Altach vor Trennung von Zellhofer

Sport / 26.09.2019 • 21:34 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Dem 59-jährigen Georg Zellhofer liegt ein Angebot für eine frühzeitige Vertragsauflösung vor. Der SCR Altach hat sich entschlossen, den bis 2020 laufenden Vertrag nicht zu verlängern.epa
Dem 59-jährigen Georg Zellhofer liegt ein Angebot für eine frühzeitige Vertragsauflösung vor. Der SCR Altach hat sich entschlossen, den bis 2020 laufenden Vertrag nicht zu verlängern.epa

Der im Sommer 2020 auslaufende Vertrag von Sportdirektor Georg Zellhofer wird nicht verlängert.

Markus Krautberger

Altach Knalleffekt beim SCR Alt­ach. Vorarlbergs Bundesligist aus dem Rheindorf und der langjährige Geschäftsführer Sport Georg Zellhofer stehen kurz vor der Trennung. Den Vorarlberger Nachrichten liegen Informationen vor, dass der SCR Altach den Vertrag von Zellhofer, der noch bis zum Sommer 2020 läuft, nicht mehr verlängern möchte. Zudem arbeiten die Vereinsverantwortlichen des Tabellenneunten der österreichischen Bundesliga aktuell gerade an einem Szenario, in dem Zellhofer bereits in den nächsten Tagen den Posten als Geschäftsführer Sport zur Verfügung stellen soll. Dem 59-jährigen Niederösterreicher sollen die Absichten über die Nichtverlängerung seines Kontraktes bereits vor einigen Wochen – nach Ende der Transferzeit – mitgeteilt worden sein. Der Hintergrund für eine Trennung zum jetzigen Zeitpunkt liegt von Vereinsseite auf der Hand: Im Winter steht eine neue Transferperiode an, diese soll bereits ein neuer Geschäftsführer gestalten können. Dazu würde es einen harmonischen Übergang bedeuten, in dem man einem neuen starken Mann die Zeit geben kann, sich mit dem Klub, dessen Kultur und Philosophie auseinanderzusetzen und sich einzuleben. Wer genau der Nachfolger von Zellhofer sein soll, ist ein in Altach gut gehütetes Geheimnis.

Neue Wege

Der SCRA geht unter der Führung von Präsident Peter Pfanner und Vizepräsident Werner Gunz den Weg der Innovationen und Neuerungen. Man will dem Klub in Blickrichtung Zukunft eine neue Ausrichtung geben, dazu gehört wohl auch die Neubesetzung des Postens Geschäftsführer Sport.

Liga-Dino

Seit sechs Jahren, acht Monaten, drei Wochen und fünf Tagen ist der gebürtige Niederösterreicher bei den Rheindörflern im Amt. In Fußball-Zeiten wie diesen eine gefühlte Ewigkeit. Und dass Zellhofer den Fußball bei den Altachern geprägt hat, steht ganz klar außer Frage. Am 1. 1. 2013 trat der zweifache Familienvater, der bereits 2009 als Cheftrainer den SCRA 14 Spiele lang betreute, seinen Dienst als Sportdirektor an. Und hatte als „Neujahrs­geschenk“ Damir Canadi mit im Gepäck. Das Duo Zellhofer/Canadi

sollte dem Verein zu nicht geahnten Höhenflügen verhelfen. Sein Netzwerk im In- und Ausland am Spielermarkt und Canadis Ehrgeiz führten 2014 zur Rückkehr der Altacher in die Bundesliga. Und dort sorgte man auf Anhieb für Furore, der dritte Platz in der Endtabelle bedeutete die Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation 2015. Gleiches gelang in der Saison 2016/17, als man sich als Viertplatzierter erneut für die Vorausscheidung zur Europa League qualifizierte. Zum Ausklang 2016 kürte man sich sogar zum Winterkönig der österreichischen Bundesliga – vor RB Salzburg. Ein Meilenstein im Vorarlberger Fußball.

Zudem lotste der ehemalige 200-fache Bundesligaspieler Kicker wie Dimitri Oberlin, Nikola Dovedan oder Moumi Ngamaleu nach Altach, die die Cashpoint-Arena oftmals mit Traumtoren zum Jubeln brachten. Auch an den Transferverkäufen war Zellhofer maßgeblich beteiligt, was die Vereinskassa klingeln ließ. Mit ein Grund, warum aus dem ehemaligen Schnabelholz mittlerweile ein kleines, aber feines Fußballstadion wurde. Dazu brachte sich der Sportdirektor mit Rat und Tat beim Bau des neuen Trainingscampus mit ein, der dem Klub trainingstechnisch zum nächsten großen Schritt verhelfen wird.

Rückschläge am Trainersektor

Dass es aber auch Rückschläge in Zellhofers Zeit in Altach gab, ist diskussionslos. Nach Canadis Abgang bewies der Geschäftsführer Sport vor allem mit den Verpflichtungen von Martin Scherb, Klaus Schmidt und Werner Grabherr nicht immer ein goldenes Händchen. Keiner schaffte es, die Mannschaft in ruhige Fahrwasser zu bringen. Erst unter dem Niederländer Alex Pastoor konnte man sich zuletzt wieder etwas stabilisieren.

Sollte es in den nächsten Tagen zu einer Einigung zwischen Zellhofer und dem Klub kommen, geht eine große Ära zu Ende. Der 59-Jährige hinterlässt nicht nur geordnete Strukturen, sondern auch ein schönes Stück Vorarlberger Fußballgeschichte. Die Fußstapfen für den Nachfolger werden auf jeden Fall groß sein.

Zusammen mit Trainer Damir Canadi feierte Sportdirektor Georg Zellhofer die größten Erfolge beim SCR Altach.gepa
Zusammen mit Trainer Damir Canadi feierte Sportdirektor Georg Zellhofer die größten Erfolge beim SCR Altach.gepa

Zur Person

Georg Zellhofer

Der 59-jährige gebürtige Niederösterreicher trat seinen Dienst beim SCR Altach am 1.Jänner 2013 an. Nach knapp sieben Jahren als Sportdirektor soll nun Schluss sein.

Geboren 25. August 1960

Geburtsort Waidhofen/Ybbs

Laufbahn 197 Bundesligaspiele als Aktiver bei VOEST Linz, Vorwärts Steyr, Sturm Graz, LASK, Stahl Linz.

– Cheftrainer bei FC Linz, FC Pasching, Rapid Wien, Austria Wien, SCR Altach, SV Ried, Bahrain U23, LASK.

– Sportdirektor bei SCR Altach

Familie verheiratet, zwei Kinder

Erfolge mit Altach

– Aufstieg in die Bundesliga 2014

– 3. Platz Bundesliga 2014/15

– 4. Platz Bundesliga 2016/17

– Winterkönig 2016

– zwei Teilnahmen an der Europa- League-Qualifikation 2015, 2017

– Ausbau der Cashpoint-Arena

– Bau des Trainingscampus