zustande?
Albrecht: Die Basis dazu wurde sicherlich im Frühjahr gelegt, als Mikaela in Colorado bis Ende Mai noch 25 Schneetage absolvierte. Dabei standen aber nicht nur Stangentraining und Tests am Programm, sondern auch viel Geländefahren und Fahrten im Funpark. Dazu kam noch ein neuer, sehr effizienter amerikanischer Trainer mit neuen Inputs. Auch wurde die Materialabstimmung nochmals verfeinert und verbessert. Man sollte aber diese drei Sekunden Vorsprung von Aspen nicht als Standard voraussetzen. In den USA sind Anfang Winter sehr aggressive Verhältnisse, damit haben die Mittel-europäer historisch immer größere Probleme gehabt. In Europa wird diese drückende Überlegenheit abnehmen.
Auch Lindsey Vonn fährt der Konkurrenz auf und davon.
Albrecht: Ohne Anna Fenninger und Tina Maze scheinen heuer im Speed keine wirklichen Rivalinnen für Vonn am Start zu sein. Das Gesamtpaket mit optimalem Material, ihre extremen Kurvenlagen und die körperlichen Voraussetzungen von 1,78 Meter Größe und 75 Kilo Gewicht sind auf einer Strecke wie Lake Louise im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Auf diesem Gelände ist sie einfach eine Bank. Ich denke, das wird sich auch bei den anderen Abfahrten nicht wirklich ändern, außer es wird sehr steil und vom Radius her enger.
Neben deinem Star Shiffrin betreust du auch noch andere Athleten wie Veronika Velez-Zuzulova oder Alexander Khoroshilov.
Albrecht: Im Grunde arbeite ich hauptsächlich für Mikaela. Das ist schon sehr viel Arbeit und wird immer mehr. Khoroshilov ist eine interessante Aufgabe, aber es ist durch die ganzen Sanktionen mit Russland nicht gerade einfach im Moment.
Als Athletensprecher konntest du dir hervorragende Verbindungen zu allen Athleten, FIS-Funktionären und der Industrie aufbauen. Was waren deine Aufgaben und Ziele?
Albrecht: Als Athletensprecher musste ich als allererstes für die Aktiven eine Mitspracheregelung beim Ski-Weltverband FIS und im Weltcup erreichen. Bis dahin hatten die Athleten nicht mal die Erlaubnis, den Sitzungen beizuwohnen. Es war wichtig, ihnen Gehör zu verschaffen, auch wenn das nur ein erster Schritt war. Des Weiteren machte ich mich in der Diskussion um die Skiradien stark. Leider bewirkte das nichts, es hat sich nichts verbessert. Es gibt nach wie vor zu viele Verletzte. Der Grund liegt mehr in den Schneeverhältnissen als bei den Ski-Radien. Das hat man ja jetzt wieder in Beaver Creek gesehen, wo der Schnee im ersten Riesentorlaufdurchgang extrem aggressiv war, viele Leute damit nicht zurechtgekommen sind, und es teils wilde Abflüge gab. Wie auch immer: Die Ski-Taillierung wurde gegen den Willen der Athleten geändert. Aber mittlerweile wird mehr auf die Athleten Rücksicht genommen, sie werden öfter gefragt. Im Grunde genommen müssen die Läufer gehört werden, weil sie schließlich dem Risiko ausgesetzt sind. Es ist ja auch für die FIS eine große Bereicherung, die Anregungen von den Athleten zu bekommen.
Was steht hinter dem Gerücht, dass die Abfahrt aus dem Kalender gestrichen werden soll?
Albrecht: Das war wieder mal eine typische Zeitungsente. FIS-Präsident Gian Franco Kasper gab einer kleinen Berner Zeitung ein Interview, und sofort sind alle anderen draufgesprungen. Allen voran der ÖSV. Die Formulierung war etwas undeutlich und man strickte dann sofort eine
Sensation daraus. Ich denke, es ist absolut nichts dran. Was wäre ein Rennwinter ohne Kitzbühel und Wengen?
Wie siehst du die Zukunft von City-Rennen?
Albrecht: Ich sehe die City-Rennen in Parallelform als sehr attraktiv für die Zuschauer. Dagegen würde ich die Team-Events sofort streichen. Es sind sowieso viel zu viele Bewerbe in der laufenden Weltcupsaison. Die Kombination ist auch so ein Thema. Nehmen wir die Kombi an der WM in Vail im letzten Winter als Beispiel: Ein Sturz von Ondrej Bank entscheidet über die Startnummer von Marcel Hirscher, ob er mit Nummer eins oder 31 ins Rennen geht. Das war in jedem Fall siegentscheidend. Eine fairere Lösung für die Läufer wären da auf alle Fälle Parallelrennen. Für die Zuschauer wären diese auch wesentlich attaktiver.
Wie beurteilst du das Nachwuchsproblem im Skisport?
Albrecht: Die Konkurrenz ist heute sehr stark. Es gibt viele attraktive Sportarten, die es früher nicht gab. Dazu kommen Laptops und Handys mit unzähligen Spielen. Die Kids wollen heute gar nicht mehr auf den Sportplatz. Sie hängen lieber an der Playstation oder am Handy. Kommt hinzu, dass die Eltern einfach nicht mehr die Zeit haben, jedes Wochenende in die Berge zu fahren, zum Training oder auf die Rennen. Skifahren ist auch sehr teuer geworden. Und wenn man das Risikopotenzial im Rennsport betrachtet, gibt es sehr viele andere Sportarten, die ebenfalls attraktiv sind und wesentlich weniger kosten. Leider.
Es gibt im Skirennsport nach wie vor zu viele Verletzte.
Kilian Albrecht
