Warnende Worte: „Alles tun, um geschlossene Champions League zu verhindern“

02.07.2019 • 11:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Klare Worte fand Georg Pangl in Richtung der ausufernden Geldgier im europäischen Spitzenfußball.HARTINGER

Der Burgenländer Georg Pangl sieht sich als Robin Hood des internationalen Fußballs.

ALTAch Gut 35 Jahre arbeitet er nun schon im Fußballgeschäft, erst auf nationaler und nun auf internationaler Ebene. Bei Altachs erstem Meistertitel in der 2. Liga saß er auf der Tribüne der Cashpoint Arena und gab als Bundesliga-Präsident dem damaligen SCRA-Klubchef Werner Gunz ein paar gute Ratschläge für die Zukunft im Oberhaus. Seit nunmehr über fünf Jahren ist Georg Pangl Geschäftsführer des europäischen Ligen-Verbands. Nicht erst die vorerst auf Eis gelegten Pläne der Superreichen in Europas Fußball für eine „European Super League“, einer geschlossenen Liga der größten Klubs, haben seinen Kampf verstärkt. Zusätzliche Sorge bereitet dem Burgenländer der neue Europacup-Geldverteilungsschlüssel der UEFA und damit verbunden die weiter auseinanderklaffende Schere im Fußball. So sehr, dass er sich filmträchtig in der Rolle des Robin Hood im Kampf gegen den Sheriff of Nottingham wähnt. Im Interview mit den VN spricht Pangl, der 2005 ein Gründungsmitglied („Damals bin ich als Spinner bezeichnet worden“) der European Leagues im Lancester House in London war und dessen Büro sich im schweizerischen Nyon befindet, über Gelddiktatur und mangelnde Solidarität.

Wie wichtig ist es, dass sich der Fußball gegen die Idee der Großklubs von einer geschlossenen Champions League zur Wehr setzt?

Wir wollen die schon jetzt weit auseinandergehende Schere ein bisschen einbremsen. Wir reden im Fußball ja von einem fast 30-Milliarden-Business. Und da geht es um die zwölf großen Klubs, ehemals als G14 bekannt und mittlerweile legalisiert in der European Club Association (Anm. d. Red.: ECA) mit vielen anderen Vereinen um sich. Aber es sind immer nur die größten Klubs aus den Ländern ECA-Mitglieder. Man weiß, dass der Gesamtumsatz in Europa im Marketing- und Sponsoringbereich der zwölf größten Klubs in den letzten zehn Jahren von 22 auf 39 Prozent gestiegen ist. Diese Dimension muss man sich vor Augen halten: 39 Prozent haben zwölf Klubs, den Rest teilen sich mehr als 700 Vereine. Diese Entwicklung zeigt, wohin die Reise geht.

Können Sie mit noch mehr so beeindruckenden Zahlen aufwarten?

Ja, ein Blick auf die Lohnentwicklung zeigt ebenfalls drastische Auswirkungen. In Europa gibt es 452 Klubs, darunter Altach, die Löhne von null bis zehn Millionen Euro zahlen, in der nächsten Kategorie bis 50 Mill. Euro pro Jahr an Gehältern sind es nur noch 124 Klubs. Insgesamt 47 Klubs zahlen bis zu 100 Mill. Euro. Dazu gehören Vereine wie etwa Basel. Dann gibt es noch eine Kategorie bis zu 300 Mill. Euro, da sind es noch 42 Klubs. Darunter finden wir Engländer, aber auch Ajax oder Inter. Und jetzt sind wir wieder bei den ehemaligen G14, nämlich bei den zwölf Großklubs, die über 300 Mill. Euro pro Jahr zahlen. Diese Entwicklung ist zwar nicht mehr rückgängig zu machen, aber wir wollen versuchen, sie einzubremsen. Und wir sagen, da hat die UEFA eine Mitschuld.

Was meinen Sie genau mit dem letzten Satz?

Im letzten Europacup-Zyklus, der umfasst immer drei Jahre, hat die UEFA aus dem Verkauf der TV-Rechte 2,4 Mrd. Euro eingenommen. Der neue Zyklus hat jetzt begonnen, mit der letzten Saison, und bringt eine Steigerung um 850 Mill. Euro auf 3,25 Mrd. Einnahmen. Die 32 Champions-League-Klubs haben von dieser Steigerung 81 Prozent oder 686 Mill. Euro von den Mehreinnahmen erhalten. Und für die 700 Klubs, wo Altach dabei ist, steigen die Solidaritätszahlungen um zehn Millionen Euro. Das heißt konkret: Insgesamt werden zwei Milliarden Euro für 32 Klubs pro Jahr in der Champions League ausgeschüttet. Mit dieser Ausschüttungspolitik, die die UEFA aufgrund des Drucks der Großklubs bewilligt, wird es in Zukunft noch viel mühsamer werden. Zumal gleichzeitig die Solidaritätszahlungen um 1,2 Prozent für die 700 Klubs reduziert worden sind. Um es noch weiter zu verdeutlichen: In den letzten 26 Jahren von 1992 bis 2018 hat Real Madrid knapp 780 Mill. Euro aus dem CL-Topf erhalten. Der FC Bayern mit 745 Mill. Euro knapp weniger. Fakt ist also: In diesem Zeitraum wurden 15 Mrd. Euro an die Champions-League-Klubs ausgeteilt. Davon gingen 48 Prozent oder sieben Milliarden an die Top-14-Klubs. In den nächsten sechs Jahren wird man durch die Reform zwölf Milliarden verteilen, und dabei gehen wieder sieben Milliarden oder 60 Prozent an diese Topklubs. Und jetzt kommt noch hinzu, dass Herr Agnelli (Anm. d. Red: Andrea Agnelli ist Vorsitzender von Juventus und der ECA) und seine Freunde eine geschlossene Champions League wollen. Und das würde bedeuten: Dass Adi Hütter mit Frankfurt, wenn er Zweiter wäre in der DFL, aber fünf deutsche Klubs qualifiziert sind und nicht absteigen, nicht in der Champions League spielen dürfte. Weil er sich nicht über die Deutsche Liga qualifizieren könnte. Dagegen wollen wir klar Stellung beziehen und uns positionieren. Denn das ist nur skuril. Das wollen wir über die Fans und die Medien machen.

Real Madrid bekommt neben dem Champions-League-Startgeld zusätzlich 35 Millionen an Traditionsgeld.

Georg Pangl, Generalsekretär European Leagues

Welchen Nutzen hätten die Kubs, wenn sie dem European-Leagues-Modell folgen würden? Sie sprechen ja von mehr Solidarität und einer faireren Verteilung der Gelder.

Wir wollen 20 Prozent an Solidaritätszahlungen anstelle von derzeit sieben. Für die österreichische Bundesliga und für Altach würde das konkret Folgendes bedeuten: Derzeit erhält die Liga etwas mehr als eine Million Euro. Mit dem neuen Zugang gibt es 3,3 Millionen. Nach unserem Modell würde die Liga 10,5 Millionen Euro pro Jahr erhalten. Gehen wir davon aus, dass zwei Vereine qualifiziert sind, würden die restlichen zehn Klubs jedes Jahr eine Million Euro zur Verwendung für Infrastruktur, für die Akademie oder Sicherheitsthemen erhalten. Natürlich aber nicht für Spielerkäufe.

Wie werden Sie weiter vorgehen?

Wir werden mit allen 55 Nationalverbänden in Europa sprechen und wollen sie Stück für Stück von unserer Idee überzeugen.

Georg Pangl im Interview