Altach-Coach Alex Pastoor über „offene Rechnungen“

Sport / 11.02.2020 • 22:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
SCRA-Coach Alex Pastoor findet immer die richtigen Worte. <span class="copyright">gepa</span>
SCRA-Coach Alex Pastoor findet immer die richtigen Worte. gepa

Nach den drei Siegen zum Herbstabschluss ist der Hunger auf mehr beim Holländer und seiner Mannschaft groß.

Altach Pünktlich zum Rückrundenstart sind sie wieder da. Die Rede ist von den Langzeitverletzten Marco Meilinger (28) und Manfred Fischer (24). Das Duo ist am Montag ins Mannschaftstraining eingestiegen. Warum sie aber für den Auftakt gegen die Austria noch kein Thema sind und was Cheftrainer Alex Pastoor beschäftigt, erzählt er im Gespräch mit den VN.

Wie sehr freut Sie die Rückkehr von Fischer?

Es ist für den Trainer immer gut, mehrere Möglichkeiten zu haben. Vor allem aber hilft es, das Niveau im Training noch weiter zu heben. Das ist für die Entwicklung einer Mannschaft sehr gut. Andererseits haben die Verletzungen auch dazu geführt, dass sich einige Spieler extrem schnell entwickelt haben.

Wer sind diese Spieler?

Schmiedl und Tartarotti haben sich wahnsinnig entwickelt, aber auch Lars Nussbaumer oder Manuel Thurnwald haben viel gespielt. Hinzu kommt Daniel Nussbaumer. Alles Spieler, die ansonsten länger gebraucht hätten.

Wie beurteilen Sie die Neuen?

Wir sind sehr froh, sie dabei zu haben. Dabanli und Wiss haben enorme Erfahrung. Beide passen ideal zur Mannschaft. Sie unterstützen unsere erfahrenen Spieler in der Führung der Mannschaft, das ist wichtig. Es sind gute Typen, auch Villalba. Sie haben schnell verstanden, wie sie trainieren und spielen wollen.

Es hört sich an, als wären Sie mit der Vorbereitung zufrieden?


Was ich sagen kann, ist, dass wir mit sehr viel Vorfreude auf den Start gearbeitet haben. Wir haben noch vier Rechnungen offen, und das sind genau die vier Spiele bis zur Punkteteilung. Alle Spiele bieten uns einen anderen Grund, aber das Ziel ist dasselbe: Wir wollen gewinnen.

Das gelang zuletzt im Herbst sehr gut. Darf man etwas mitnehmen von den drei Siegen am Ende?

Man kann und muss etwas mitnehmen. Wir haben vor allem eines gesehen: Egal wer spielt, wenn wir Disziplin und Einsatz zeigen, dann ist unsere Mannschaft mehr als nur die Summe von elf Individualisten.

Wie meinen Sie das?

Nehmen wir die Spiele gegen WAC und Sturm her. Ich finde, wir hatten vielleicht nur wenige geniale Momente, aber wir haben fast nichts zugelassen. Wir hatten mit und ohne Ball die völlige Kontrolle über das Spiel. Und das gegen Gegner, mit denen wir uns gerne messen wollen. Das müssen sich die Spieler täglich im Training vor Augen halten.

Sie sind jetzt 331 Tage im Amt. Was war die große Herausforderung?

Als ich kam, hatten wir zehn Tage Vorbereitungszeit. Ich musste mich entscheiden, ob wir mit Vierer- oder, wie bislang immer, mit Fünferkette spielen. Meine Entscheidung fiel auf die Viererabwehr. Wie gut sich die Mannschaft im Frühling in den zehn Spielen entwickelt hat, war so nicht zu erwarten. Auch die Vorbereitung lief super, die Spieler haben im Sommer gut gearbeitet und es war schnell klar, wie wir spielen wollen. Dann sind erst die Verletzungen und später die blöden Fehler in der Abwehr gekommen. Das hat mich als Trainer geärgert, weil wir ansonsten gar nicht so schlecht gespielt haben. Aber da bist du machtlos.

Dennoch gelang es Ihnen, die Mannschaft durch Ihre Handschrift zu prägen?

Weil sie reifer geworden ist, weil sie an Effektivität gewonnen, weil sie hinten weniger zugelassen hat. Ein Hausbau beginnt mit dem Fundament, eine Mannschaft braucht eine Achse und wird nicht auf der Seite gebaut. Auch wenn es fein ist, einen Außenspieler wie Sidney Sam zu haben.

Welche Erwartungen haben Sie an das Frühjahr, an Ihre Spieler?

Es ist die Zusammenfassung all dessen, was ich schon gesagt habe. Sie wissen, was sie erreichen können. Sie wissen aber auch, was uns wehtun kann. Die Zielsetzung ist klar: Mehr als die Hälfte der Saison ist gespielt, da kann man schon erwarten, dass wir jedes Spiel so angehen, es auch gewinnen zu wollen.

Sie sprechen von offenen Rechnungen. Meinen Sie damit die Spiele bis zur Punkteteilung gegen die Austria, Mattersburg, Salzburg und die Admira?

Ja, gegen die Austria waren wir nicht gut, der Gegner auch nicht. Das Spiel war einfach nur schlecht. Ich habe danach eine neue Brille gebraucht (lacht). Mattersburg und die Admira waren auch nicht gut, haben aber bei uns gewonnen. Brennheiß war ich aber, weil sie danach in der Kabine den Sieg besungen haben. Das hat mich sehr gestört. Und dann ist da noch das 0:6 gegen Salzburg. Natürlich, es ist die beste Mannschaft der Liga. Sie haben auch auf der Ersatzbank Super-Qualität. Für uns ist das einfach eine tolle Herausforderung.

Zum Abschluß noch einmal ein Wort zu den Neuen. Hat sich mit ihnen das Spielsystem verändert?

Nein, aber wir haben mehr Erfahrung im Team. Und wir können nun Zwischenbrugger auch ins Mittelfeld ziehen.