D-Day
Also eines muss man den Organisatoren in St. Moritz lassen, einen besseren Abfahrtstag bei einer WM hätte es nicht geben können. Damen und Herren an einem Tag in der Königsdisziplin, das kann nicht überboten werden. Vielleicht könnte man diese Mixed-Doppel-Abfahrt an einem Tag ab und zu mit ins Programm des Weltcups aufnehmen. Das würde sicherlich mehr Leute an den Streckenrand und vor den Fernseher ziehen. Auf alle Fälle war es ein gelungener Tag für die Österreicher, auch wenn es der ÖSV-Spitze lieber gewesen wäre, wenn die Medaillen anders verteilt worden wären. Bei den Damen gab es eine sensationelle Fahrt der jungen Stephanie Venier, mit der in der Abfahrt wirklich niemand gerechnet hatte. Geschlagen wurde sie nur von der überragenden Stuhec.
Die Super-G-ähnliche Streckenführung ist ihr da sicherlich entgegengekommen. Genau das war für Christine Scheyer vielleicht zu viel an engen Kurven. Ein wenig zu langsame Bewegungen zwischen den Toren hatten einige Rutscher zur Folge. Das bedeutete für sie zwar ein Diplom, aber leider keine Medaille, lässt aber für das kommende Jahre einiges erhoffen. In der nächsten Saison geht es ja um Olympia. So wie Christine ging es heute auch einigen arrivierten Läuferinnen. Goggia verspielte das sichere Gold ganz am Schluss und Lindsey Vonn im oberen Teil. Ein bisschen leid tun mir nur die Schweizerinnen, die mit Lara Gut vorgestern eine Goldanwärterin unglücklich verloren hatten.
Bei den Herren war mein Favorit von Anfang an Beat Feuz. Trotz des vom Nebel beeinträchtigten oberen Teils war er heute eine Klasse für sich. Aggressiv, aktiv und trotzdem geschmeidig bewältigte er die technischen Passagen und konnte höchst verdient das Rennen seiner Karriere gewinnen. Max Franz hätte ohne ein paar Rutscher und einen verhauten Zielsprung noch ein kräftiges Wörtchen um die Goldene mitreden können. Schlussendlich ist aber die Bronzemedaille für ihn ein toller Erfolg. Wesentlich mehr habe ich mir von Reichelt und Mayer erwartet. Auch wenn im Vorfeld von einer Verkühlung Reichelts die Rede war. Wer am Start steht, ist gesund, wer krank ist, liegt im Bett. Dazwischen gibt es nichts. Vincent Kriechmayr war vielleicht durch seine letzte Trainingsfahrt nervös geworden. Wobei ich Zweifel hege, dass er bei seiner Trainingsfahrt mit 1,5 Sekunden Vorsprung vor dem zweitschnellsten alle Tore korrekt genommen hatte. Auch für ihn war es ein erfolgreiches Schnuppern bei einem Großanlass. Das verspricht für das kommende Olympia-Jahr einiges.
Aber die WM ist ja noch nicht vorbei und unsere Goldchancen waren von Anfang an nie woanders als in den technischen Disziplinen.
Genau das war für Christine Scheyer vielleicht zu viel an engen Kurven.
sport@vn.at
Kommentar