Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Kampf reicht nicht immer

Sport / 21.01.2018 • 18:19 Uhr

Alle rechneten wegen des Schneefalls mit dem Schlimmsten, doch der Kitz-Gott hatte etwas Nachsicht und ließ wieder mal eine Traumabfahrt von ganz oben zu. Hannes Reichelt legte mit Nummer eins eine Glanzzeit hin die erst ein entfesselter Beat Feuz drücken konnte. An dieser bissen sich dann alle Favoriten die Zähne aus. Auch der große Aksel Lund Svindal war mit einem Bremsmanöver am Hausberg chancenlos. Dann kam die Sonne raus und veränderte alles, schlagartig. Die gute Sicht ermöglichte wieder Topzeiten und Thomas Dreßen nutzte seine Chance professionell. Obwohl erst das zweite Mal auf der Streif, meisterte er alle Schlüsselstellen fehlerfrei, und es waren wahrlich schwierige Pistenverhältnisse. So schaffte er, was 39 Jahre lang kein Deutscher schaffte. Er bezwang die schwierigste Abfahrt der Welt als Schnellster und fuhr sich für die Winterspiele in die Favoritenrolle.

Auch der Slalom bot Spannung bis zur letzten Sekunde. Ein verhaltener Marcel Hirscher musste eine Sekunde wettmachen und bewies abermals Nerven aus Stahl. Dann kam Michael Matt und war unterwegs zur Bestzeit, bis er mit einem Blackout ein leichtes Tor falsch anfuhr und ausschied. Sowas hätte ich bei einem Profi wie ihm niemals vermutet – und er selber auch nicht, wie er seinem berühmten Bruder Mario im Ziel beichtete.

Dass der Stress auch an Henrik Kristoffersen nicht spurlos vor-beiging zeigte eine Aufnahme am Start, als sich der Norweger übergeben musste. Allerdings zeigte er danach nicht die geringsten Schwächen und bezwang Hirscher eindrücklich. Schade, dass Christian Hirschbühl kurz vor dem Ziel ausschied. Er wäre bis dahin wirklich perfekt gefahren und ein Platz in den Top Ten war realistisch. Aber dazu muss er auch über die Ziellinie fahren.

„Die Sonne veränderte alles, schlagartig. Thomas Dreßen nutzte seine Chance professionell .“

Marc Girardelli

sport@vn.at

Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten Rennläufern im Skizirkus.