Das sagt Sportmediziner Marc Sohm zum Dopingskandal

Sport / 05.03.2019 • 13:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dr. Marc Sohm (l., mit Judo-Nationaltrainer Patrick Rusch)  ist Ärtzlicher Leiter am Olympiazentrum Vorarlberg und für das ÖOC u.a. bei den Europaspielen in Baku und den EYOF-Spielen im Einsatz. JD
Dr. Marc Sohm (l., mit Judo-Nationaltrainer Patrick Rusch) ist Ärtzlicher Leiter am Olympiazentrum Vorarlberg und für das ÖOC u.a. bei den Europaspielen in Baku und den EYOF-Spielen im Einsatz. JD

Sportmediziner Marc Sohm über Blutdoping und die Folgen der Dopingrazzia und Selbstgestädnisse.

Dornbirn Dr. Marco Sohm, Ärztlicher Leiter am Olympiazentrum Vorarlberg, distanziert sich klar von Blutdoping. Der Sportmediziner hofft, dass die Geschehnisse mit der Dopingrazzia und den Selbstgeständnissen der letzten Tage dazu führen, dass alle schwarzen Schafe entlarvt und mit aller Härte sanktioniert werden und der Sport wieder zu schönsten Nebensache der Welt wird.
Glauben Sie den Aussagen, dass Trainer, Betreuer oder Mediziner angeklagter Athleten nichts bemerkt haben sollen? Sohm Ohne alle Details über die angewendeten Praktiken zu kennen, wäre es doch fahrlässig, hier ein Urteil abzugeben. Fakt ist, dass es unter normalen Bedingungen schwer möglich ist z. B. Auffälligkeiten bei Blutparametern zu verheimlichen oder Einstichstellen zu vertuschen. Als praktizierender Sportmediziner macht man sich hier schon seine Gedanken. Doch wie gesagt basieren viele Thesen auf Vermutungen, und es steht mir nicht zu, hier über Personen und deren Arbeitweise zu urteilen.

Was ist neu an der aktuell praktizierten Vorgehensweise beim Blutdoping? Sohm Durch das immer engmaschigere Netz von Blutkontrollen geht der Trend dahin, die Rückführung erst wenige Stunden unmittelbar vor dem Wettkampf anzuwenden. Je kürzer der Zeitpunkt bis zum Start, desto geringer ist das Risiko, vor dem Antreten kontrolliert zu werden. Außerdem kommen dadurch auch andere medizinische Erklärungen in Erwägung, warum es nach dem Wettkampf einen erhöhten Anteil an roten Blutkörperchen in Blutproben gibt, als die physiologischen Effekte unmittelbar nach Bluttransfusionen.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Blutdoping und der Einnahme verbotener Substanzen und wie ist es nachweisbar? Sohm Es ist schwerer nachweisbar. In erster Linie lassen Auffälligkeiten bei Parametern wie Hämatokrit-, Hämoglobin- oder Erythrozyten-Wert im biologischen Pass der Athleten Rückschlüsse auf Eigenblut-Doping zu. Bis zu drei Wochen nach einer Infusion kann man in Proben Spuren von Glykol finden, das in der Medizin verwendet wird, um Blut zu konservieren. Auch eine auffällig hohe Konzentration von Weichmachern, die auf die Tiefkühlung des Blutes in Plastikbeuteln hindeutet, oder im Harn gibt es eindeutige Hinweise, die auf Blutdoping schließen lassen.

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