Verbale Tiefschläge in der Karateszene

Ewald Roth äußert sich zu haltlosen Anschuldigungen.
Wels „Es ist Zeit, sich zu wehren!“ Für Ewald Roth, Generalsekretär im Österreichischen Karatebund (ÖKB), haben die Beschuldigungen einen Punkt erreicht, in dem der sich gezwungen sieht, in die Offensive zu gehen. Der 57-jährige Welser wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, Anfang 2014 in seiner damaligen Funktion als ÖKB-Sportdirektor mit Juan Luis Benítez Cárdenes einen noch heute im österreichischen Verband tätigen Trainer angestellt zu haben, der sich Missbrauchsvorwürfen ausgesetzt sieht. Der vor wenigen Tagen 45 Jahre alt gewordene Spanier war 2013 in einen Missbrauchsprozess (siehe unten) verwickelt, wurde aber als einziger Angeklagter in sämtlichen Punkten freigesprochen. Zudem wurden Benítez sämtliche Kosten für das Verfahren auf Antrag des Gerichts ersetzt. „Gerade im Karatesport, wo ein respektvoller Umgang zum Ehrenkodex gehört, sind diese haltlosen Bezichtigungen, wie sie in den letzten Jahren in zahlreichen anonymen Briefen an Förder- und sonstige sportliche Anlaufstellen sowie Medien getätigt wurden, kontraproduktiv und sind mit einer menschenverachtenden Hetzjagd vergleichbar“, betont Roth. „Wenn ein Strafverfahren abgeschlossen ist, und sich die erhobenen Vorwürfe als haltlos erwiesen haben, sollte man meiner Meinung nach das Urteil auch respektieren. Es kann doch nicht sein, dass man selbst fünf Jahre später die Entscheidung und das Urteil des ordentlichen Gerichts immer und immer wieder in Frage stellt und damit eine ganze Sportart in Verruf bringt.“
Persönlichkeitsrecht angegriffen
Die Anstellung von Benítez rechtfertigt Roth mit dem zusätzlich vom Höchsten Gericht in Madrid bestätigten Urteil und der fachlichen Qualifikation, verbunden mit den für die Lehrtätigkeit erforderlichen akademischen Abschlüssen des Trainers. „Man wollte allfälligen Vorwürfen bzw. mangelnder Sorgfalt bei der Auswahl von Mitarbeitern aus dem Weg gehen. Doch wie es scheint, reichen selbst solche Beweise, die ich jederzeit auf Nachfrage zur Verfügung stellen kann, nicht aus, dass Skeptiker ohne substanziielle Basis die Persönlichkeitsrechte eines unbescholtenen Menschen in Frage stellen.“
Roth betont, dass die Anstellung von Benítez sehr pflichtbewusst erfolgte. „Die Tätigkeit von Juan Luis als Vereinstrainer in Oberösterreich im Herbst 2013 wurde genau beobachtet und die Beschäftigung beim ÖKB als Trainer und Assistent des Sportdirektors wurde erst nach Vorlage des übersetzten Rechtsgutachtens eines Universitätsprofessors zum Urteil des Gerichts vollzogen. Die Bestellung wurde durch die Bekundung des ÖKB-Vorstands und sämtliche Trainerkollegen, die den unermüdlichen Einsatz und die professionelle Arbeitsweise von Juan Luis lobten, sowie einer Unterschriftenaktion der Nationalkaderathleten bekräftigt.“
Sowohl Roth als auch der aktuelle ÖKB-Präsident, Dr. Simon Klausberger, legen großen Wert darauf, dass sie einen völlig transparenten Umgang mit der Missbrauchsthematik, allerdings auf einer sachlichen Ebene, stets befürwortet haben und auch in Zukunft dieser Linie treu bleiben werden. „Der Schutz unserer Sportler, egal welchen Alters und Herkunft, hat oberste Priorität. Nicht zuletzt wegen der Brisanz der Thematik ,Grenzüberschreitung im Sport‘ sind alle Mitarbeiter und Trainer im ÖKB, die allesamt den Ehrenkodex der Bundessportorganisation (BSO) unterzeichnet haben, dazu verpflichtet, jährlich einen einwandfreien Strafregisterauszug aus Österreich und aus dem Herkunftsland vorzulegen.“
Trotz der Haltlosigkeit der Behauptungen wurde nun auch eine externe Evaluierung der Sachlage durch den Verein 100 % Sport in Auftrag gegeben. Daneben wurde vereinbart, dass ab sofort eine externe Vertrauensperson für Respekt und Sicherheit zur Verfügung stehen wird, an die sich Eltern, Sportler und Trainer unter Zusicherung der absoluten Vertraulichkeit wenden können. „Obwohl dem aktuellen Vorstand keine Missbrauchsvorfälle bekannt sind, ist klar, sollte es zu Grenzüberschreitungen kommen, wird mit äußerster Konsequenz und ohne Toleranz damit umgegangen. Alle involvierten Personen im ÖKB sind sich einig, dass Karate in Österreich durch sportliche Erfolge für Schlagzeilen sorgen soll und nicht durch etwaige menschenverachtende Aktionen“, betont Roth unmissverständlich.