Handball

Sport / 18.06.2019 • 19:50 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
ÖHB-Teamchef Ales Pajovic blickt optimistisch seiner ersten EM-Endrunde als Trainer entgegen. GEPA
ÖHB-Teamchef Ales Pajovic blickt optimistisch seiner ersten EM-Endrunde als Trainer entgegen. GEPA

Teamchef Ales Pajovic zieht positive Zwischenbilanz auf dem Weg zur EM 2020.

Wien Sieben Monate vor der Handball-Europameisterschaft 2020 zieht Ales Pajovic Bilanz über seine ersten 80 Tage als ÖHB-Teamchef. Bis zur EM-Endrunde im Jänner wartet auf den dreifachen Champions-League-Sieger und Vizeeuropameister von 2004 noch viel Arbeit. Der Weg und die Motivation seiner Spieler stimmen den 40-Jährigen positiv.

80 Tage im Amt als ÖHB-Teamchef. Wie fällt dein Resümee aus?

Pajovic Wir hatten mit dem 29:28-Sieg gegen Spanien in Dornbirn einen großartigen Start. Obwohl wir erst knapp 20 Tage zusammen arbeiten konnten, bin ich mit dem bisherigen Weg zufrieden. Langsam verinnerlicht das Team das von mir geforderte Spielsystem. Die Aufgabe für jeden einzelnen Spieler ist, dass er weiß, was er in jeder Situation zu tun hat. Genau das wird von Einheit zu Einheit besser. Es herrscht eine gute Stimmung und die Spieler sind motiviert. Dies ist die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Wo werden in den kommenden Monaten bis zum Auftaktspiel bei der EURO 2020 die Hebel angesetzt?

Pajovic Da gibt es viele Ansatzpunkte. Aktuell erarbeite ich mit meinen Assistenten Erwin Gierlinger und Mattias Andersson jene Videos, die die Spieler vor der Sommerpause zugeschickt bekommen. Dabei versuchen wir, die verschiedenen Abläufe zu visualisieren und zu optimieren. Hier haben wir noch Reserven. Jeder muss wissen, wie die Abläufe in Abwehr und Angriff laufen sollen und muss sich die Mechanismen verinnerlichen.

Was waren für dich in den bisherigen vier Länderspielen die positiven Dinge?

Pajovic Generell muss man sagen, dass für einen Trainer jedes Bewerbspiel gut ist. Ein Training ist nicht mit einem Spiel zu vergleichen, da es meist mehr um Taktik geht, die Intensität nicht über 60 Minuten so hoch ist. Zudem konnten wir ausschließlich gegen Topnationen testen. Die Jungs haben gesehen, in welche Richtung sie auch im Verein arbeiten müssen, um auf allerhöchstem Level spielen zu können. Wir probieren, in den Spielen das umzusetzen, was wir im Training geübt haben. Nach den Spielen analysieren wir die Aktionen und schauen, wo wir den Hebel ansetzen müssen. Sehr zufrieden bin ich mit unserem Mittelblock, mit dem Zusammenspiel zwischen Fabian Posch und Daniel Dicker, bzw. Tobias Wagner und Lukas Herburger. In den bisherigen Spielen haben wir eine gute 6:0-Abwehr gezeigt. Da waren auch die Spieler auf den Halbpositionen aktiver als früher. Zufrieden bin ich auch, wie wir im Angriff gegen eine variable 5:1-Abwehr wie z. B. gegen Norwegen agiert haben. Wir haben das bisher nicht viel trainiert, aber sie haben das gut gelöst. Gegen eine 6:0-Abwehr im Angriff brauchen wir noch mehr Zeit, müssen ein bisschen mehr Geduld zeigen. In Summe gibt es gibt noch viel zu tun und es wird uns sicher nicht langweilig.

Waren auch negative oder weniger erfreuliche Aspekte zu sehen?

Pajovic In den vier Spielen unter meiner Leitung hat man gesehen, dass wir am Ende einer langen Saison stehen. Ich verstehe da auch, dass es schwierig ist, sich noch einmal voll zu motivieren. Ich arbeite an unserem System, an unserer Taktik. Da ist es mir wichtiger, dass die Jungs mehr im Kopf bereit sind zu lernen, als es physisch umzusetzen. Nicht gut gegen Norwegen war unser Rückzugsverhalten. Das ist eine reine Kopfsache. Durchhänger wie jenen in der zweiten Halbzeit können und dürfen wir uns bei einer Endrunde nicht erlauben. Da muss auch mehr von der Bank kommen, dann kommen wir auch wieder zurück ins Spiel. Wir müssen mehr Konstanz in unser Spiel bringen, denn mit solchen zehn Minuten gibst du ein Spiel aus der Hand und verlierst.

Am 28. Juni erfolgt in Wien die Auslosung. Hast du dir darüber schon Gedanken gemacht, welche Gegner du dir für Österreich in der Vorrunde wünschen würdest?

Pajovic Ja, wir haben bereits viel über die Auslosung gesprochen. Ich hoffe, dass wir Gegner bekommen, gegen die wir was ausrichten können. Gegen Teams wie Frankreich, Spanien oder Slowenien wird es sehr schwer. Eine EM ist schwerer zu spielen als eine WM, vor allem jetzt, wo nur noch zwei Teams aus jeder Gruppe weiterkommen. Wir warten jetzt mal die Auslosung ab, dann begeben wir uns auch auf die Suche nach Gegnern für die Vorbereitung im Oktober und Jänner. Unser Ziel ist natürlich die Hauptrunde. Wir wollen richtig guten Handball spielen, Spaß dabei haben. Das hat das Team gegen Spanien und gegen Norwegen gezeigt. Mit dem Glauben an uns können wir auch große Nationen schlagen.

Wie sieht der detaillierte Fahrplan bis zur EURO 2020 aus?

Pajovic Wir haben jetzt noch ein paar Tage gemeinsam in Slowenien. Da steht Teambuilding im Vordergrund. Dann geht es für alle in die Sommerpause. Im September steht ein kurzer Trainingslehrgang mit den Spielern aus der Spusu Liga an, Ende Oktober sind wir dann wieder komplett und bestreiten ein oder zwei Testspiele. Ende November und vor Weihnachten wird es nochmals zwei Trainingslehrgänge mit den Spielern aus der heimischen Liga geben. Ab 27. Dezember kommt der gesamte Kader für die finale Vorbereitung zusammen. Da heißt es dann, sich den den letzten Feinschliff zu holen, ehe am 10. Jänner das Unternehmen Heim-EM startet. VN-JD

14. EM 2020 in Österreich, Norwegen und Schweden

Zeitraum: 9. bis 26. Jänner

Endstände Qualifikationsgruppen

Gruppe 1

1. Deutschland* 6 6 0 0 190:119 12

2. Polen* 6 2 1 3 152:139 5

3. Israel 6 2 0 4 148:178 4

4. Kosovo 6 1 1 4 118:172 3

Gruppe 2

1. Kroatien* 6 5 1 0 174:148 11

2. Schweiz* 6 3 0 3 180:167 6

3. Serbien* 6 2 2 2 168:165 6

4. Belgien 6 0 1 5 144:186 1

Gruppe 3

1. Nordmazedonien* 6 4 1 1 168:160 9

2. Island* 6 3 2 1 185:151 8

3. Türkei 6 2 0 4 148:177 4

4. Griechenland 6 1 1 4 145:168 3

Gruppe 4

1. Slowenien* 6 5 0 1 171:143 10

2. Lettland* 6 4 0 2 150:142 8

3. Niederlande* 6 3 2 3 166:159 6

4. Estland 6 0 0 6 142:185 0

Gruppe 5

1. Weißrussland* 6 4 0 2 182:146 8

2. Tschechien* 6 4 0 2 161:150 8

3. Bosnien-Herzog.* 6 4 0 2 160:153 8

4. Finnland 6 0 0 6 131:185 0

Gruppe 6

1. Frankreich* 6 5 0 1 204:147 10

2. Portugal* 6 4 1 1 154:143 9

3. Rumänien 6 1 1 4 142:182 3

4. Litauen 6 1 0 5 129:157 2

Gruppe 7

1. Ungarn* 6 5 1 0 161:135 11

2. Russland* 6 4 1 1 158:132 9

3. Italien 6 2 0 4 146:172 4

4. Slowakei 6 0 0 6 129:155 0

Gruppe 8

1. Dänemark* 6 5 0 1 197:153 10

2. Montenegro* 6 3 1 2 157:163 7

3. Ukraine* 6 3 0 3 161:159 6

4. Färöer Inseln 6 0 1 5 31:171 1

Modus: Die Ersten und Zweiten der acht Vorrundengruppen sowie die vier besten Drittplatzierten haben sich für die Endrunde qualifiziert.

Endrunde (Spielorte und die dort

gesetzten Mannschaften)

Gruppe A (Graz)  Kroatien

Gruppe B (Wien)  Österreich

Gruppe C (Trondheim) Deutschland

Gruppe D (Trondheim) Norwegen

Gruppe E (Malmö) Dänemark

Gruppe F (Göreborg) Schweden

Die Einteilung der vier Töpfe vor der

Auslosung am 28. Juni in Wien

Topf 1: Spanien (TV)*, Schweden, Frankreich*, Dänemark, Kroatien und Tschechien*

Topf 2: Norwegen, Slowenien*, Deutschland, Nordmazedonien*, Ungarn* und Weißrussland*

Topf 3: Österreich, Island, Montenegro, Portugal, Schweiz und Lettland

Topf 4: Polen*, Russland*, Serbien*, Ukraine*, Bosnien-Herzegowina* und Niederlande*

Erklärung: *… mögliche Gegner von Österreich in der Vorrunde