Ab März 2021 gibt es keine Ausreden mehr

Sport / 17.10.2019 • 20:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Österreichische Bundesliga installiert den Videoassistenten.

Wien Nachdem sich die Coaches der Erstligisten zuletzt vermehrt für den VAR ausgesprochen haben, verkündeten die Liga und der ÖFB, ab dem finalen Durchgang der kommenden Saison auf das technische Hilfsmittel für Österreichs Unparteiische zu setzen. ÖFB-Präsident Leo Windtner sprach von einem „gewaltigen Aufwand“. Eine Million Euro kostet das Projekt in der Einführungsphase, diese Kosten wird der Fußball-Bund übernehmen. 1,5 Mio. Euro müssen dann im laufenden Betrieb pro Saison veranschlagt werden. Diese Kosten wird die Bundesliga übernehmen. Ursprünglich hatten Liga und ÖFB die Einführung des VAR für 2022/23 anvisiert. Nach Gesprächen mit den Schiedsrichtern sowie den Erfahrungen aus anderen Ländern wird das Projekt aber vorangetrieben. „Wir haben festgestellt, dass sich viele Nationen unserer Größenordnung aktiv involviert haben. Für uns ist es wichtig, dass wir nicht Vorreiter, aber auch nicht Nachzügler sind“, so Windtner.

Vorreiter Deutschland und Italien

2017/18 waren Deutschland und Italien die ersten der Topligen, die auf den VAR setzten. Inzwischen haben Spanien, Frankreich und England nachgezogen. Auch in der Schweiz kommt das System seit Sommer 2019 zum Einsatz. „Es ist viel Geld, aber eine nützliche Investition für den österreichischen Fußball“, sagte Windtner. „Es sorgt auch dafür, dass unsere Schiedsrichter durch den regelmäßigen Einsatz des VAR auch für den Einsatz bei Endrunden und internationalen Bewerben optimal vorbereitet sind.“ Er sei in diesem Frühjahr von den Schiedsrichtern gebeten worden, das Thema voranzutreiben. Ein Grundsatzbeschluss wurde dann im ÖFB-Präsidium gefasst.

Schiedsrichter Julian Weinberger sprach wohl stellvertretend für seine Kollegen von einem „tollen Tag. Das ist eine neue Ära in der Bundesliga“. Die Unparteiischen waren in den vergangenen Monaten nach diversen umstrittenen Entscheidungen vermehrt in die Kritik gekommen. Die Trainer plädierten dezitiert dafür, den VAR ehestbald einzusetzen. „Wir müssen auch für unsere Schiedsrichter eine klare Entscheidung treffen“, meinte beispielsweise Austria-Coach Ilzer.

Gerechter Fußball

Für Bundesliga-Vorstand Ebenbauer macht der Video-Assistent den Fußball gerechter. Er gehe davon aus, dass der VAR pro Spiel fünfmal für Checks genutzt werde. Der Video-Schiedsrichter soll nur bei offensichtlichen Fehlentscheidungen in Bezug auf Tore, Rote Karten, Elfmeterentscheidungen und Spielerverwechslungen eingreifen.

Mehraufwand für Schiedsrichter

Pro Spiel bedeutet es einen Mehraufwand im Personal: Zum Video-Schiedsrichter kommen noch dessen Assistent sowie zwei technische Operatoren. Den Pool der Kandidaten sollen vorrangig aktive, aber auch Schiedsrichter nach Ende ihrer aktiven Karriere bilden. Die Schiedsrichter werden ab kommendem Frühjahr auf das neue System vorbereitet. Zunächst werden sie in einem theoretischen Training auf die grundsätzliche Vorgangsweise eingeschult und anschließend in „Offline-Trainings“ mit den technischen Gegebenheiten vertraut gemacht. Danach kommen simulierte Szenen und kurze Spielsituationen auf dem Feld hinzu. Abgerundet wird die Ausbildung ab September 2020 mit dem VAR-Einsatz in Testspielen im Nachwuchs- und Damenbereich. „Das sind realistische Ziele, die wir veranschlagt haben“, sagte der für den Spielbetrieb der Liga zuständige David Reisenauer. Noch offen sei, ob die Videoschiedsrichter in einer eigens dafür eingerichteten Zentrale oder in Übertragungswägen direkt vor dem Stadion arbeiten werden. Die Liga will vorerst Erfahrungsberichte sammeln. Nicht geplant ist die Einführung der Torlinientechnologie. „Das ist eine finanzielle Hürde, die wir uns derzeit nicht leisten können“, meinte Ebenbauer.

„Für uns ist es wichtig, dass wir nicht Vorreiter, aber auch nicht Nachzügler sind.“

Vorarlbergs Referee Felix Ouschan kann in Zukunft auf die Hilfe des VAR setzen.gepa
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