Start in einen weißen Winter
Schon seit Jahren gab es keinen Ski-Saisonstart mehr mit so viel frischem Schnee auf den Bergen. Die Stimmung sollte eigentlich fantastisch sein, wenn da nicht . . . , aber lassen wir das. Ich brenne schon auf das Weltcup-Opening am Wochenende in Sölden und natürlich auch auf ein paar eigene Carvingschwünge im Pulverschnee.
Für den Österreichischen Skiverband war die Vorbereitung heuer perfekt und der Kader scheint nach der Verletzungsorgie vom letzten Winter wieder komplett. Leider fehlen trotzdem grosse Namen wie Mikaela Shiffrin. Wie mir ihr Manager Kilian Albrecht berichtete, leidet sie an chronischen Rückenbeschwerden. Deshalb lässt sie Sölden aus und hofft im November wieder fit zu sein. Ansonsten sind die Karten neu gemischt und es gibt viele Anwärterinnen, die um den Sieg mitfahren. Die starken Italienerinnen um die Weltcupsiegerin „Fede“ Brignone sind darunter sicherlich die Top-Favoritinnen. Aber auch Petra Vlhova befindet sich in Topform und hat sich heuer den Gesamtweltcup als Ziel gesetzt. Unsere Kathi Liensberger ist bestens vorbereitet und möchte ihren Aufwärtstrend vom letzten Jahr weiterführen. So positiv motiviert wie ich sie vor drei Wochen erleben durfte, wird das auch der Fall sein.
Bei den Herren im Jahr zwei nach Marcel Hirscher konnte sich immer noch kein überragender Athlet herauskristallisieren. Die Spitze ist so eng, wie nie zuvor. Kein Mensch rechnete letztes Jahr mit einem Aleksander Aamodt Kilde als Weltcupsieger. Henrik Kristoffersen und Alexis Pinturault hatten sich im Kampf um die grosse Kugel selbst aufgerieben und den programmierten Weltcupsieg leichtfertig verspielt.
Das verspricht für das anstehende Wochenende eine regelrechte Schlacht um die Vorherrschaft im Weltcup. Auch ein Thommy Ford oder ein Marco Odermatt mischen hier kräftig mit. Und vielleicht findet sogar ein bereits grau melierter Ted Ligety wieder zurück zu alter Stärke. Wobei ich Filip Zubcic und Kranjec Jan mehr Potenzial zuschreibe.
Und die Österreicher? Nach dem historisch schlechtesten Jahr im Riesenslalom lächelt bei der Nummernvergabe der ersten Gruppe am Samstagabend kein einziger Österreicher in die Kamera. Eigentlich eine Katastrophe. Aber man muss es positiv sehen, die Luft nach oben ist demnach sehr gross. Wir werden sehen, ob Marco Schwarz nach seiner Verletzung wieder Anschluss an seine großartige Form findet. Seine Zeitläufe am Gletscher in den letzten Tagen scheinen die Hoffnung darauf zu nähren.
Für den Skiverband war die Vorbereitung auf diese Saison perfekt, der Kader scheint komplett.“
Marc Girardelli
sport@vn.at
Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.
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