Bittere Auftakt-Niederlage für Thiem bei US Open

Sport / 28.08.2019 • 05:46 Uhr / 8 Minuten Lesezeit

Riesen-Enttäuschung für Dominic Thiem, der letztlich den Wettlauf gegen die Zeit verloren hat. Ein viraler Infekt hatte dem 25-jährigen Niederösterreicher vor den Tennis-US-Open viel Kraft gekostet und die gesamte Vorbereitung verpatzt. Am Dienstag war für den Vorjahres-Viertelfinalisten schon in Runde eins Endstation, der Italiener Thomas Fabbiano siegte nach 2:23 Stunden mit 6:4,3:6,6:3,6:2.

Für Thiem, der im Vorjahr erst im Viertelfinale an Rafael Nadal gescheitert war, bedeutete dies beim sechsten Antreten in Flushing Meadows die erste Erstrunden-Niederlage. Davor hatte er zusätzlich drei Mal das Achtelfinale sowie einmal die dritte Runde erreicht. Nach seinem French-Open-Finale ist Thiem damit nun nach Wimbledon auch in Flushing Meadows schon nach dem ersten Match draußen.

Schon im dritten Game gelang dem Außenseiter, der in diesem Jahr auch in der ersten Wimbledon-Runde mit seinem Sieg über Stefanos Tsitsipas (GRE) eine Überraschung geschafft hatte, das erste Break zum 2:1. Zwei Bälle zum sofortigen Rebreak konnte Thiem danach nicht nutzen, der Niederösterreicher konnten den Rückstand nicht mehr egalisieren und nach 37 Minuten hatte er den ersten Satz verloren.

Danach erfing sich Thiem, brachte mehr Druck auf den Schläger und schaffte zum 4:2 das erste Break. Schon bei 5:2 hatte er zwei Break-und damit Satzbälle. Doch erst den dritten zum 6:3 verwertete der zweifache French-Open-Finalist.

Als der Schützling von Coach Nicolas Massu im dritten Durchgang nach einem fürchterlichen Aufschlagverlust zu Null mit 0:2 und in der Folge mit 2:5 in Rückstand geriet, sah es nach einem schnellen Ende aus. Bei 3:5 hatte Thiem noch drei Breakchancen zum Rebreak, das ihn wieder in den Satz gebracht hätte, doch nach fast zwei Stunden geriet er mit 1:2-Sätzen in Rückstand.

In Anbetracht seiner angeschlagenen Fitness war die Ausgangslage gegen einen noch dazu sehr laufstarken „Bringer“ wie Fabbiano (ATP-Nr. 87) denkbar schlecht. Denn Thiem musste nun zwei weitere Sätze gewinnen, um im Turnier zu bleiben. Ein früher Serviceverlust zum 1:2 im vierten Durchgang machte aber ohnehin alle Hoffnungen rasch zu Nichte, ein weiterer zum 1:4 alles klar.

Der 30-jährige Fabbiano war nachher happy, im großen Arthur Ashe Stadium reüssiert zu haben. „Es war ein tolles Match, eine große Show. Es ist nicht so leicht in so einem großen Stadion zu spielen.“ Der Sieg über Tsitsipas in Wimbledon habe ihm viel geholfen. „Ich habe jetzt einen Top-Ten-Spieler in Wimbledon geschlagen, den zweiten hier, ich beginne es zu mögen, solche Matches zu spielen.“ Sein nächster Gegner ist der Kasache Alexander Bublik. Thiems nächster geplanter Auftritt wäre nun der Davis Cup gegen Finnland Mitte September in Espoo.

Nicht nur Dominic Thiem, sondern auch drei weitere Top-Ten-Spieler hat es am Dienstag schon in der ersten US-Open-Runde erwischt. Der als Nummer 8 gesetzte Grieche Stefanos Tsitsipas verlor gegen Andrej Rublew (RUS) in vier, Karen Chatschanow (RUS-9) und Roberto Bautista Agut (ESP-10) erlitten jeweils Fünfsatz-Niederlagen.

Das bedeutet, das im Tableau-Viertel von Thiem nun kein einziger Top-Ten-Spieler mehr ist und auch Chatschanow kein möglicher Gegner mehr von Alexander Zverev sein kann. Der als Nummer 6 gesetzte Deutsche vergab zwar gegen den Rumänen Radu Albot eine 2:0-Satzführung, gewann aber noch in fünf Sets.

Keine Blöße gab sich hingegen wieder einmal Rafael Nadal. Nach 2:08 Stunden in der Night Session des Arthur Ashe Stadiums hatte er den Australier John Millman mit 6:3,6:2,6:2 aus dem Turnier befördert. Die Tatsache, dass in seiner Raster-Hälfte nun vier Top-Ten-Spieler aus dem Rennen sind, überraschte ihn dann doch etwas. „Chatschanow hat auch verloren? Das ist Tennis. Wen man ins Turnier startet, hat man schwere Gegner vor sich. Man muss jeden einzelnen Gegner respektieren. Tsitsipas hatte eine sehr schwere erste Runde, Karen ist eine Überraschung und Thiem war in den vergangenen Tagen sehr krank. Das tut mir sehr leid für ihn. Auch für Roberto tut es mir leid“, meinte Nadal.

Der Spanier hat übrigens beim nach ihm benannten „Rafa Nadal Open“ in seiner Academy auf Mallorca gerade den früheren Weltranglisten-Ersten Andy Murray zu Gast, der nach zwei Siegen im Achtelfinale steht. Er habe dem Schotten schon vor Tagen die Nummer seines besten Freundes getextet und ihm auch sein Boot an einem freien Tag angeboten, erzählte Nadal noch auf dem Platz. Vor vollem Stadion hatte der bescheidene Nadal am Dienstagabend nur ein Problem: Den vollen Namen seines Challengers, wo ein einstiger Superstar des Sports spielt, auszusprechen. „Rafa Nadal Open“, sagte Nadal und es war ihm sichtlich peinlich.

Keine Größe in der Niederlage hat übrigens Tsitsitpas gezeigt und den Schiedsrichter samt seiner gesamten Herkunftsnation beschimpft. Nachdem Andrej Rublew das Break zum 4:3 im Schlussatz geschafft hatte, reagierte Tsitsipas, der davor schon eine Verwarnung wegen Coachings und eine wegen Zeitüberschreitung erhalten hatte, unwirsch. Der französische Stuhlschiedsrichter Damien Dumusois hatte ihn aufgefordert, sich schneller zu bewegen (um die Zeit einzuhalten). „Du bist der Schlimmste. Aus irgendeinem Grund hast du etwas gegen mich. Wahrscheinlich, weil du Franzose bist. Und ihr seid alle Spinner, alle Spinner“, schrie der 21-Jährige. „Gib mir die Verwarnung, es ist mir egal. Gib sie mir“, sagte er mehrmals. Der Referee kam dem „Wunsch“ nach und wegen der zweiten Zeitverwarnung erhielt Tsitsipas einen Strafpunkt. Für den Weltranglisten-Achten wird dieses Gehabe wohl auch eine Nachspiel haben, auch wenn sein Spiel auf dem Platz schon wieder vorbei ist.

Bei den Damen ist Titelverteidigerin und Nummer 1 Naomi Osaka nur mit viel Mühe über die erste Hürde der mit 57,238 Mio. Dollar dotierten US Open hinweggekommen. Die im Vorfeld des letzten Tennis-Grand-Slam-Turniers des Jahres am Knie verletzte Japanerin besiegte die Russin Anna Blinkowa nach 2:28 Stunden mit 6:4,6:7(5),6:2.

„Ich glaube, ich war noch nie so nervös in meinem Leben“, gestand Osaka auf dem Platz. „Ich habe sehr langsam begonnen, habe nicht in meinen Rhythmus gefunden. Aber ich wollte definitiv nicht in der ersten Runde verlieren.“

Das Gleiche galt auch für Simona Halep. Die als Nummer 4 gesetzte Rumänin hatte überraschend viel Mühe mit dem US-amerikanischen Lucky Loser Nicole Gibbs. Sie siegte 6:3,3:6,6:2. Jeweils in zwei Sätzen kamen die Nummern 6 und 7 weiter: Petra Kvitova setzte sich im Duell zweier Tschechinnen gegen Denisa Allertova 6:2,6:4 durch, die Niederländerin Kiki Bertens (NED-7) gab gegen die Spanierin Paula Badosa (ESP) ebenfalls nur sechs Games ab.

Sehr viel Aufmerksamkeit bekam freilich die erst 15-jährige US-Amerikanerin Cori „Coco“ Gauff. Das Sensationsmädchen von Wimbledon, wo sie das Achtelfinale erreicht hatte, schaffte auch in New York schon einmal einen Rundensieg.

3:6,6:2,6:4 über Anastasia Potapowa hieß es am Ende und der neue Publikumsliebling jubelte ausgelassen. „Ich wollte so sehr gewinnen, das ist mein Heim-Slam“, freute sich Gauff, die „Coco“ genannt werden möchte. Ihre nächste Gegnerin ist die erfahrene Ungarin Timea Babos.