Klaus Schmidt warnt: „Für guten Fußball ist diese Liga nicht ausgelegt“

Sport / 26.03.2019 • 19:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Klaus Schmidt voller Emotionen an der Seitenlinie. So haben ihn auch die Altach-Fans kennengelernt.    gepa
Klaus Schmidt voller Emotionen an der Seitenlinie. So haben ihn auch die Altach-Fans kennengelernt. gepa

Mattersburg-Trainer vor emotionaler Rückkehr in die Cashpoint-Arena – Quali-Start in Altach.

Altach, Mattersburg Mit Klaus Schmidt gastiert zum Quali-Start ausgerechnet jener Trainer in Altach, mit dem der SCRA nur wenige Minuten von der Qualifikation zur EL-Gruppenphase stand. Nach einem intensiven Länderspiel-Wochenende, in dem sich der nunmehrige Mattersburg-Coach das Polen-Spiel im Stadion, die U18 im Burgenland gegen Georgien und seinen U21-Teamstürmer Marko Kvasina gegen Spanien via TV angeschaut hat, gilt die ganze Konzentration dem Nichtabstieg. Dass sein Team die Quali-Runde aus der Poleposition in Angriff nimmt, ist für ihn zweitrangig. Im VN-Interview spricht er vor seiner Rückkehr auch über persönliche Emotionen.

Als Ex-Altach-Trainer kennen Sie die Cashpoint-Arena gut, als gegnerischer Coach waren sie aber zuletzt 2013 mit Kapfenberg (0:2) in der Arena. Sprich, Sie sind ein „alter Trainerfuchs“. Wird die Rückkehr dennoch emotional?

Ich denke schon, auch wenn ich noch nicht weiß, wie es mir ergehen wird. Ich gehe davon aus, dass es für mich eine emotionale Geschichte werden wird. In die vermeintlich falsche Kabine hineinzugehen, wird sicher seltsam. Wie auch dann auf das Spielfeld zu gehen und auf der rechten Betreuerbank Platz zu nehmen und nicht auf der linken. Das ist eben das Los eines Fußballtrainers. Nach der Geschichte in Altach bin ich froh, dass ich so schnell wieder in das Trainergeschäft zurückkehren durfte. Anders gesagt: Ich bin Mattersburg-Trainer, und wir werden versuchen, so viel wie möglich aus dem Schnabelholz mitzunehmen. Das ist unser Hauptziel für das Wochenende, unabhängig von meiner persönlich emotionalen Geschichte. Weil ich ja ein paar Leute treffen werde, mit denen ich ein Jahr nicht nur hervorragend zusammengearbeitet, sondern eine super Zeit erlebt habe. Das zu bewahren ist für den Menschen Klaus Schmidt nicht unwichtig. Deshalb freue ich mich auf ein Wiedersehen, auch wenn die Freundschaft während des Spiels ruhen wird.

386 Tage waren Sie in Altach, und man darf getrost sagen, dass Sie Spuren hinterlassen haben. Sportlich vor allem in der Europa League, wo nur knapp die Gruppenphase verpasst wurde.

Das kann ich nicht beurteilen. Bei mir persönlich hat es auf alle Fälle Spuren hinterlassen, weil die Europacup-Geschichte für mich und wohl auch für den Verein etwas Besonderes war. Im Herbst waren viele gute Spiele im Schnabelholz dabei, was dann schnell vergessen wurde. Nicht bei mir, denn im Leben erinnert man sich gerne an die schönen Erlebnisse.

Mit dem Spiel am Samstag beginnt mit der Qualifikationsrunde der brutale Kampf gegen den Abstieg. Wie geht es Ihnen dabei?

Ich habe mich diesbezüglich in den letzten zwei Wochen schon einige Male in der Wortwahl vergriffen. Deshalb bin ich jetzt vorsichtiger, auch wenn ich überzeugt davon bin, dass es eine wilde Geschichte werden wird. In zehn Runden unter sechs Mannschaften, nach der Punkteteilung, einen Absteiger zu ermitteln, lässt keine ,Schleckerbisse‘ oder Schokospiele erwarten. Vielmehr wird es ein gnadenloser Fußballkampf werden. Alle werden jammern, keinen guten Fußball zu sehen. Dafür aber ist diese Liga nicht ausgelegt.

Mattersburg aber scheint gesichert?

Wir haben die beste Ausgangsposition. Wir wollen uns auch nach vorne orientieren. Gleichzeitig sind wir gewarnt, sollten die ersten beiden Spiele nicht erfolgreich verlaufen. Dann kann der Weg auch ganz schnell in die andere Richtung gehen. Auch wenn wir für unsere Verhältnisse einen überragenden Frühjahrsstart hatten, jetzt beginnt alles wieder bei Null.

Das Gefühl, vier Spiele in Folge ungeschlagen zu sein, dürfte aber für Selbstvertrauen sorgen?

Natürlich, das spürt man in der Mannschaft und auch im Verein. Es gelingt uns, kompakt zu sein und guten Fußball zu spielen. Dennoch: Wir versuchen jetzt, uns so gut es geht auf den Neustart vorzubereiten. Was bisher war, hat sechs Punkte gezählt (Anm. d. Red.: der Vorsprung von Mattersburg auf Schlusslicht Innsbruck), nicht mehr.

Wie bereiten Sie die Mannschaft auf diesen Kampf vor?

Wichtig ist, noch kompakter zu stehen und in der Defensive gut zu agieren. In der Offensive haben wir eine gewisse Qualität, immerhin haben wir bis auf ein Match in meiner Zeit in jedem Spiel zumindest ein Tor geschossen. Viel wird darauf hinauslaufen, stabil zu sein. Nur mit schön spielen wird man keine Siege einfahren können. Es geht nur darum, die Kugel am Sechzehner weiter nach rauszuschießen. Und wenn sie in den Rhein fällt, umso besser (schmunzelt).

Wie würden Sie ihre Gegner charakterisieren?

Es wird spannend, weil jede einzelne Mannschaft über gewisse Fähigkeiten verfügt. Altach etwa hat den Trainer gewechselt, sodass keiner weiß, was ihn erwartet. Auch wir können nur erahnen, wie sich die Mannschaft präsentieren wird. Innsbruck hat das System radikal umgestellt, von Abwarten auf Pressing. Die Admira ist kompakt, fängt kaum einen Gegentreffer ein und ist vorne immer für etwas gut. Hartberg hat im Herbst gezeigt, dass sie jeden Gegner schlagen können. Rapid ist als Gesamtprodukt in der Quali-Runde sicherlich die beste Mannschaft. Weil das Team ohne Europacupbelastung sicherlich das beste ist, weil es auf den größten Zuschauerzuspruch zählen kann. So gesehen hat jeder Gegner etwas Spezielles. Was uns betrifft, so sind wir gut in das Frühjahr gestartet und haben dabei auch gezeigt, dass wir auswärts gewinnen können. Für Spannung ist also gesorgt. Es wird also darauf ankommen, wie jeder diese anstehenden Spiele annimmt. Das wird für jede Mannschaft eine Mentalitätsgeschichte. Wir wissen, dass die ersten beiden Spiele wichtig sein werden, wenn wir uns nach oben orientieren wollen.

Mit Wacker Innsbruck und Altach sind zwei Ihrer Exklubs derzeit in höchster Abstiegsgefahr?

Wacker ist schon einige Zeit her, Altach ist natürlich sehr frisch bei mir. Gerade Altach zeigt, dass es nicht so einfach ist, die Erwartungen und Ansprüche der Leute, in der oberen Tabellenhälfte mitzuspielen, zu erfüllen. Jetzt muss man sich eben mit dieser Situation auseinandersetzen. Wenn ich die Mannschaft aber anschaue und ich die letzten beiden Spiele gesehen habe, dann wird schnell klar, dass Altach ein gestandenes Bundesligateam ist. Gespickt mit Spielern, die über eine unheimliche Qualität verfügen, denen es aber offensichtlich nicht gelungen ist, in die richtige Spur zu kommen. Vom Potenzial her müsste sich die Mannschaft zwischen Platz sechs bis neun bewegen.

Was erwarten Sie vom Spiel am Samstag?

Dass alle gewappnet sind für den Kampf. Wir müssen scharf sein – und das wird auch passieren. Wir haben gesehen, wie Altach in den letzten Spielen zu punkten versucht hat. Das hatte mit schönem Spiel wenig gemein. Das war kein Fußball für das Auge, sondern war schon reiner Abstiegskampf. Es war Ergebnisfußball pur oder die Suche nach dem besten System, um zu punkten. Das ist der Weg, der jetzt gefragt ist. Das hat ihnen gegen Austria drei Punkte und den LASK an den Rand eines Punkteverlusts gebracht, was schon lange keiner Mannschaft mehr gelungen ist

Haben Sie vor dem Spiel in Altach, verletzungsbedingt, Sorgenkinder in der Mannschaft?

Ja, doch einige. Deshalb lässt sich jetzt noch nicht sagen, wer letztendlich ausfallen wird. Fix nicht dabei sein werden Michael Lercher, der einen Fersenbeinbruch erlitten hat, und Florian Hart, der einen Muskelfaserriss in der Wade hat.

Auch King Rheini freut sich auf die Rückkehr von Klaus Schmidt. gepa
Auch King Rheini freut sich auf die Rückkehr von Klaus Schmidt. gepa