„Weiß jetzt, was Druck bedeutet“

04.07.2019 • 16:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
SCR Altachs neuer alter Co-Trainer Martin „Butre“ Bernhard kehrt mit viel Elan und Erfahrung vom Rekordmeister Rapid ins Ländle zurück.gepa
SCR Altachs neuer alter Co-Trainer Martin „Butre“ Bernhard kehrt mit viel Elan und Erfahrung vom Rekordmeister Rapid ins Ländle zurück.gepa

Martin Bernhard kehrt mit viel Erfahrung als Co-Trainer nach Altach zurück

Markus Krautberger

Altach 949 Tage lagen zwischen Martin Bernhards letztem Arbeitstag am 11. November 2016 und seinem Comeback im Altacher Trainerdress am 17. Juni 2019. Ereignisreiche Tage, wie der gebürtige Feldkircher bestätigt. „Mit dem Wechsel 2016 von Altach zu Rapid hat sich für mich sehr schnell sehr viel verändert. Ich bin da in eine komplett andere Welt eingetaucht. Vom ersten Arbeitstag an wurde einem vermittelt, dass man eben beim österreichischen Rekordmeister tätig ist“, erklärt der mittlerweile 47-Jährige, dem im Ländle seit seiner aktiven Laufbahn als Spieler bei SW Bregenz, FC Dornbirn FC Lustenau oder SCR Altach der Spitznamen „Butre“ (Anm. d. Red.: in Anlehnung an Emilio Butrageno) verpasste wurde.

Spießrutenlauf

Wenn Bernhard zurückhaltend von „ereignisreich“ spricht, kann man als Außenstehender getrost behaupten, die Zeit bei Rapid Wien war ein einziger Spießrutenlauf. Zuerst nach nicht einmal fünf Monaten der Rauswurf von Cheftrainer Damir Canadi, der Bernhard einst 2013 nach Altach lotste und nach Wien mitnahm. Danach leiteten der Feldkircher gemeinsam mit Goran Djuricin als Interimstrainer den Klub – und waren einem enormen medialen aber auch sportlichen Druck ausgesetzt. „Es war von Start weg turbulent, es war jeden Tag was los. Der Druck auf uns Trainer nahm jeden Tag zu. Die Entlassung von Canadi brachte zwar etwas Ruhe rein, aber bei einem Klub wie Rapid ist das nie von langer Dauer,“ beschreibt „Butre“ die Zeit Anfang 2017. Dennoch bestätigt er, dass er vor allem in den Monaten danach sehr viel gelernt hat. Sei es als Trainer als auch als Mensch. „Es blieb nicht viel Zeit nachzudenken, man musste immer agieren, immer versuchen gemeinsam mit dem Trainerteam die richtigen Entscheidungen für die Mannschaft zu treffen. Immer mit dem Wissen, dass die Medien alles mit der Lupe beobachteten. Im Nachhinein gesehen, habe ich in dieser turbulenten Zeit sehr viel gelernt.“ Als Belohnung stand Bernhard im Mai 2017 mit Rapid im österreichischen Cupfinale gegen RB Salzburg. Die Saison 2017/18 lief etwas ruhiger ab, auch weil Rapid am Ende Platz drei belegte und es in die Europa League Qualifikation schaffte. Für Bernhard war dies bereits das dritte Mal, dass er europäische Luft auf der Trainerbank schnuppern durfte. Zuvor gelang ihm das zweimal eben mit dem SCR Altach (2015, 2017).

Mit Rapid gelang sogar der Einzug in die Gruppenphase. Dort warteten so klingende Namen wie Spartak Moskau, Glasgow Rangers und Villareal. Doch Bernhard kam nur in den Genuss einer Partie gegen Spartak Moskau, denn im Oktober 2018 trennte sich Rapid von dem Duo Djuricin/Bernhard. „Bitter, weil ich mich sehr auf das Spiel bei den Rangers gefreut habe. Aber zu diesem Zeitpunkt rechnete ich schon mit einer Ablöse, da die Performance in der Liga nicht gut war.“

Zurück zu den Wurzeln

Die letzten Monate ohne Tätigkeit im Fußball taten dem 47-Jährigen richtig gut. „Ich konnte wieder einmal richtig durchschnaufen, hatte die Möglichkeit die Zeit bei Rapid zu verarbeiten. Als es zum Kontakt mit dem SCR Altach kam, spürte ich aber sofort wieder die Lust und Gier zu arbeiten,“ erklärt Bernhard. Was kann er nun seinem neuen, alten Klub mitgeben? „So schnell haut mich nichts mehr um, ich weiß, was Druck bedeutet. Und daher möchte ich den Spielern eine gewisse Lockerheit vermitteln – ohne ihnen dabei den Biss zu nehmen. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Alex Pastoor. Ich habe zwar mittlerweile auch schon einige Erfahrungen gemacht im Fußball, bin aber überzeugt, von Pastoor wieder viel Neues lernen zu können.“

Dass Bernhard in Altach von allen Mitarbeitern mit offenen Armen empfangen wurde, freut ihn. Da spürte er sofort, „dass ich mit der Rückkehr die richtige Entscheidung getroffen habe. Als ich erstmals wieder im Altach-Trainingsanzug am Platz stand war die Freude schon sehr groß“. Auch, weil „Butre“ gewisse Parallelen zu seiner Anfangszeit im Jahr 2013 erkennt: „Die aktuelle Truppe hat einen sehr ähnlichen Spirit wie das Team damals. Eine gute Mischung aus Routiniers und jungen, hungrigen Spielern. Ich habe sofort gespürt, dass die Jungs was erreichen wollen. So macht es richtig Spaß hier zu arbeiten.“

„Die aktuelle Truppe hat einen ähnlich tollen Spirit wie das Team aus dem Jahr 2013.“