Vor Cup-Halbfinale: Wacker mit neuem Investor, Lustenaus Aktie heißt Ronivaldo

Spannungsgeladenes Westduell am Mittwoch (18 Uhr) in Lustenau um den Einzug ins Cupfinale.
Lustenau Für einmal ist alles ausgeblendet. Lizenzabgabe, Investorgepräche, Vertragsverhandlungen – für zumindest 90 heiße Cupminuten regiert am Mittwoch nur der Sport. Um 18 Uhr wird das Westduell zwischen der Austria und Wacker Innsbruck im Planet Pure Stadion angepfiffen. Zum 42. Mal stehen sich beide Mannschaften in einem Pflichtspiel gegenüber und kaum einmal war die Ausgangslage ausgeglichener. In der Tabelle ist man Nachbar und auch sonst verbindet die beiden Traditionsklubs mehr als nur das Grün in den Klubfarben. So hat nun auch Wacker einen Investor, der sich nicht als reiner Geldgeber sieht. Dabei handelt es sich um eine Kaufmannsfamilie aus Hamburg, die weltweit 270 Investitionen betreibt. Laut dem Vertrauensmann der neuen Investoren, Jens Duve, sehe man sich als Förderer. Die große Finanzspritze wird es also nicht geben, denn hat man klare sportliche Vorstellungen. „Wir wollen in die Bundesliga aufsteigen. Der Wunsch wäre schon in der kommenden Saison, Pflicht aber ist es keine“, sagte Duve, der dem neuen Aufsichtsrat vorsitzen wird. Ein weiteres Ziel ist das Projekt Trainingszentrum, dessen Planung in Mieming weiterverfolgt werden soll. Der 57-jährige Duve spielte einst in den 1980er-Jahren unter Ernst Happel beim Hamburger SV und war später (2010 bis 2014) auch Vizepräsident beim FC St. Pauli Hamburg.
„Thiago kümmert sich um die Vertragsgespräche, ich konzentriere mich auf das Match.“
Ronivaldo, Stürmerstar SC Austria Lustenau
Zukunftsperspektive
Bei den Heimischen hat sich die Zusammenarbeit mit Ahmet Schaefer seit dessen Einstieg im Juni des Vorjahres schon einige Male verändert. Nichts geändert hat sich – ganz bewusst – an der Ausrichtung der Spielweise bei den Grün-Weißen. „Wir haben unser System gefunden. Die Spielanlage funktioniert, da fühlen wir uns wohl und wollen uns nicht zu sehr am Gegner orientieren“, sagt Austria-Trainer Roman Mählich. Natürlich wisse man um Stärke der Tiroler bei Standards. Das haben sie ja auch zuletzt in Dornbirn deutlich bewiesen. Besonders Innenverteidiger Stefan Meusburger (26) darf da nicht vergessen werden. All das passierte vor den Augen der Austria-Mannschaft. „Es gibt keine Geheimnisse. Wir haben den Gegner schon mittels Video analysiert“, beschwichtigt Mählich mit einem Lächeln. Somit ist klar, dass er keine großen personellen Veränderungen gegenüber dem Ried-Spiel andenkt. Ins Tor kehrt Domenik Schierl zurück, auch Linksverteidiger Christian Schilling ist laut seinem Trainer wieder fit. Damit fehlen nur die Langzeitverletzen Tobias Berger, Patrik Eler und Lukas Katnik.
Für den Traum Pokalfinale braucht es vor allem eines: Tore. Für diese soll einmal mehr die grün-weiße Tormaschine Ronivaldo sorgen. Fast schon entschuldigend wirkt er, wenn er von seiner vergebenen Chance in Ried spricht. Zumal er schon zuvor in seinem Comebackspiel im Derby gegen Dornbirn in nicht einmal 18 Spielminuten sein obligatorisches Tor für die Austria erzielte. Es war sein 62. (!) im 75 Pflichtspiel für Lustenau. Eine fast magische Trefferquote des Brasilianers, der am 24. März seinen 31. Geburtstag feiert. Was seine Zukunft betrifft, so wollte sich der Brasilianer vor dem Cupspiel nicht zum Thema auslaufender Vertrag äußern. Allein aus seine Wortwahl war zu entnehmen, dass ein Sieg über Wacker seine Überlegungen entscheidend, positiv wie negativ, mit beeinflussen könnte.
Die letzten fünf Duelle verloren
Ein Blick auf die letzten Spiele der beiden Mannschaften lässt nicht nur auf Tore hoffen, sondern zeigt auch die lange Wartezeit der Grün-Weißen auf einen Erfolg im Westderby. Die letzten fünf Duelle wurden allesamt verloren, gleich deren drei im heimischen Planet Pure Stadion. Noch etwas fällt auf: Mit Pius Grabher (26) ist nur noch ein Lustenauer heute dabei, der beim letzten vollen Erfolg (2:1, 5. Mai 2017) mit dabei war. Auch bei den Gästen hat mit Raphael Gallé (20) nur ein Kadermitglied von damals die Zeit „überlebt“. Interessant: Der Tiroler Torschütze war Patrik Eler. Der 28-Jährige stürmt nunmehr ja für die Austria. Allerdings verletzte er sich früh in der Saison und fehlt seit Anfang September 2019.
1100 Fans aus Innsbruck
„Alle Karten weg“, hieß es gestern aus Innsbruck. 1100 hatten die Tiroler geordert. Damit darf Wacker mit einer stimmkräftigen Unterstützung von den Rängen rechnen. Dagegenhalten lautet die Devise im Lager der Heimischen. Sogar Trainer Mählich hatte im Vorfeld zum stimmlichen Duell auf den Fantribünen aufgerufen.
Was die Austria-Lizenz für die kommende Saison betrifft, so steht der Finanzrahmen mit rund 2,9 Mill. Euro. Ob die Planungsphase des Stadionneubaus dem Bundesliga-Aufsichtsrat reicht, wird sich weisen. Ansonsten müssten Auflagen – Tribüne für Auswärtsfans und Lichtstärke – kurzfristig nachgebessert werden.