Altach vor Trennung von Zellhofer

Sport / 27.09.2019 • 08:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Zeichen bei Georg Zellhofer stehen auf Abschied vom SCR Altach. GEPA

Der im Sommer 2020 auslaufende Vertrag von Sportdirektor Georg Zellhofer wird nicht verlängert.

Markus Krautberger

Altach Knalleffekt beim SCR Alt­ach. Vorarlbergs Bundesligist aus dem Rheindorf und der langjährige Geschäftsführer Sport Georg Zellhofer stehen kurz vor der Trennung. Den Vorarlberger Nachrichten liegen Informationen vor, dass der SCR Altach den Vertrag von Zellhofer, der noch bis zum Sommer 2020 läuft, nicht mehr verlängern möchte. Zudem arbeiten die Vereinsverantwortlichen des Tabellenneunten der österreichischen Bundesliga aktuell gerade an einem Szenario, in dem Zellhofer bereits in den nächsten Tagen den Posten als Geschäftsführer Sport zur Verfügung stellen soll. Dem 59-jährigen Niederösterreicher sollen die Absichten über die Nichtverlängerung seines Kontraktes bereits vor einigen Wochen – nach Ende der Transferzeit – mitgeteilt worden sein. Der Hintergrund für eine Trennung zum jetzigen Zeitpunkt liegt von Vereinsseite auf der Hand: Im Winter steht eine neue Transferperiode an, diese soll bereits ein neuer Geschäftsführer gestalten können. Dazu würde es einen harmonischen Übergang bedeuten, in dem man einem neuen starken Mann die Zeit geben kann, sich mit dem Klub, dessen Kultur und Philosophie auseinanderzusetzen und sich einzuleben. Wer genau der Nachfolger von Zellhofer sein soll, ist ein in Altach gut gehütetes Geheimnis.

Neue Wege

Der SCRA geht unter der Führung von Präsident Peter Pfanner und Vizepräsident Werner Gunz den Weg der Innovationen und Neuerungen. Man will dem Klub in Blickrichtung Zukunft eine neue Ausrichtung geben, dazu gehört wohl auch die Neubesetzung des Postens Geschäftsführer Sport.

Gemeinsam mit Trainer Damir Canadi feierte Georg Zellhofer die größten Erfolge beim SCRA.GEPA
Gemeinsam mit Trainer Damir Canadi feierte Georg Zellhofer die größten Erfolge beim SCRA.GEPA

Liga-Dino

Seit sechs Jahren, acht Monaten, drei Wochen und fünf Tagen ist der gebürtige Niederösterreicher bei den Rheindörflern im Amt. In Fußball-Zeiten wie diesen eine gefühlte Ewigkeit. Und dass Zellhofer den Fußball bei den Altachern geprägt hat, steht ganz klar außer Frage. Am 1. 1. 2013 trat der zweifache Familienvater, der bereits 2009 als Cheftrainer den SCRA 14 Spiele lang betreute, seinen Dienst als Sportdirektor an. Und hatte als „Neujahrs­geschenk“ Damir Canadi mit im Gepäck. Das Duo Zellhofer/Canadi sollte dem Verein zu nicht geahnten Höhenflügen verhelfen. Sein Netzwerk im In- und Ausland am Spielermarkt und Canadis Ehrgeiz führten 2014 zur Rückkehr der Altacher in die Bundesliga. Und dort sorgte man auf Anhieb für Furore, der dritte Platz in der Endtabelle bedeutete die Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation 2015. Gleiches gelang in der Saison 2016/17, als man sich als Viertplatzierter erneut für die Vorausscheidung zur Europa League qualifizierte. Zum Ausklang 2016 kürte man sich sogar zum Winterkönig der österreichischen Bundesliga – vor RB Salzburg. Ein Meilenstein im Vorarlberger Fußball.

Georg Zellhofer mit Moumi Ngamaleu, dem lukrativsten Transfer der Altacher Vereinsgeschichte.GEpa
Georg Zellhofer mit Moumi Ngamaleu, dem lukrativsten Transfer der Altacher Vereinsgeschichte.GEpa

Zudem lotste der ehemalige 200-fache Bundesligaspieler Kicker wie Dimitri Oberlin, Nikola Dovedan oder Moumi Ngamaleu nach Altach, die die Cashpoint-Arena oftmals mit Traumtoren zum Jubeln brachten. Auch an den Transferverkäufen war Zellhofer maßgeblich beteiligt, was die Vereinskassa klingeln ließ. Mit ein Grund, warum aus dem ehemaligen Schnabelholz mittlerweile ein kleines, aber feines Fußballstadion wurde. Dazu brachte sich der Sportdirektor mit Rat und Tat beim Bau des neuen Trainingscampus mit ein, der dem Klub trainingstechnisch zum nächsten großen Schritt verhelfen wird.

Rückschläge am Trainersektor

Dass es aber auch Rückschläge in Zellhofers Zeit in Altach gab, ist diskussionslos. Nach Canadis Abgang bewies der Geschäftsführer Sport vor allem mit den Verpflichtungen von Martin Scherb, Klaus Schmidt und Werner Grabherr nicht immer ein goldenes Händchen. Keiner schaffte es, die Mannschaft in ruhige Fahrwasser zu bringen. Erst unter dem Niederländer Alex Pastoor konnte man sich zuletzt wieder etwas stabilisieren.
Sollte es in den nächsten Tagen zu einer Einigung zwischen Zellhofer und dem Klub kommen, geht eine große Ära zu Ende. Der 59-Jährige hinterlässt nicht nur geordnete Strukturen, sondern auch ein schönes Stück Vorarlberger Fußballgeschichte. Die Fußstapfen für den Nachfolger werden auf jeden Fall groß sein.