Von der einen Bubble in die andere

Die ÖEHV-Talente um Marco Rossi fliegen von der Bubble in St. Pölten in die Bubble Edmonton zur ungewöhnlichsten WM der Geschichte.
St. Pölten Unter schwierigen Voraussetzungen und als krasser Außenseiter, aber mit großen Ambitionen hebt Österreichs U20-Eishockey-Nationnalmannschaft am Sonntag nach Edmonton ab.
A-Teamchef Bader, der in der Schweiz und Österreich als Nachwuchs-Teamchef viel Erfahrung hat, übernahm die Mannschaft, weil Aufstiegs-Trainer Marco Pewal vom VSV keine Freigabe erhalten hat. Bader hat sein Team am 6. Dezember in St. Pölten versammelt und unter Corona-Schutzmaßnahmen vorbereitet. “Alles auf dem Eis war sehr gut, ich bin angenehm überrascht vom Niveau. Das Ziel war, sich ans hohe Tempo und die hohe Intensität zu gewöhnen, was dort Fakt sein wird. Wir werden Zeitdruck und Raumdruck ausgesetzt sein”, erklärte Bader.
“Wir dürfen keine Angst zeigen. Wir wollen uns von Spiel zu Spiel verbessern, daraus lernen, und wenn uns das gelingt, gelingt uns vielleicht gegen Tschechien sogar ein Überraschungssieg”
Marco Rossi, OEHV-Teamspieler
Genauso wichtig war, das Team möglichst frei von Corona-Auswirkungen zu halten. Die Vorbereitung lief unter strengen Auflagen. Vom Weltverband vorgegeben musste jede Mannschaft vor der Anreise eine Woche in Quarantäne. Am Donnerstag vor Campbeginn wurde bei jedem Spieler ein PCR-Test gemacht, während des Trainingslagers gab es täglich Antigen-Tests. Zudem musste jedes Teammitglied in den vergangenen Tagen drei negative PCR-Tests abliefern, um in den Charterflug nach Kanada einsteigen zu dürfen.
Corona bremste auch Kilian Zündel aus
Für sieben Spieler bedeuteten die Covid19-Tests im Vorfeld das WM aus, darunter mit Thimo Nickl und Kilian Zündel zwei Top-Verteidiger. Vier Spieler waren positiv getestet worden, drei Spieler wurden als Kontaktperson vom Weltverband nicht akzeptiert. Aufgrund unklarer Antigen-Tests waren “manchmal nur elf Spieler auf dem Eis, wir mussten das Programm komplett umstellen. Das war eine besondere Herausforderung, ist aber gut gelungen”, erzählte Bader. In Kanada wartet wieder eine mehrtägige Quarantäne im Hotel und ein Leben in einer Bubble ähnlich wie im NHL-Play-off, das in Edmonton und Toronto gespielt wurde.

Wie schwierig die Situation ist, zeigte sich im schwedischen Team. Nachdem zwei Spieler, der Teamchef und zwei Teamchef-Assistenten einen positiven Corona-Test abgegeben hatten, waren die Skandinavier auf der Suche nach einem neuen Trainerteam, was sich als nicht einfach herausstellte. In Kanada lebende schwedische Trainer und Ex-Spieler durften nicht einspringen, weil sie die strikten Quarantäneregeln nicht erfüllten.
Die österreichischen Spieler, angeführt von Marko Rossi, ließen sich die Vorfreude aber nicht nehmen. Noch dazu gibt es heuer wegen der Pandemie keine Absteiger. “Es ist eine einmalige Gelegenheit. Man kann sich nur freuen, nervös sind wir nicht wirklich. Wir können nicht absteigen und wollen uns der Eishockey-Welt so präsentieren, dass jeder sagt, Österreich hat gute Spieler”, erklärte Tim Harnisch.

“Wir dürfen keine Angst zeigen”, forderte Rossi. “Wir wollen uns von Spiel zu Spiel verbessern, daraus lernen, und wenn uns das gelingt, gelingt uns vielleicht gegen Tschechien sogar ein Überraschungssieg”, sagte Rossi, der von Minnesota Wild an Nummer neun gedraftet worden ist und mittlerweile einen Vertrag beim NHL-Club unterschrieben hat.
Tschechien ist am Silvestertag (20.00 Uhr MEZ/live ORF Sport +) der letzte Gegner der Österreicher und wohl der einzige, der eventuell in Reichweite sein könnte. Die ersten drei Gegner der Gruppe B im Rogers Place sind die USA (27.12., 3.30), Schweden (29.12., 0.00/live ORF Sport +) und Russland (30.12., 3.30) und damit drei Medaillenkandidaten.